Graef – So entstehen Alleskönner in Handarbeit

Besuch bei der Firma Graef in Arnsberg-Neheim, die Schneidewerkzeuge und Haushaltsgeräte zum Teil noch in Handarbeit montiert. Auf diesem Bild setzt eine Mitarbeiterin eine Schneidemaschine zusammen.
Besuch bei der Firma Graef in Arnsberg-Neheim, die Schneidewerkzeuge und Haushaltsgeräte zum Teil noch in Handarbeit montiert. Auf diesem Bild setzt eine Mitarbeiterin eine Schneidemaschine zusammen.
Foto: Matthias Graben
Was wir bereits wissen
Die Firma Graef stellt Allesschneider in Handarbeit her. Montagegruppen mit vier bis fünf Mitarbeitern setzen die Maschinen zusammen – 100.000 Stück im Jahr.

Arnsberg.. Zum Schneiden hat der Mensch das Messer erfunden. Damit beginnt das Problem. Denn bei manchen Lebensmitteln ist er beim Hantieren mit dem Küchenmesser zu langsam, zu unpräzise oder einfach zu ungeschickt. Mit Brot zum Beispiel. Oder mit Aufschnitt. Dafür gibt es Allesschneider - in der Küche meist wenig beachtete Alleskönner. Die Firma Graef in Arnsberg stellt sie in Handarbeit her und darf sich Manufaktur nennen - zu Recht. Eine der vielen starken Marken aus dem Sauerland.

Technologie Wer die Produktionswerkstatt im Industriegebiet Bergheim betritt, sieht kein Fließband und keine Maschinen in Reihe stehen, der Automatisierungsgrad bei Graef hält sich in sehr engen Grenzen. Stattdessen kleine Gruppen von Mitarbeitern, die die Allesschneider aus zugelieferten Teilen zusammensetzen. Rund 100.000 im Jahr verlassen das Werk. Ihr Werkzeug ist unter anderem ein Luftdruck-Schraubendreher.

Sonderserie erfüllt Kundenwünsche

„Wir haben hier Montagegruppen von vier bis fünf Mitarbeitern, die eine ganze Produktserie fertigen“, sagt Geschäftsführer und Mitgesellschafter Andreas Schmidt, der den Betrieb zusammen mit Herrmann und Reinhard Graef führt, Nachkommen des Firmengründers in dritter Generation. Vor der Montage kommen Konstruktion und Entwicklung, nachher Marketing, Vertrieb und Service. Produktserie - das bedeutet die Verwendung eines bestimmten Designs, bestimmter Messer, bestimmter Schlitten, bestimmter Motoren. Es gibt die Katalogware, „aber wenn ein paar hundert Kunden spezielle Wünsche haben, erfüllen wir die mit einer Sonderserie“, so der Geschäftsführer.

Im gewerblichen Bereich - Schneidewerkzeug für Gaststätten Imbissbuden, Metzgereien, für die Fleischproduktion, für Supermarktketten an Wurst- und Käsetheken oder den Bereich hinter der Glasscheibe – baut ein Mitarbeiter eine Maschine aus bis zu 1200 Teilen zusammen, das kann einen Tag lang dauern. Für einen Haushalts-Allesschneider veranschlagt Schmidt 15 bis 45 Minuten. Der Anteil von Allesschneidern für den Haushalts- und den gewerblichen Bereich beträgt etwa 70:30 - noch.

Echte Handarbeit Der gewerbliche Bereich soll künftig stärker wachsen – private Haushalte sind ein eher stagnierender Markt. Schmidt hat da vor allem den Export im Blick – der Anteil beträgt 35 Prozent in alle europäischen Länder, vor allem nach Österreich und in die Schweiz, wo Graef besonders stark ist. Schmidt denkt schon an eine Ausweitung der Produktion. Haushaltsgeräte zur Lebensmittelverarbeitung, die mit Motoren betrieben werden, mehr will er nicht verraten – „mit Motoren kennen wir uns aus.“

Wie funktioniert das in Geiz-ist-Geil-Zeiten, wie behaupten sich Allesschneider, die nach Schmidts Aussage „nicht die billigsten sind“, gegen Industrieware, die vor allem beim Preis punktet? „Die Kunden müssen uns glauben, dass sie für ihr Geld einen reellen Gegenwert erhalten“, sagt Schmidt. Und der muss auch nach vielen Jahren noch zu sehen sein – bei Preisen für Haushalts-Allesschneider von 100 bis 600 Euro:„Neulich ist ein Kunde mit einer Maschine von 1962 zu uns gekommen, da musste lediglich das Messer geschärft werden.“ Das ist im Übrigen einer der Trümpfe des Arnsberger Unternehmens: Service. „Wenn jemand eine defekte Graef-Maschine vorbeibringt, dann reparieren wir die, und der Kunde kann darauf warten“, sagt Schmidt. „Das passiert ein paarmal in der Woche und wir wollen den Bereich ausbauen.“

Produktionsstraßen im Blick

Ausbau ist ein gutes Stichwort. 2009 stellte sich die Firma Graef breiter auf, mit Produkten rund um die Küche: Wasserkocher, Toaster, Kaffeemühlen, Waffeleisen, Espressomaschinen, Milchaufschäumer, Messerschärfer – alles, was der urbane Mensch heutzutage so braucht. Entwicklung und Design kommen aus Arnsberg, produziert wird aus Kostengründen in zwei Unternehmen in China. „Wir platzen aus allen Nähten, sind sehr gut unterwegs, müssen aber auch neue Märkte erschließen“, sagt Schmidt.

Die Zukunft sieht er neben dem Ausbau des Haushalts-Sortiments allerdings eher im gewerblichen Bereich. Bei Schneidemaschinen für die großen Supermarktketten. Etwa komplette Produktionsstraßen inklusive Verpackungsanlage für den Bereich hinter der Fleisch- und Wurst-Theke. „Da stehen wir preislich sehr unter Druck. Der Wettbewerb ist beinhart.“