Für die Grünen fängt Umweltschutz und Energiewende vor der Haustür an

Verena Verspohl, Sprecherin der Grünen in Arnsberg, sprach mit dieser Zeitung über die Windkraft.
Verena Verspohl, Sprecherin der Grünen in Arnsberg, sprach mit dieser Zeitung über die Windkraft.
Foto: Grüne Arnsberg
Was wir bereits wissen
Die Arnsberger Grünen beziehen zur Windkraft vor Ort klar Position: Die Ästhetik ist für sie kein schlagkräftiges Argument,

Arnsberg.. Arnsberg und Sundern diskutieren über die Windkraft. Die Streitfrage: Wieviel Öko-Energiegewinnung durch Windräder vertragen Landschaft, Umwelt und Menschen. Die Grünen stehen seit Jahrzehnten für die Energiewende und regenerative Energiegewinnung. Unsere Zeitung sprach mit Verena Verspohl, Sprecherin der Grünen in Arnsberg, über die Windkraft vor Ort.

Welche Standorte im Raum Arnsberg halten Sie grundsätzlich für geeignet für den Aufbau von Windkraftanlagen?

Verena Verspohl: Für Arnsberg gibt es ja ein Gutachten. Dies weist in Oeventrop den Standpunkt am Plackweg aus. Außerdem an der Deponie in Alt-Arnsberg. Das Gebiet steht allerdings nicht zur Verfügung. Die Hellefelder Höhe gilt ebenso als günstiger Standort.

Wo sind dem Aufbau - losgelöst von Ertragsberechnungen und den bestehenden Vorgaben für den Aufbau von WKA - aus ihrer Sicht Grenzen gesetzt?

Grenzen sehe ich dort, wo Menschen unmittelbar betroffen sind. Allerdings nicht aus vermeintlich ästhetischen Gründen, sondern wenn zum Beispiel Schlagschatten oder Lärm entstehen.

In der Bevölkerung wird das Thema nach wie vor stark emotional diskutiert. Ist noch Aufklärungsarbeit zu leisten?

Wir alle wollen und brauchen Strom. Also ist es meines Erachtens auch wichtig zu erläutern, dass dieser irgendwo herkommen muss. Nach Fukushima war es klar, dass wir in Deutschland auf regenerative Energien und dezentrale Lösungen setzen. Da müssen wir alle unseren Teil beitragen. Das wissen die meisten Menschen. Umweltschutz fängt auch vor der eigenen Haustür an. Wir müssen die Menschen aber nicht belehren, sondern sie in die Prozesse einbinden! Zum Beispiel durch Bürgerenergie. Windkraft kann da bedeutend werden: Im Energiemix der erneuerbaren Energien hat Windkraft hinsichtlich Verfügbarkeit nahezu Grundlast-Qualitäten wie Atom- und Kohlekraftwerke.

Die Diskussion um Windkraft verändert sich: Wo sie früher als Öko-Idee tituliert wurde, unterstellen Kritiker heute auch wirtschaftliche Interessen, die gegen Umwelt- und Bürgerinteressen stehen. Werden die Bürger bei der Energiewende nicht „mitgenommen“?

Das sehe ich so ganz und gar nicht! Zwei Drittel der Bundesbürger sprechen sich für den Ausbau von Windenergie aus. Die ästhetische Wahrnehmung einiger Älterer wird nur oft besonders laut dargestellt. Metaphern wie die der Verspargelung nehmen Emotionen auf, ohne die Inhalte zu transportieren.

Welche Emotionen lösen ein großes Windrad und ein großer Windpark bei Ihnen persönlich aus?

Ich bin viel im Paderborner Land unterwegs. Da sind seit Jahren überall Windparks. Ich freue mich darüber. Ich sehe auch kein Konflikt zum Tourismus. Der ist weder in Holland noch in Dänemark noch in der Eifel, wo man kürzlich zu diesem Thema 1300 Touristen befragt hat, zusammengebrochen. Ich war in den letzten Wochen auch am AKW Brokdorf unterwegs oder im Rheinischen Braunkohlerevier, wo ganze Dörfer und Landschaften abgerissen werden. Da kochen meine Emotionen über, da werde ich wütend. So kurzsichtig können wir doch gar nicht sein, dass wir von solchen Orten wissen und uns dann über ein dagegen romantisch wirkendes Windrad aufregen! Wollen wir denn lieber Fracking oder ein AKW auf der Hellfelder Höhe? Wie würden wir diskutieren, wenn das die Alternativen wären?