Große Unterschiede bei Kita-Gebühren in Südwestfalen

In Arnsberg sind die Kita-Gebühren trotz einer Reform immer noch besonders teuer. Iserlohn hingegen strebt bis 2019 Beitragsfreiheit an.

Arnsberg/Iserlohn.. Tief im Sauerland verankert liegt die Stadt Arnsberg, geprägt von der Ruhr und der charmanten Altstadt. Dort lässt es sich gut leben – das gilt auch für Familien. Doch die sollten ein dickes Portemonnaie haben. Denn nirgendwo in Südwestfalen sind Kita-Plätze so teuer wie in Arnsberg. Das bewiesen im vergangenen Jahr die Zahlen vom Bund der Steuerzahler NRW, der die Elternbeiträge für Kindertageseinrichtungen in 49 Städten miteinander verglich.

Besonders groß war im Anschluss die Empörung der Eltern in Arnsberg. Mit Abstand zahlen sie am meisten. So müssen Eltern mit einem Bruttojahreseinkommen von 40 000 Euro derzeit 156 Euro berappen, damit das fünfjährige Kind wöchentlich 45 Stunden in der Kita verbringen kann.

Neue Gebührensätze, altes Problem

Die gute Nachricht: Die Stadt hat die Elternbeiträge angepasst. Ab August soll die Reform gelten. Die schlechte Nachricht: Auch mit den neuen Gebührensätzen belegt Arnsberg den Spitzenplatz, wie unsere Grafik belegt. Für Tomislav Babic ist das nicht verwunderlich. Er hat zusammen mit Nico Menn und Dennis Sevignani eine Elterninitiative gegen zu hohe Kita-Gebühren in Arnsberg ins Leben gerufen. „Die neuen Zahlen überraschen uns nicht. Es ist zwar lobenswert, dass sich in unteren Einkommensklassen was getan hat, aber die Problematik liegt im Detail“, sagt er. #

Und er hat Recht. Zwar wurde in der Reform die Einkommensgrenze für eine beitragsfreie Betreuung von 12 271 Euro auf 20 000 Euro angehoben – allerdings gilt diese nicht mehr flächendeckend für alle Betreuungszeiten. Sobald also ein Kind wöchentlich 45 Stunden betreut wird, müssen die Eltern zahlen – egal, wie gering das Einkommen ist. Zudem ist in der Reform eine jährliche Erhöhung der Beiträge um 1,5 Prozent verankert, die zur Folge hat, dass in ein paar Jahren in gewissen Einkommensstufen höhere Beiträge als vor der Reform anfallen.

Iserlohn als Positivbeispiel

Gegen diese Beschlüsse hat die Elterninitiative nun nach Paragraf 24 der Gemeindeordnung der Stadt einen Antrag vorgelegt. Dieser beinhaltet auch die Forderung nach einer deutlichen Absenkung der Gebühren in allen Einkommensgruppen. Ab August werden nämlich Schwachverdiener entlastet, Familien mit hohem Einkommen müssen dafür umso tiefer in die Tasche greifen. „Durch die Reform hat eine klassische Umschichtung stattgefunden, die zur Folge hat, dass Familien mit hohem Einkommen sich nach alternativen Betreuungsmöglichkeiten umschauen“, so Tomislav Babic.

Dass es auch deutlich anders geht, zeigt die Stadt Siegen. Bis zu einem Haushaltseinkommen von 29 999 Euro brutto ist ein Kita-Platz beitragsfrei. Und auch für Familien mit einem höheren Einkommen sind die Gebühren durchaus erschwinglich. So zahlt eine Familie mit zwei Kindern im Alter von zwei und fünf Jahren lediglich 64 Euro pro Monat. Im Vergleich: In Arnsberg fallen ab August 249 Euro an, bisher sind es 310 Euro. Dies liegt zum einen daran, dass generell die Beiträge in Siegen deutlich niedriger sind als in allen anderen Städten, zudem aber auch keine erhöhten Gebühren für eine U3-Betreuung gefordert werden.

Erstes Etappenziel erreicht

In Iserlohn gibt es diese Unterscheidung derzeit noch. Und trotzdem führt Tomislav Babic die Waldstadt als Positivbeispiel an, da sie bis 2019 eine Elternbeitragsfreiheit anstrebt. Begründet mit einem sehr triftigen Argument. „Eine Kita ist ein Bildungsplatz. Bildung ist in Deutschland kostenfrei. Wieso sollen Eltern also dann für einen Kita-Platz zahlen?“, fordert der Iserlohner Jugendamtsleiter Kai Maibaum beitragsfreie Kitas.

Wie genau dieses Ziel erreicht werden soll, wird derzeit noch geprüft. Ein erstes Etappenziel ist allerdings erreicht: Ab August wird die Beitragsgrenze von 20 000 Euro auf 24 000 Euro angehoben. Ein Schritt in die richtige Richtung, wenn auch nur ein erster. Tomislav Babic findet trotzdem lobende Worte: „In Iserlohn wird sich ernsthaft mit dieser Thematik auseinandergesetzt, bei uns leider nicht. Die Arnsberger Politik hat sich Iserlohn als Beispiel zu nehmen.“