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Zertifikat Familienfreundliches Unternehmen

Gut, wenn’s in der Firma auch mal menschelt

17.11.2015 | 17:47 Uhr
Gut, wenn’s in der Firma auch mal menschelt
Familienfreundliches Unternehmen – und Familienunternehmen: Willy Willmes, einer der beiden geschäftsführenden Gesellschafter der „Ingenieurgesellschaft Schmidt & Willmes mbH“, mit Sohn Jens, Ehefrau Barbara und Zertifikat.Foto: Ted Jones

Arnsberg. „Es gibt nichts, was nicht zu lösen ist“, sind sich Willy Willmes und Oliver Schmidt einig. Die geschäftsführenden Gesellschafter der „Ingenieurgesellschaft Schmidt & Willmes mbH“ haben bei diesem Ansatz nicht nur Kunden, sondern auch ihre Mitarbeiter im Blick.

Die ISW gehört zu den drei Arnsberger Betrieben, die 2015 als „Familienfreundliches Unternehmen im Hochsauerlandkreis“ zertifiziert worden sind (neben Trilux und WEPA, wir berichteten am Samstag).

Doch wie füllt ein Arbeitgeber den Begriff „familienfreundlich“ eigentlich mit Leben?

Bei Schmidt & Willmes lässt sich dieses Attribut bereits an flexiblen Arbeitszeiten festmachen: Zwar ist eine Kernzeit festgelegt, doch individuelle Zeiterfassung in Eigenverantwortung der Mitarbeiter wird groß geschrieben: Es gibt zahlreiche Ausnahmeregelungen, und das nicht nur als Reaktion auf Notfälle. Und gerät im Unternehmen jemand in Not, lassen die Chefs ihn nicht einfach fallen: Für eine Mitarbeiterin, deren Mann plötzlich verstorben ist, wurde zunächst eine Freistellung organisiert; im Anschluss ist sie nach und nach wieder in den Job eingestiegen. Eine Kollegin, seit 2010 als Ingenieurin im Betrieb, hat drei Kinder – und aktuell eine 30-Stunden-Stelle, denn eine Erkrankung ihres Ehemanns sorgt für zusätzliche Belastung. Sie hat außerdem die Möglichkeit, von zu Hause aus zu arbeiten. „Das war ganz leicht“, meint sie mit Blick auf die Flexibilität der Geschäftsführung beim Finden einer Lösung.

Bedeutender Wettbewerbsfaktor

„Familienfreundlichkeit ist für Sie als Unternehmer ein bedeutender Wettbewerbsfaktor“ heißt es in der Ausschreibung der WirtschaftsFörderungsGesellschaft (WFG) des Hochsauerlandkreises, auf deren Initiative hin die Zertifizierung erfolgt. Die ISW beweist im Arbeitsalltag, das sie sich ihr Zertifikat verdient hat – das erst nach qualifizierter Beratung, mehreren Impuls-Veranstaltungen und Kurzpräsentation vor einer Fach-Jury von deren Mitgliedern verliehen wird.

Doch nicht nur ein kleineres Familienunternehmen mit 50 Mitarbeitern hat die Vorteile einer familienfreundlichen Führungsstrategie auf dem Schirm – auch zwei heimische „Schwergewichte“ haben erfolgreich am diesjährigen Zertifizierungsprozess teilgenommen:

„Jedes Unternehmen kann ausnahmslos nur durch die Kraft der Mitarbeiter weiter entwickelt werden“, lautet das Motto von Michael Huber, seit 2006 Generalbevollmächtigter des Leuchtenher­stellers „Trilux“. Für dessen über 1600 Mitarbeiter gibt es keine Kernzeiten, sondern einen Arbeitszeitrahmen, der es jedem Einzelnen ermöglichen soll, Beruf und Privates mit­einander zu kombinieren. „Hilfe in Notlagen“ dokumentiert folgendes „Best-Practice“-Beispiel: Als eine Trilux-Mitarbeiterin ihren Mann durch einen Unfall verlor, wurde ­innerhalb von nur 30 Minuten eine Lösung gefunden: zunächst Freistellung, dann Versetzung in einen Bereich der Produktion ohne ­Akkord-Arbeit – in Kombination mit individueller Arbeitszeit.

Trilux setzt auf die Fürsorge-Pflicht der Führungskräfte; und das ­Privatleben der Mitarbeiter ist ein wichtiges Gut.

Auch die WEPA-Gruppe – als Dritter im Bunde – setzt auf flexible Arbeitszeitgestaltung und hilft im Einzel(not)fall gezielt und fair. Zusätzlich bietet der Hygienepapierhersteller seiner knapp 1000-köpfigen Belegschaft ein Mitarbeiter-Telefon: Sieben Tage pro Woche dürfen sich Mitarbeiter und deren Angehörige rund um die Uhr bei beruflichen oder privaten Problemen (anonym) Rat holen: Stress im Büro, Kinderbetreuung, Rechtsanwaltssuche, Burnout, Schulden, Beziehungskrise; kein Thema ist tabu!

Torsten Koch

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2015-11-17 17:47
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