Filme sind „in“ - aber Filmclub fehlt Nachwuchs
07.02.2012 | 17:12 Uhr 2012-02-07T17:12:00+0100
Arnsberg. Die Mitglieder des Filmclubs „Kamera 76“ sind sehr erfolgreich, wie ihr letzter großer Film vom Jubiläum des TV Arnsberg bewies. Was sie aber nicht haben, ist Nachwuchs im Club. Der fehlt gänzlich.
Wer mal die Internet-Plattform „Youtube“ besucht hat, stellt fest, dass es zu jedem noch so belanglosen Thema eine Vielzahl von Filmbeiträgen gibt. Mit fast jeder Digitalkamera, mit fast jedem Handy lassen sich heute bewegte Bilder festhalten. Der Markt ist überschwemmt von Amateur-Streifen. Und die Anzahl der Hobbyfilmproduzenten wächst täglich - auch in Arnsberg. Das ist die eine Seite.
Die andere: Im Stadtteil Bruchhausen treffen sich zweimal im Monat, wenn es hoch kommt ein Dutzend Filmfreunde, um über anspruchsvolle Digital-Werke zu diskutieren, um sich Themen für Kurzfilme zu stellen und Auftragsproduktionen anzunehmen. Ihr Dilemma: Sie werden immer weniger, der jüngste ist schon knapp über 60, der älteste weit über 80. Und die Film-Enthusiasten suchen händeringend nach Nachwuchs auf einem Sektor, der eigentlich boomt. Aber die jungen Leute wollen sich offensichtlich nicht über ihre Hobbys auf Vereinsabenden diskutieren.
Und dabei hat der Filmclub „Kamera 76“ in dieser Stadt eine große Tradition. In den letzten 35 Jahren entstanden am Schneidetisch in Bruchhausen oft zeitgeschichtliche Dokumente. Diethelm Stolze, Gründungsvater, und noch heute aktiv, erinnert sich gern an die Anfänge zurück, als alles noch mit Super 8-Material geklebt und geschnitten werden musste.
Auf Zelluloid gebannt und archiviert wurden historische Tage: Der Abzug der Belgier aus Arnsberg, der Bau- und die Eröffnung des Altstadttunnels, aber auch das grandiose Stadtjubiläum 1988 „750 Jahre Arnsberg“. Für die jetzigen Mitglieder ein Dilemma, dass ein Filmclub, der selbst Geschichte geschrieben hat, keinen Nachwuchs findet. „Wir haben es ja noch nicht mal geschafft, unsere Kinder in den Club zu bekommen“, sagt Diethelm Stolze selbstkritisch.
Aber aufgeben, das wollen die ambitionierten Filmer auf gar keinen Fall. Auch wenn sie fast alle schon die Grenze zum Rentnerdasein weit überschritten haben, sind sie aktiv und unternehmungslustig wie eh und je. Allen voran die Vorsitzende Helga Momper (70).
Auftragswerke werdengern angenommen
Und dass all die Aktivitäten der Filmschaffenden nicht nur im stillen Kämmerlein Anerkennung finden, beweist ein großes Werk, das einige Mitglieder ein komplettes Jahr beschäftigt hat. Es ist der 26-minütige hochauflösende Film zum Thema „150 Jahre TV Arnsberg“ - Eine Jubiläums-Jahreschronik. Dazu Michael Becker, Vorsitzende des Turnvereins: „Der Film über das Jubi-Jahr lässt einem geradezu den Atem stocken, wie vielfältig der Verein ist und wie viele Veranstaltungen wir in 2011 auf die Beine gestellt haben - unglaublich! Der Film ist super gelungen“.
Solch Lob bedeutet auch Ansporn, mit Elan an neue Aufgaben zu gehen. „Wir stehen für Auftragswerke durchaus zur Verfügung“, sagt Willi Nelskamp.

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