Fasten heißt – offen werden für von Gott gestellte Aufgaben

Arnsberg..  Seit Jesu Tod erinnern sich Christen in den Wochen vor Karfreitag an sein Leiden und Sterben, bereiten sich auf Ostern vor. Die ­Fasten- oder Passionszeit beginnt mit dem heutigen Aschermittwoch und endet am Karsamstag. Enthaltsamkeit als probates Mittel, um den Himmel milde zu stimmen?

Wir haben Johannes Böhnke, ­Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Arnsberg, dazu drei ­Fragen gestellt.

1 Halten Sie Fasten in der heutigen Zeit noch für angebracht oder ist es inzwischen nicht eher überholt?

Die lutherische Tradition lehnt ­Fastenübungen nicht grundsätzlich ab, will sie aber nicht als heilsnotwendig oder auf bestimmte Zeiten begrenzt verstehen.

Wir sind als protestantische ­Christen im Gegenteil dazu gehalten, unser ganzes Leben als Gottesdienst zu verstehen und jeden Tag unter dem Zuspruch und Anspruch Gottes zu leben. Das fordert von uns, jeden Tag aufs Neue auf das Wort Gottes zu hören und uns dabei nicht von dem Lärm der Zeiten ablenken zu lassen.

Insofern, denke ich, ist das Fasten, verstanden als innere Einkehr, aktueller denn je.

2 Wer in der Fastenzeit auf etwas verzichtet, darf nach protestantischem Verständnis selbst entscheiden, was ihm gut tut. Ist das nicht inkonsequent?

Es kann mir als evangelischem Christen nicht um den Verzicht um seiner selbst oder gar um meiner Gesundheit oder um meines Wohlbefindens willen gehen, sondern ­allein um das Offen-Werden für die Erkenntnis dessen, was Gott mir heute als meine Aufgabe und Pflicht auf den Weg legt.

Es geht also gar nicht um die Frage, was mir gut tut, sondern darum, was Gott von mir will.

Seine Forderung habe ich unvertretbar in meinem Gewissen zu vernehmen. Sie wird mir durch die Menschen gestellt, die mir mit ihren Sorgen und Nöten begegnen und für die ich vor Gott verantwortlich bin.

3 „7 Wochen Ohne“ heißt die Fastenaktion der evangelischen Kirche – was ist mit diesem ­„Ohne“ denn genau gemeint?

Das Thema der diesjährigen Aktion „Sieben Wochen Ohne“ heißt „Du bist schön! Sieben Wochen ohne Runtermachen“.

Damit ist gemeint, anderen Menschen bewusst mit Wertschätzung zu begegnen.

Das ist wohl als Einübung in eine ­Lebensaufgabe gemeint – und ­hoffentlich nicht auf sieben Wochen begrenzt.