Hachenerin in Paris – "Noch nie so unsicher und erschüttert"

Cristina Passarello (links) mit Freundinnen in Paris.
Cristina Passarello (links) mit Freundinnen in Paris.
Foto: Cristina Passarello
Was wir bereits wissen
Cristina Passarello aus Hachen lebt seit einem Jahr in ihrer Traumstadt Paris. Sie erlebt, wie ein Attentat das Leben in der Metropole verändert hat.

Paris/Hachen..  In Paris hat sie sich ihren Traum erfüllt. Die 26-jährige Cristina Passarello ging aus dem Sunderner Ortsteil Hachen in die europäische Metropole. Jetzt aber ist sie geschockt: „Ich wohne jetzt seit einem Jahr in Paris und ich habe mich nie so unsicher, so erschüttert gefühlt wie in dieser Woche“, sagt sie. Die Industriekauffrau erlebt, wie der terroristische Anschlag auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ und die Geiselnahme am Freitag von einen Tag auf den anderen das Leben in der Stadt veränderten. Das mutige Mädchen kennt jetzt Angst.

„Die Stadt stand nie still bis zu diesem Tag“, erzählt sie. Den Anschlag auf die Redaktion im 11. Arrondissement, bei dem zwölf Menschen ums Leben kamen, erlebte sie mit ihren Kollegen und Kolleginnen im Büro. „Es gab nur noch ein Thema: Charlie Hebdo“, berichtet die Hachenerin, „wir waren geschockt. Die Stimmung war erdrückend“. Da ihnen das Ausmaß des Attentates noch nicht bekannt war, saßen die Arbeitskollegen etwas verloren im Büro. „Wir wussten ja nicht, ob noch weitere Attentate geplant waren“, so Cristina Passarello. Verängstigt gingen sie am Ende des Arbeitstages auseinander. Sie wussten da nicht, dass das noch längst nicht das Ende der Gewalt war.

In der Stadt geblieben

Seit Mai 2014 arbeitet die Hachenerin für ein Unternehmen in der Recycling-Branche im Kundenservice und betreut Kunden aus Deutschland, aus der Schweiz und aus Österreich. Eigentlich war sie nur zum „Work and Travel“ nach Paris gegangen, nachdem sie ihre Ausbildung im Familienunternehmen Gebr. Schulte GmbH & Co.KG in Sundern beendet hatte.

Sie blieb in der Stadt, die sie schon immer faszinierte, und wollte dort selbstständig leben. Alles war gut in der für sie „wunderschönsten Stadt der Welt“. In ihrem Unternehmen arbeitet sie in einem „tollen Arbeitsklima“ mit Kollegen aus der ganzen Welt, die alle mit einem Ziel nach Frankreich gekommen waren: die Sprache und die französische Kultur kennenzulernen und zu leben.

Hoffnung auf Rückkehr des Friedens

Der Terror und die jetzige Stimmung zerstören dieses Idyll der Weltoffenheit. „Man hat ein Gefühl der Unsicherheit, wenn man mit der Metro fährt, durch die Straßen geht und man fühlt nur noch Trauer. Trauer für die Menschen, die ihr Leben verloren haben und für ihre Hinterbliebenen“, erzählt Cristina Passarello, „es ist seitdem, als würde ganz Paris still stehen“. Sie erlebte die Schweigeminute am Donnerstag um 12 Uhr mit, als in Paris die ganze Bevölkerung für eine Minute aufgehört hat zu arbeiten und die Metros stillstanden, um den Opfern zu gedenken.

Die Hachenerin hofft nun, dass der Frieden zurückkehrt. „Ich hoffe es nicht nur für Frankreich, sondern auch für alle muslimischen Mitbürger, die diese Tat verurteilen und nun rassistisch angefeindet werden“, sagt Passarello. Die jüngste Eskalation der Gewalt ergriff sie. „Jetzt habe ich wirklich Angst“, sagt sie. Die Stadt, ihre Kollegen und ihre Freunde seien kollektiv verunsichert. Viel Vertrauen sei so plötzlich verloren gegangen.

Oft Gedanken an zu Hause

Die Sauerländerin wünscht sich, dass die Stadt bald wieder etwas aufatmen kann. „Bei dem Gedanken, dass schwer bewaffnete Terroristen draußen herumlaufen könnten, stockt einem der Atem“. Nicht nur in diesen Momenten denkt Cristina oft an Zuhause. „Meine Heimat bleibt nach wie vor das Sauerland und mein Herz und meine Gedanken gehören meiner Familie, die mich bei der Erfüllung meines Traumes sehr unterstützt hat und die ich regelmäßig besuche“, sagt die 26-Jährige.

Kurz hatte sie gestern darüber nachgedacht, die Stadt zu verlassen. Ihren Traum Paris will sie aber nicht aufgeben. So telefoniert sie mit ihren besorgten Eltern im Sauerland. „Am Wochenende vor die Tür gehe ich jedenfalls nicht“, sagt sie, „da ist mir nicht nach“.

Entmutigen lassen will sie sich nicht. Sie hat Pläne: Bald geht ihr Spanisch-Kurs in Paris los, den sie neben der Arbeit besuchen wird, um ihre fünfte Sprache zu erlernen. Jetzt aber will sie nur, dass der Schrecken ein Ende nimmt.