Gemeindeversammlung eskaliert

Evangelische Kirchengemeinde Neheim
Evangelische Kirchengemeinde Neheim
Foto: Achim Benke
Was wir bereits wissen
Ein tiefer Riss geht offenbar durch die evangelische Kirchengemeinde in Neheim. Die Gemeindeversammlung am Sonntag eskalierte.

Neheim..  Eigentlich sollte die Gemeindeversammlung der evangelischen Kirchengemeinde Neheim ruhig und friedlich im Gotteshaus Pauluskirche ablaufen. Doch schon nach dem ersten Tagesordnungspunkt „Personelle und organisatorische Änderungen“ ging Bertram Brökelmann ans Mikrophon und behauptet: „Hier wird doch nur eine heile Welt vorgelebt. Es liegt doch ganz klar eine Gemeindespaltung vor. Die Gemeinde ist krank und nicht in Ordnung. Herr Dr. Arnoldi, sie haben die Gemeinde leer gepredigt.“ Diese Aussage lies die Masse der versammelten Gemeindemitglieder nicht im Raum stehen und verteidigten ihren Pfarrer.

Brökelmann bekam Gegenwind. Versammlungsleiter Karl-Georg Wuschansky bat sehr deutlich um eine sachliche Diskussion. Den zweiten Angriff bekamen die Geistlichen Dr. Udo Arnoldi und Elisabeth Pakull beim Tagesordnungspunkt Gebäude und Finanzen. Dort trafen Pro und Contra des neuen Gemeindehauses in der Burgstraße aufeinander. Arnoldi betonte: „Es ist schmerzlich, dass das alte Haus abgerissen wird. Wir müssen aber das zukünftige Leben der Gemeinde gemeinsam neu gestalten. Wir haben sicherlich im Bereich der Kommunikation nicht alles richtig gemacht.“

Die Contra-Abteilung betonte, dass der Bau weit mehr kosten werde, als veranschlagt wurde. Sie behaupten, dass das Budget bis zu 1 Million gehen werde. Man habe sich vom Presbyterium in den Kopf gesetzt, dass das alte Gemeindehaus nicht mehr renoviert wird. Brökelmann ergriff wieder das Wort: „Ich zweifele die Demokratie im Presbyterium an. Die 600 000 Euro sind eine Beleidigung für die Gemeinde.“ Bei dem Monolog kam es zu persönlichen Angriffen und Beleidigungen. Vom Presbyterium wurde das Mikrophon abgestellt und Pakull geleitete Brökelmann zu seinem Sitzplatz. Auch Ulrich Beyroth wurden beruhigend zu seinem Sitzplatz begleitet.

Arnoldi blieb bei der ganzen Szenerie ruhig und gelassen. „Weshalb greift ihr nicht das Presbyterium an und immer nur den Pfarrer. Das Presbyterium hat für den Verkauf des Gemeindehauses gestimmt. Pfarrer Arnoldi war dagegen“, so die Pro-Seite. Wuschansky bat abermals um Sachlichkeit: „So ein Verhalten hat in einem Gotteshaus nichts zu suchen. Die rote Linie bei Versammlungen sei nun überschritten. Eine sachliche Aufgeregtheit ist in Ordnung, aber was hier jetzt passiert, gehört sich nicht.“

Presbyteriumsmitglied Gundel Busse bestätigte, dass die Wohnung im Gemeindehaus leer steht und somit rund 500 Euro Mieteinnahmen im Monat fehlen. „Man hat uns von einer Renovierung abgeraten. Der Umbau sei viel zu teuer, um sie attraktiv zu machen.“ Was kostet der Baustop der Gemeinde? „Die Kosten trägt der Verlierer des Prozesses“, so Arnoldi. Er bestätigte, dass der Anwalt der evangelischen Gemeinde empfiehlt, den Bau fortzusetzen. Anfang August wird das Presbyterium darüber entscheiden. „Das neue Gemeindehaus wird in diesem Jahr nicht mehr fertiggestellt. Einen Termin können wir noch nicht sagen, das kommt auch auf den bevorstehenden Winter an“, so Arnoldi.

Brökelmann setzte nach: „Wir haben zwar die erste Runde verloren, aber sie bewegen sich noch nicht in juristisch sicheren Gewässern. Gehen sie, Herr Dr. Arnoldi, aber nicht davon aus, dass sie dadurch ein Vertrauensvorschuss genießen. Es wurde bisher nur summarisch geurteilt. Sie sind Treuhänder unseres Vermögens. Noch haben wir keine Gutachter bestellt. Die Messe ist noch nicht gelesen. Es wird weiter gehen. Sie und Frau Pakull und das Presbyterium tragen das Risiko.“

Ein wenig organisisatorisch wurde es bei der Versammlung dann doch noch: Am 17. Juni wird über die Gruppenverteilung nach Schließung des Gemeindehauses gesprochen. Die katholische Kirchengemeinde Gemeinde St.-Johannes-Baptist Neheim und Voßwinkel ist grundsätzlich bereit, Räumlichkeiten zur Verfügung zu stellen.