Forscher entdecken Überreste von bisher unbekanntem Burgtor in Arnsberg

Archäologe und Burgenforscher  Dr. Joachim Zeune.
Archäologe und Burgenforscher Dr. Joachim Zeune.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
In Arnsberg haben Archäologen überraschend den Rest eines alten Burgtores entdeckt. Ein bedeutender Fund für die Forschung.

Arnsberg.. Für Arnsberg eine kleine Sensation, für die deutsche Burgenforschung ein bedeutender Fund: Im Zuge der aktuellen Ausgrabungskampagne auf der Rüdenburg wurden an der Westseite der Anlage völlig überraschend die Überreste eines großes Burgtores gefunden. Und eine Ascheschicht, die auf einen - vielleicht in kriegerischer Auseinandersetzung gelegten - Brand hindeuten könnte. Dennoch gingen die Ausgrabungen am Donnerstag zu Ende. Die finanziellen Mittel sind erschöpft.

Doch was einen Brand oder eine kriegerische Auseinandersetzung betreffen könnte, sagt der Ausgräber und bundesweit renommierte Burgenforscher Dr. Joachim Zeune, da sollte man vorsichtig sein. „Weil diese mit Asche durchsetzte Bodenschicht nicht mehr intakt und daher deren Aussagekraft nur schwer einzuschätzen ist.“ Denn in der Vergangenheit sei an der Anlage immer wieder gegraben worden. „Und damit wurden viele wichtige Spuren, aus denen man Erkenntnisse über die tatsächliche Form und Geschichte der Burg hätte ziehen können, zerstört.“

Bedeutender Fund für die Forschung

Aber die Entdeckung des großen, einst massiv gemauerten Haupteingangstores sei für die Forschung sehr hoch einzuschätzen. Zudem unterstreiche dies die enorme Bedeutung der um 1060 errichteten Burg. Mit diesem Fund verliere allerdings der Ausgrabungsplan aus den Jahren 1929/1930 jegliche Aussagekraft. „Dort sind Mauern eingezeichnet, die es nicht gibt, aber dafür entdecken wir immer wieder Mauern, die in dem Plan nicht vorhanden sind.“ Auch das Burgtor war an anderer Stelle verzeichnet.

Warum dies so sein könnte, dafür hat Zeune eine Erklärung: „Vermutlich hat man sich damals manchmal einfach vorgestellt, wo eine Mauer hätte sein können und dies kurzerhand in den Plan eingezeichnet.“ So habe man im Verlauf der in 2012 gestarteten Ausgrabungskampagne bei den Bodenschnitten immer wieder neue Entdeckungen gemacht, mit denen man bei Beginn so nie habe rechnen können.

Wie zum Beispiel die Erkenntnis, dass die mächtige Binnenmauer eine rigorose, ja geradezu „brachiale Teilung der Burganlage“ von West nach Ost darstellt. „Selbst der Zugang zur Kapelle wurde damit abgeschnitten.“ Grund für diesen ungewöhnlichen Vorgang könnten vielleicht interne Streitigkeiten gewesen sein. Überhaupt sei es sehr, sehr interessant, dass man bislang für das 11. und 12. Jahrhundert allein vier verschiedene Bauphasen vor Ort feststellen konnte. „Das zeigt uns, dass die Baugeschichte der Rüdenburg erheblich komplexer ist, als bisher angenommen. Für die Forschung eine echte Herausforderung.“

Eine Herausforderung auch deshalb, weil Dr. Joachim Zeune davon ausgeht, dass im Ruinenareal noch viele Geheimnisse verborgen sind. „Sie müssen sich vorstellen, dass die gesamte Anlage von einer 3 bis 6 Meter dicken Schuttschicht bedeckt wird. Dass das Bodenniveau damit also deutlich tiefer liegt.“ Und dass der Schutt wohl noch so manches unbekannte Mauerwerk verberge.

Von den jetzt dem Erdreich in akribischer Feinarbeit entrissenen Resten des Tores lassen sich selbst für den Laien die freigelegten Kuhlen für die mächtigen Torpfosten gut erkennen. Und inzwischen, so Zeune, habe man auch Spuren der Zuwegung gefunden, die sich in steilen, aber für Pferdekarren noch befahrbaren Serpentinen an der Westseite des Berges bis zum Tor hochgewunden habe.

Spuren der Zuwegung gefunden

„Ganz typisch für eine solche Burg. Denn sie war zugleich eine Inszenierung von Macht.“ Jeder Besucher, der - ob willkommen oder nicht - den Berg hinauf kam, sollte durch den sich stets verändernden und steilen Blickwinkel durch das so immer bedrohlicher wirkende Gemäuer eingeschüchtert werden. „Durch diesen Fund versteht man jetzt auch endlich, warum sich an der Westseite der mächtige Turm befunden hat.“

Später, erklärt Dr. Joachim Zeune, sei das große Eingangstor in ein kleines „Schlupftor“ zurückgebaut worden und der Haupteingang - „vielleicht aus Bequemlichkeit“ - an andere Stelle verlegt worden. „Doch dieses Tor haben wir noch nicht entdeckt.“ Ebenso fehle von dem Burgpallas jede Spur.

Alles Geheimnisse, die noch im Erdreich schlummern. Und wohl nie gelüftet werden. „Weil leider die Mittel für die Archäologie immer weniger werden.“ Für die weitere gründliche Erforschung der Rüdenburg sehr schade, „ist sie doch für die Forschung im positiven Sinne ein Fass ohne Boden mit immer neuen Offenbarungen.“

Eine Einschätzung, die auch das Westf. Denkmalamt in Münster teilt. Dessen Vertreter zeigten sich bei einem Besuch vom bisherigen Grabungsergebnis begeistert.

Info

Um die Fundspuren für spätere Forschungen zu erhalten, werden die Grabungen wieder mit Erdreich bedeckt und so konserviert.

Teile des wieder entdeckten Gemäuers sollen aber sichtbar erhalten bleiben, damit sich Besucher ein Bild von der Größe der Anlage machen können.

Zudem werden die vor langer Zeit „restaurierten“ Mauerreste wieder so hergestellt, dass sie einer echten Ruine entsprechen.

Für erste Konservierungsarbeiten sucht der Heimatbund Maurer oder ehemalige Maurer, die hier ehrenamtlich tätig werden: www.arnsberger-heimatbund.de.