Grenzverletzungen in Beratung und Therapie erkennen

Hochsauerlandkreis..  Obwohl das Bekanntwerden des Missbrauchsskandals an der Odenwaldschule und innerhalb katholischer Institutionen eine breitere Öffentlichkeit für dieses Thema sensibilisiert hat, kann man sich meist nicht vorstellen, dass dies auch in der eigenen, unmittelbaren Umg-bung geschieht. Nicht nur in Familien, im familiären Umfeld, in Institutionen, wie Schulen, Gemeinden, Sportvereinen, Heimen, finden alltäglich Grenzverletzungen und sogar sexueller Missbrauch statt, sondern auch an Orten, an denen Patienten gezielt nach Hilfe und Unter-stützung suchen: zum Beispiel in Kliniken, in Arztpraxen und in psychotherapeutischen Behandlungs-räumen.

Da Patientinnen von grenzverletzendem Verhalten berichten, setzen sich die Psychotherapeutinnen des Hochsauerlandkreises seit einiger Zeit mit diesem Thema auseinander.

Die Psychosoziale Arbeitsgemeinschaft des Hochsauerlandkreises (PSAG) hat im Rahmen einer Fachtagung im Kreishaus Meschede dieses Thema aufgegriffen. „Informationen zu diesem Thema helfen den Behandlern, ein Risiko wahrzunehmen und einzuschränken. Sie können auch helfen, bestehenden Missbrauch zu erkennen und zu beenden oder Möglichkeiten zu finden, gegen missbrauchende Therapeuten vorzugehen“ so Albert Frohn, Sprecher der Arbeitsgruppe „Ambulante Beratung und Therapie“ der PSAG.

Wunsch nach professioneller Hilfe

„Patienten wünschen sich Hilfe und Unterstützung des professionellen Behandlers oder sind sogar darauf angewiesen. In dieser durch Abhängigkeit definierten Situation fällt es besonders schwer, Grenzverletzungen zu erkennen oder sich gegen sie zu wehren.“ unterstrich auch Monika Schenk-Rüppel, niedergelassene Psychotherapeutin in der Einführung zur Fachtagung. Monika Holzbecher, Mitglied des Ethikausschusses der Gesellschaft für wissenschaftliche Gesprächstherapie und niedergelassen Psychotherapeutin in Essen machte als Referentin der Fachtagung unmissverständlich klar: „Grenzverletzungen sind kein Kavaliersdelikt und auch eine niederschwellige Grenzüberschreitung kann weitreichende negative Folgen für die Patientinnen haben. Sie begünstigen zukünftige ähnliche Erfahrungen und erneute Trauma-tisierung.“

Die PSAG Hochsauerlandkreis wird Fachveranstaltung zu diesem Thema auch zukünftig anbieten. „Wir wollen das Thema des Missbrauchs in der ärztlichen, therapeutischen und beratenden Behandlung durch Aufklärungsarbeit und Bildungsarbeit aus der Tabuzone ho-len“, so Karl Josef Fischer, Psychiatriekoordinator des Hochsauerlandkreises und Geschäftsführer der PSAG beim Gesundheitsamt des Hochsauerlandkreis.

Moderiert wurde die Fachtagung von Monika Stich, Leiterin des LWL Fort- und Weiterbildungszentrums in Warstein.