Für Imker aus Arnsberg ist nun die Zeit der Honigernte

Mehr als die Hälfte der Honigzellen haben die fleißigen Bienchen bereits mit Wachs verdeckelt.Höchste Zeit, dass Imker Klaus Lindner den Honig erntet und die Waben schleudert.Foto:Jennifer Kalischewski
Mehr als die Hälfte der Honigzellen haben die fleißigen Bienchen bereits mit Wachs verdeckelt.Höchste Zeit, dass Imker Klaus Lindner den Honig erntet und die Waben schleudert.Foto:Jennifer Kalischewski
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Was wir bereits wissen
Klaus Lindner hat zwölf Bienenvölker – und damit alle Hände voll zu tun. Denn die Waben sind bis an den Rand gefüllt mit dem goldenen Blütensaft.

Arnsberg..  Vorsichtig schiebt Klaus Lindner (75) die Zacken seiner Drahtgabel unter die winzigen Deckelchen, schabt den Wachs an den Rand und legt den Blick frei: auf den Honig. Golden füllt er die Waben und verströmt seinen süßen Duft. Schnell riecht es in Klaus Lindners Gartenhäuschen, wie es vielleicht sonst nur im Bienenstock duftet. Der Arnsberger Imker ist momentan selbst genauso fleißig wie seine Bienchen. Denn der erste Honig des Jahres ist reif für die Ernte.

„Die Bienen haben den Nektar der Obst-, Beeren- und Löwenzahnblüten als Vorrat für den Winter gesammelt“, erklärt Lindner. Diesen Nektar haben sie zu Honig verarbeitet. Dies passiert, vereinfacht dargestellt, indem sie den Saft immer wieder mit dem Rüssel aufnehmen, von Zelle zu Zelle umtragen und ihm durch stetige Flügelschläge Flüssigkeit entziehen. „Erst wenn der Wassergehalt von 50 auf unter 17 Prozent gesunken ist, ist der Honig reif und die Bienen fangen an, zu verdeckeln“, sagt Klaus Lindner.

Jetzt ist es Zeit

Ist die Hälfte der Honigzellen einer Wabe geschlossen, weiß Lindner: Jetzt ist es Zeit. „Dann kommt der böse Imker und nimmt den Bienen das Polster für den Winter“, sagt er schmunzelnd, um schnell hinzuzufügen: „Aber ich gebe ihnen natürlich später Honig oder Bienenfutter zurück.“

Vorr 35 Jahren, damals neben seinem Beruf als Polizist, begann der Arnsberger Imker mit seinem Hobby. Heute gehören ihm insgesamt zwölf Völker mit jeweils bis zu 60 000 Bienen. Ein Paar der Völker sammeln Nektar im Umkreis seines Gartens, andere hat Lindner auf der Haar oder in Rapsfeldern stehen, ein Volk auf einer Löwenzahnwiese. Sie alle haben im Mai, dem blütenstärksten Monat, ihre Vorratskammern gefüllt. Zwischen Ende Mai und Ende Juli kann Lindner dreimal Honig ernten und die Waben in die Schleudertrommel geben. Im vergangenen Jahr sind so 12,5 Zentner Honig zusammen gekommen.

Stiche tun auch dem Imker weh

Doch zunächst muss der Imker die Waben aus den Bienenstöcken holen. Dazu schlüpft er in den weißen Schutzanzug. Enge Bündchen verhindern, dass die Tierchen in die Ärmel krabbeln. „Wenn ich die Waben entnehme, trage ich den Anzug immer, bei anderen Arbeiten nicht unbedingt.“ Angst hat er nicht. Dabei komme es relativ häufig vor, dass er gestochen werde. „Und das tut auch dem Imker weh“, bestätigt er. Doch die Stiche schwellen nicht so stark an wie bei manchen anderen.

„Grundsätzlich sind Bienen sehr sanftmütig“, beteuert er. Im Grunde ähnelten sie den Menschen. „An schwül-warmen Tagen sind sie manchmal ein bisschen aggressiver“, weiß Lindner. Oder eben, wenn man in ihr Haus eindringt, um ihre Vorratskammern zu plündern. „Aber das fänden wir ja auch nicht schön“, sagt der Imker.

Von Aggressivität keine Spur

Ein geschäftiges Gesumme und Gebrumme herrscht rund um die Bienenstöcke. Richtig schwer sind die Bienenwaben, die Linder heraushebt. Bevor er sie in die Transportbox schiebt, fegt er die Bienen mit einem Besen ab. „Die wollen wir ja gleich nicht im Gartenhäuschen haben.“ Dennoch: Ein, zwei Exemplare verirren sich doch in die Box und kommen erst im Gartenhäuschen wieder hervor. Den Schutzanzug hat Lindner abgelegt. Behutsam nimmt er ein verirrtes Bienchen auf die bloße Hand und lässt sie draußen fliegen. Von Aggressivität keine Spur.

Schließlich ist es soweit: Der Imker setzt die Waben in die Schleudertrommel, die ein bisschen an eine überdimensionale Salatschleuder erinnert. Erst langsam, beim zweiten und dritten Schleudervorgang schon viel schneller, dreht Klaus Lindner an der Kurbel. Der Bienenhonig sammelt sich am Boden der Trommel. Der Bienen-Experte öffnet den Hahn – und dickflüssig und golden fließt der Saft durch ein feines Sieb in den Honigeimer. Lindner erinnert sich an ein Zitat, das er mal gelesen hat. „Honig“, sagt er, „ist wie aus Blüten eingefangener Sonnenschein.“