Gemeinsam Europa erleben
07.06.2009 | 21:56 Uhr 2009-06-07T21:56:00+0200
Beim 40. „Dies Internationalis” feierten am Samstag viele hundert Menschen aus den verschiedensten Ländern gemeinsam auf der Neheimer Domplatte.
Christen und Moslems beteten miteinander, Türken und Griechen verstanden sich gut. Doch der politische Alltag sieht anders aus.
Inwiefern hat die EU dazu beigetragen, zumindest innerhalb ihrer Mitgliedsstaaten die gedanklichen Barrieren abzubauen? Und ist das europäische Gemeinschaftsgefühl vielleicht doch bereits stärker, als es an vielen Stellen bemängelt wird? Die WR hörte sich auf dem multikulturellen Fest um und lässt Angehörige verschiedener Nationen zu Wort kommen.
Der Himmel ist grau, der Regen stetig, die Temperaturen sind einstellig. An einem gewöhnlichen Tag wäre die Domplatte in Neheim bei solchen Voraussetzungen wohl menschenleer und grau gewesen. Nicht so am „Dies internationalis”.
Auf den ersten Blick erscheinen die Dampfwolken, die unter vielen der abgedeckten Stände hervorkommen wie Nebelschwaden, doch man riecht schnell: Es wird gekocht, und zwar mindestens genauso bunt wie die Luftballons. Ob Marokkanisch, Portugiesisch, Türkisch, Italienisch, Griechisch, Thailändisch, Russisch, Deutsch oder Arabisch - es ist für jeden etwas dabei. Doch schon am Essen merkt man, wie unterschiedlich die einzelnen Kulturen sind, selbst wenn man die nichteuropäischen ausklammert. Dass Gemeinschaft auf dem Dies trotzdem gelebt wird, steht außer Frage. Doch kann bei so vielen Unterschieden überhaupt ein alltägliches Gemeinschaftsgefühl innerhalb der EU entstehen? Und gibt es Menschen, die sich tatsächlich als Europäer sehen? „Ich fühle mich als Europäer und zwar schon lange, aber ich glaube nicht, dass allgemein ein starkes Gemeinschaftsgefühl in Europa herrscht”, bedauert der Vorsitzende des portugiesischen Kulturvereins Neheim, Luis Couto, und rührt in dem Topf mit dampfenden Gambas herum, der auf der Verkaufstheke steht. „Es liegt an jedem einzelnen selbst, ob er sich in die EU integriert oder nicht. An manchen Punkten gibt es noch zu große Berührungsängste, vor allem zwischen den verschiedenen Religionen. Das ist schade, es wäre schöner wenn alle so zusammenhalten würden wie heute hier.” Marco Calcagno, der am Stand des italienischen Vereins AISCA steht, und Pizza und Rotwein verkauft, fühlt sich als Europäer. „Ich bin in Deutschland geboren aber fahre jedes Jahr nach Italien. Die EU ist etwas Feines. Sie ermöglicht jedem ganz unkompliziert andere Länder zu erkunden. Unterschiedlich bleiben die Länder aber in jedem Fall, und das ist auch gut so. Nur die sozialen Ungleichheiten sollten verschwinden, und das erhoffe ich mir von der EU.”
Am Nebenstand steht Pavlos Koulouris und schneidet Gyros vom Spieß. Er ist Grieche. Europäische Gemeinschaft fühlt er außerhalb des „Dies internationalis” und anderer Aktionen des Internationalen Arbeitskreises nur selten. „Das ist sehr bedauerlich, aber ich werde im Alltag oft nach meiner Nationalität gefragt, und viele sehen mich als Ausländer, nicht als Europäer. Deshalb fühle ich mich auch nicht wie einer.”
Die Veranstalterin des „Dies internationales", Gabriele Schüttelhöfer: „Europa sollte mit einer Stimme in die Welt sprechen und sich auch für mehr Umweltschutz einsetzen. Verärgert bin ich ein bisschen über das Verhalten der Briten in der Europapolitik.” Umso glücklicher ist sie darüber, dass zumindest beim „Dies internationalis" die Stimmung super ist, und das sogar weit über die Grenzen Europas hinaus.

08:29
Trotz des schlechten Wetters hat es mir gut gefallen. Der europäische Gedanke wird hier ausgelebt.
Jeder ist ein Ausländer, irgendwo auf der Welt