Fast 400 Jahre am gleichen Ort

Der Johannesaltar im Sunderner Ortsteil Stockum
Der Johannesaltar im Sunderner Ortsteil Stockum
Foto: WP

Stockum/Sundern..  Der städtische Schutzpatron Johannes Evangelist ist nicht nur in der ihm geweihten Johannes-Kirche zu finden, sondern auch in Stockum. In den vor einigen Tagen erschienen 22. „Heimatblättern - Rund um Linnepe, Röhr und Sorpe“ des Sunderner Heimatbundes lenkt Prof. Msgr. Konrad Schmidt den Blick auf den bislang nicht so beachteten Seitenaltar in der Stockumer Pfarrkirche, die dem Hl. Pankratius geweiht ist.

Was ist bekannt über diesen Altar? Unmittelbar über dem Altartisch gibt die lateinische Inschrift Auskunft über den Stifter: Es war der „ehrenwerte und bescheidene Antonius Habbel mit seiner Ehefrau Eva“, die diesen Altar haben aufstellen lassen. Rätsel gibt es um den genauen Zeitpunkt: Der Gutsverwalter Habbel starb nach der Inschrift am 4. Dezember 1616, das Kirchenbuch aus Stockum hält den 26. Mai 1717 fest: „Folglich kann der Altar erst danach aufgestellt worden sein“, folgert Msgr. Schmidt.

Viele Fragen bleiben offen

Er lenkt auch den Blick auf einen Mann mit dem Aussehen eines evangelischen Pfarrers: „Das ist der Stifter Habbel, der hier als Bürger mit spitzem Barz in schwarzer Tracht mit weißer plissierter Halskrause dargestellt wird, eben weil er nicht zum Klerus gehört“, erklärt Msrg. Schmidt die Figur, die mit anderen unter dem Kreuze Christi kniet.

Warum stiftete der Gutsbesitzer?

Warum könnte der Gutsbesitzer des Hofes Habbel den Altar gestiftet haben? Auch dieser Frage ist Msgr. Konrad Schmidt nachgegangen. Für ihn gibt es eine einfache Erklärung: Dotationen waren damals üblich an den Lehnsgeber, in diesem Fall an die Kirche. Schmidt hält es für möglich, dass Habbel mit seiner Familie kurz vor seinem Tod die Schenkung des Altars besprochen hat, um den Hof auf längere Sicht für seine Familie zu sichern.

Den Altar hat nach verschiedenen Quellen und Vergleichen mit anderen Altären in Calle und Kirchrarbach der Arnsberger Maler Heinrich Strotmann geschaffen. Er ließ sich um 1614 in Arnsberg nieder, also genau vor 400 Jahren: „Wahrscheinlich handelt es sich sogar um das früheste Werk des Künstlers“, mutmaßt Msrg. Schmidt in seinem Artikel in den Heimatblättern. Nähere Forschungen zeigen, dass Strotmann 1614 in Arnsberg heiratete, später sogar Ratsherr wurde. Er starb 1655.

Kirchenpatron als Medaillon

Der Kirchenpatron, der Hl. Pankratius, prangt als Brustbild im Medaillon neben dem frühbarocken Altar, ebenso die Gottesmutter Maria. Doch wo ist der Hl. Johannes? „Der Evangelist spricht uns in seiner Trauer links am Bildrand der Kreuzigungsdarstellung an“, sagt Monsignore Konrad Schmidt und zeigt auf den Mann in einem roten Gewand. Gerade der dem Geschehen abgewandte Blick zeuge von großer Trauer.

Direkt frontal ist ein Bildnis des Hl. Petrus zu sehen. Die Forschungen von Msgr. Schmidt im Kirchenarchiv haben ergeben, dass seine Darstellung nicht zum eigentlich Ursprungsaltar gehörten, sondern zu einem Antependium oder Vikariebenefizium aus dem 18. oder beginnenden 19. Jahrhundert, wie der Paderborner Prof. Dr. Christoph Stiegemann vom dortigen Diözesanmuseum herausgefunden hat. Die ganze Darstellung sowie die Farben stammen nicht aus frühbarocker Zeit. Der Stockumer Pfarrer Hubertus Patrzek hat 1924 in einem Kirchenführer dargelegt, dass das Antependium wohl zu einem 1806 abgerissenen Altar, der unter der starken Zugluft gelitten hatte, gehörte. Offensichtlich habe damals die Gemeinde die Petrus-Darstellung retten wollen und dann auf den Johannes-Altar übertragen. Eines bleibt aber: Der Johannes-Altar hat von Beginn an immer im südlichen Seitenschiff der Kirche gestanden. Und das ist allein schon eine Besonderheit, denn er überdauerte damit fast vier Jahrhunderte an einer Position.

Info

Der Hl. Johannes Evangelist ist nicht nur der Schutzpatron der St.-Johannes-Gemeinde, sondern auch der ganzen Stadt. Gefeiert wird das Patronatsfest am 27. Dezember.

In diesem Jahr beginnt der Festgottesdienst um 18 Uhr in der St.-Johannes-Pfarrkirche, dabei wird auch der neue Johanneswein gesegnet. Die Festpredigt hält Altabt Stephan Schröer, Abtei Königsmünster. Die musikalische Gestaltung übernehmen Alexander Beckmann und Wolfgang Blome.

Beim Empfang spricht Dechant Propst Hubertus Böttcher über das neue Zukunftsbild der Erzdiözese Paderbron.