Gottesdienste müssen an das Leben anknüpfen

1 Warum ist solch ein starker Rückgang wahrzunehmen?

Das resultiert aus der Gesamtsituation. Die Kirche steckt in vielen Punkten im Umbruch. Früher war der Glaube eine Selbstverständlichkeit. Wir genossen damals eine andere Erziehung – es gehörte praktisch zur bürgerlichen Gesellschaft dazu. Durch den demografischen Wandel wird das Christentum aber teilweise zu einer Minderheitserfahrung. Ein Grund für den Rückgang sind wahrscheinlich auch die Skandale, die in den letzten Jahren in den Medien zu sehen waren. Die selbstverständliche Beziehung zur Institution ist im Laufe der letzten Jahrzehnte weggebrochen. Für junge Leute ist es heute schwierig, einen Weg mit der Kirche zu gehen, da er nicht dem Mainstream entspricht.

2 Wie kann man junge Leute animieren?

Es besteht eine Chance, wenn wir authentischer werden. Wir müssen das Evangelium ins Leben rufen. Ich sehe doch, dass viele junge Menschen neue Orientierung suchen. Es müssen Orte geschaffen werden, wo Menschen Gott erfahren. Wir müssen das leben, was Jesus gesagt hat, indem wir für die Menschen da sind. Deutlicher muss werden, dass wir uns aus unseren verborgenen Räumen in die Öffentlichkeit bewegen. Es gibt ja auch schon gute Ansätze, wie zum Beispiel den Jugendgottesdienst „Connected“. Das Kirche noch Massen anziehen kann, glaube ich allerdings nicht.

3 Ist der Kirchgang ein Parameter für ein gesundes Gemeindeleben?

Mit den Gottesdiensten kann man eine wahnsinnige Gemeinschaft aufbauen – es kann wie ein Netz sein, das einem Halt und Sicherheit gibt. Man kann jemanden allerdings nicht zum Gottesdienst animieren, wenn er nicht vorher eine derartige Erfahrung von Gemeinschaft erlebt hat. Daher ist es wichtig, den Gottesdienst so vorzubereiten, dass er auch an unser Leben anknüpft. Viele Menschen verstehen unter Kirche nur die Institution, nur ein Gebäude – aber Kirche ist mehr. Es gilt ein neues Bild von der Kirche zu entwickeln. Dabei ist Papst Franziskus eine ganz entscheidende weltoffene Person, von der wir alle lernen können.