Geocacher landete auf der Anklagebank

GPS-Empfänger
GPS-Empfänger
Foto: WP

Arnsberg.. Eigentlich ist es nur ein Spiel, dennoch landete ein Mann aus Arnsberg-Oeventrop nun auf der Anklagebank: Er hatte sich für seine Geocaching-Mitspieler einen alten Fernmeldeturm als Versteck für seinen „Cache“ (Schatz) überlegt - und wurde wegen Hausfriedensbruch angeklagt.

Es ist so etwas wie eine moderne Schatzsuche, eine virtuelle Schnitzeljagd. Geocaching nennt sich das Hobby, bei dem ein „Schatz“ versteckt wird und dessen Versteck in Form von Koordinaten im Internet veröffentlicht wird. Dann gehen die Mitspieler mit GPS-Gerät auf Suche. Ein mittlerweile weit verbreitetes Hobby mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden - vom simplen Suchen im Wald bis hin zu Verstecken, die nur mit speziellem Equipment erreichbar sind, wie Bergsteiger- oder Schnorchelausrüstung.

Dass man als Betreiber eines solchen immer beliebter werdenden Hobbys auch schon mal auf der Anklagebank landen kann, diese Erfahrung machte jetzt ein 45-jähriger Mann aus Oeventrop. Für seine Internet-Mitspieler hatte er sich ein ganz besonderes Versteck ausgesucht, und zwar einen alten Fernmeldetum in Dinschede. Ein Turm, der seit 2007 nicht mehr seinen Zweck erfüllt. Alle Fernmeldeeinrichtungen wurden abgebaut, die Pflege von Grundstück und Umzäunung weitgehend eingestellt, ehemalige Verbotsschilder verschwanden nach und nach.

Mitspieler vom Versteck begeistert

Und weil der 45-jährige Familienvater von einem herrenlosen Grundstück ausging, sah er den Turm als ein ideales Ziel, am 26. April 2008, seinen „Cache“ (Schatz) im Inneren auf 35 Metern Höhe zu platzieren. Freunde und Mitspieler, die das Ziel nur gesichert erreichen konnte, schwärmten im Internet in hohen Tönen vom sensationellen, aber auch gefährlichen Versteck. Purer Nervenkitzel.

Monate später wandelte sich beim 45-Jährigen die Freude über ein gelungenes Spiel in Wut, als ihm von der Staatsanwaltschaft ein Strafbefehl über 100 Euro wegen Hausfriedensbruchs ins Haus flatterte. Und nicht nur der „Cache-Leger“ auch die Mitspieler, weit über 40 an der Zahl, bekamen Post.

Weil er sich keiner Schuld bewusst war, legte der Oeventroper Widerspruch ein und so musste er sich gestern vor dem Einzelrichter des Arnsberger Amtsgerichts verantworten. Für den Richter stand zweifelsfrei fest, dass man solch’ verlassene Anlagen nicht betreten darf, auch wenn der Holzzaun vor sich hin gammele.

Richter fand Versteck lebensgefährlich

„Einen Cache dort zu verstecken, halt’ ich für den größten Mumpitz, ja es kann sogar lebensgefährlich sein“, sagte der Richter und warnte den Angeklagten und die vielen Geocaching-Freunde, die sich im Gerichtssaal eingefunden hatten, vor weiteren derartig riskanten Spielchen.

Weil der Angeklagte schließlich Einsicht zeigte, mit den Ausgaben für seinen Verteidiger schon genug belastet sei, stellte der Richter mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft das Verfahren wegen Geringfügigkeit ein.

Klar machte er aber auch, dass der Tatbestand des Hausfriedensbruchs auch dann erfüllt sei, wenn man ein fremdes Gelände betritt, an dem die Hinweisschilder fehlten.

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