Grubengas statt Steinkohle: Suchbohrungen ohne Fracking

Blick auf die ehemalige Zeche Heinrich-Robert des Verbundbergwerks Ost in Hamm. Im ehemaligen Abbaugebiet Radbod darf das Unternehmen Hamm-Gas jetzt nach Flözgasen bohren – allerdings ohne die umstrittene Fracking-Methode.l
Blick auf die ehemalige Zeche Heinrich-Robert des Verbundbergwerks Ost in Hamm. Im ehemaligen Abbaugebiet Radbod darf das Unternehmen Hamm-Gas jetzt nach Flözgasen bohren – allerdings ohne die umstrittene Fracking-Methode.l
Foto: WAZ FotoPool/ Ralf Rottmann
  • Das Unternehmen Hamm-Gas darf eine Suchbohrung abteufen
  • Das hat die Bezirksregierung Arnsberg jetzt genehmigt
  • Die Auflage: kein Fracking

Hamm/Arnsberg.. Grubengas statt Steinkohle: Die Bezirksregierung Arnsberg hat dem Unternehmen Hamm-Gas die Erlaubnis erteilt, im münsterländischen Ascheberg nach Gasvorkommen in Kohleflözen zu suchen. In mehr als 1000 Metern Tiefe, in einer Steinkohlelagerstätte, die die Ruhrkohle AG aufgegeben hat. Allerdings darf die höchst umstrittene Methode des Frackings, bei dem ein Wasser-Sand-Chemikalien-Mix unter hohem Druck in die Gesteinsschichten gepresst wird, nicht angewendet werden.

Ist mit der Erlaubnis dennoch ein Dammbruch verbunden? Ja – und nein.

„Es handelt sich um eine normale Tiefbohrung“, ordnet Andreas Nörthen, bei der Bezirksregierung Arnsberg zuständig für Bergbauangelegenheiten, das genehmigte Vorhaben von Hamm-Gas ein. Nörthen verweist dabei auf das in Nordrhein-Westfalen nach wie vor geltende Fracking-Moratorium; diese Methode darf nicht zur Anwendung kommen. Die Erlaubnis an Hamm-Gas sei daher auch nur unter einem „rechtsverbindlichen Verzicht auf Fracking“ erteilt worden.

Abbaureserve aufgegeben

Dennoch beginnt mit dem Projekt in Westfalen operativ die Suche nach Gas, das in tiefen Gesteinsschichten steckt, und sich an die Oberfläche fördern lässt.

Die „Bergbauberechtigung zur Aufsuchung von Kohlenwasserstoffen“ für Hamm-Gas trägt die laufende Nr. 17. Dauer der Laufzeit: bis zum 7. April 2018. Der Name des Abbaufelds: Rudolf. Es liegt im Nordwesten von Hamm und gehört im weiteren zum (ehemaligen) Abbaufeld Radbod 7 – eine Steinkohlelager-Reserve, die die Ruhrkohle AG vom einstigen Schacht Heinrich-Robert des Verbundbergwerks Ost hätte abbauen wollen. Mit dem politisch beschlossenen Ausstieg aus dem subventionierten Steinkohlebergbau in Deutschland wurden diese Pläne aufgegeben; das Verbundbergwerk Ost ist längst Geschichte; die Zeche wurde 2010 stillgelegt. Schicht im Schacht, fertig mit der Förderung. Vorläufig, wie es jetzt scheint.

Das Ziel: Gewinnung und Verkauf von Flözgas

Was aus der Zechenzeit blieb, sind die Ergebnisse von „Prospektionsbohrungen auf Steinkohle“, die zuvor durchgeführt wurden. An diese knüpft Hamm-Gas an und hat offenbar die berechtigte Hoffnung, in der Tiefe in den Steinkohleflözen auf durchaus ergiebige Flözgasvorkommen zu stoßen.

Die Bohrlänge beträgt 1 740 Meter

Aus unter Tage Radbod 7 ist oberirdisch „Herbern 58“ geworden; so hat Hamm-Gas das Bohrfeld nach einer Ortslage auf dem Gebiet von Ascheberg genannt. Der 55-seitige Hauptbetriebsplan, in seiner letzten Fassung vom November 2015, ist jetzt genehmigt. Die Bohrlänge beträgt 1 740 Meter.

Die Bohrkerne, die dabei zu Tage gefördert werden, sollen weiteren Aufschluss über die tektonischen Gegebenheiten in der Tiefe bringen. „Eine Förderung von Flözgas ist nicht Bestandteil der Genehmigung“, erklärt Andreas Nörthen; dafür müsse Hamm-Gas dann gesondert einen Betriebsplan vorlegen.

Die Bezirksregierung geht offenbar auf der Basis der bislang vorliegenden Erkenntnisse über die Steinkohlelagerstätte davon aus, dass das Flözgas nicht „eruptionsartig an die Oberfläche strömt“; vielmehr werde es vermutlich aus der Tiefe abgesaugt werden müssen. Letztlich hänge das „von den Wegsamkeiten“ für das Gas unter Tage ab, vom Verlauf von natürlichen Rissen und Flüchten in der Gesteinsschicht.

Guten Claim abgesteckt

Hamm-Gas will die Bohrung noch im Frühjahr beginnen; die Kosten sollen nach Informationen unserer Zeitung bei zwei bis drei Millionen Euro liegen. Weitere Bohrungen könnten folgen.

Mit dem Feld Rudolf hat Hamm-Gas offenbar einen guten Claim abgesteckt – sofern sich das Flözgas tatsächlich an die Oberfläche saugen lässt. Dann stünde die Tür für die Gewinnung von Gas aus tiefen Gesteinsschichten in Westfalen offen. Weit offen sogar. „In den meisten anderen Aufsuchfeldern wird eine Gasförderung ohne Fracking wohl nicht funktionieren“, lautet die Einschätzung der Bezirksregierung Arnsberg. Das ist schlecht für die Unternehmen, die sich andere Aufsuchfelder gesichert hatten. Etwa die Felder Falke und Falke-Süd, das Teile von Südwestfalen berührt(e). Die Rechtsinhaber, die Falke Hydrocarbones, haben die Konzession mittlerweile auslaufen lassen.