Für jedes Produkt das passende Werkzeug

Berge..  Es gibt quasi nichts, was man nicht aus Kunststoff machen kann. Und es ist ziemlich wahrscheinlich, dass jeder Mescheder schon einmal ein Kunststoffteil aus der Produktion der Firma Werner-Langer in den Händen hielt. Das Unternehmen ist unter anderem EU-Marktführer für Buchstaben, Ziffern und Sonderzeichen für die Gießerei-Industrie.

M wie Modellbau

Dabei geht es nicht um Märklin und Co. Wird etwa ein Motorblock gegossen, baut die Gießerei ein Modell des späteren Produkts als Positiv. Das wird mit Spezialsand ummantelt, die Konturen drücken sich ins Negativ ab – bis in kleinste Details. Die Sandform dient im nächsten Schritt als eigentliche Gussform. Ein Motorblock hat zum Beispiel eine Seriennummer, ein Herstellungsdatum oder das Emblem des Herstellers – aber eben nicht eingestanzt: Die Konturen der Zeichen stammen von den in Berge gefertigten Buchstaben und Zahlen.

K wie Kunststoff

800 Tonnen und 100 verschiedene Arten Kunststoff verarbeitet die Firma pro Jahr zu über 8000 verschiedenen Produkten. Bestimmte Anwendungen benötigen bestimmte Eigenschaften. Angeliefert wird als Granulat, in der Maschine geschmolzen und ins Werkzeug gespritzt. Kunststoffe werden immer leistungsfähiger. Stichwort Leichtbau: „Von der Festigkeit, Wärmeleitfähigkeit und Hitzebeständigkeit können manche Kunststoffe mittlerweile Metall ersetzen“, sagt Geschäftsführer Jens Frommberger – und sind deutlich leichter, auch als Aluminium. Ein Großteil sei Standardkunststoffe, aber der Anteil technischer und Hochleistungspolymere steige. Zum Beispiel gibt es carbonverstärkten oder Kunststoff auf Rizinusölbasis. Oder sogenannte WPCs: Holz-Plastik-Verbindungen, die zu teils über 95 Prozent aus Sägespänen bestehen, biologisch abbaubar sind – und auch wie Holz riechen.

L wie Leuchtenindustrie

„In der Region gab es viele Leuchtenhersteller“, sagt Jens Frommberger, „bei den Kunststoffteilen dafür waren wir auch mal EU-Marktführer.“ Zur Jahrtausendwende verlagerte sich die Branche fast komplett nach China, Werner-Langer stellt heute vorwiegend Zubehör für Industrieleuchten her – und für bunte Kinderzimmerlampen. „Wo immer ein Kabel durch Metall geführt wird, ist garantiert ein Plastikteil beteiligt, damit es nicht scheuert“, sagt Frommberger.

A wie Arbeitszeitmodelle

Werner-Langer ist zertifiziert familienfreundlich: Überdurchschnittlich viele Frauen arbeiten in Teilzeit. Über 30 verschiedene Arbeitszeitmodelle gibt es, mal teilen sich zwei eine Vollzeitstelle, mal haben drei Frauen zwei Arbeitsplätze – je nach Bedarf und Verfügbarkeit. „Das hat bereits in den 50ern angefangen“, sagt Jens Frommberger. Arbeit war da, aber die Frauen hatten nur vormittags Zeit. Inzwischen stufen männliche Arbeitnehmer ebenfalls zurück. „Es wird so aufgeteilt, dass es für alle passt“, sagt der Geschäftsführer.

Außerdem kann die Firma auf einen Pool von Aushilfen zurückgreifen, die bei Bedarf, als Urlaubs- oder Krankheitsvertretung einspringen. Studenten arbeiten in den Semesterferien, Betriebsrentner und Hausfrauen verdienen sich ein paar Stunden im Monat etwas dazu. „Freie Stellen werden meist aus den Teilzeitlern rekrutiert“, sagt Frommberger. Vorteil: Die Verantwortlichen wissen vorher, ob jemand zu gebrauchen ist.

D wie drei Millionen

So groß – genauer: 3,5 Millionen – ist die Stückzahl des meistproduzierten Artikels pro Jahr: Eine kleine dreieckige Unterlegscheibe für Baumarktregalfüße. „Unsere Produkte sind meist ziemlich versteckt“, grinst Frommberger.

W wie Werkzeuge

„Hier liegen die eigentlichen Werte unserer Firma.“ Jens Frommberger steht im Werkzeuglager, als er das sagt. Meterhoch sind die hochkomplexen und teils tonnenschweren Werkzeuge auf Paletten in den Regalen sortiert. Sie werden für entsprechende Aufträge eigens gefertigt, in die Maschinen gespannt und formen den eingespritzten flüssigen Kunststoff zu winzigen VW-Emblemen, Abdeckungen für Klinikmahlzeiten, Dübeln oder Abflussrohren.

B wie Berge

Jens Frommbergers Großvater Werner Langer gründete den Betrieb 1949 in einem ehemaligen Pferdestall – wo er anfangs auch wohnte. Er stanzte Buchstaben aus Messingblech, die erste selbstgebaute Maschine steht noch im Foyer der Firma. Firmenzeichen aus Kunststoff stellt Werner Langer seit den 1960er-Jahren her.