Familie Nilgans ganz sicher zu Wasser gelassen

Nilgans-Rettung
Nilgans-Rettung
Foto: WP

Arnsberg..  Die Altstadt zieht eine Menge Besucher aus Nah und Fern in ihren Bann – aber Nilgänse?

Entsprechend überrascht war Peter Schroller, als er vor einigen Tagen beim Blick aus dem Bürofenster auf seinem Grundstück oberhalb der „Englischen Promenade“ eine Mama mit fünf Küken erblickte.

Nein – keine Halluzination, auch die herbeigerufene Ehefrau Christiane erspähte die putzige Familie. „Vermutlich hat die Gans im nahen Kolpinggarten gebrütet“, dachte sich Peter Schroller.

Doch der Weg zurück ins Wasser der Ruhr würde eine steinige Angelegenheit werden. „Unsere Tierseele war gerührt“, beschlossen die Schrollers, beim Abstieg behilflich zu sein. Doch das war gar nicht so einfach. Die Mama flüchtete vor den unbekannten Zweibeinern­ ­flatternd bergab – und ihr winziger Nachwuchs hüpfte hinterher. Todesmutig ging es drei bis fünf Meter hohe Mauern hinab quer durch die Altstadtgärten in Richtung Ruhrstraße. Wegen ihres federleichten Gewichts blieben die fünf Winzlinge dabei völlig unverletzt.

Auf einem Dach hinter dem Bekleidungsgeschäft Ruhrstraße 23 war zunächst Endstation. Inhaberin Antje Blume beteiligte sich spontan an der Rettungsaktion – mit vereinten Kräften gelang es, die Familie über die Ruhrstraße und schließlich ans sichere Ufer der Ruhr zu lotsen. Eines der Küken wurde dabei aus einer Dachrinne geborgen, in die es vor Aufregung geplumpst war. Doch beim Abzählen dann der Schreck! Ein gefiederter Zwerg fehlte.

„Ich habe über eine Stunde lang gesucht“, erzählt Peter Schroller – und als er schon aufgeben wollte, ertönte plötzlich ein lautes Piepsen. Der Flüchtling hatte sich in einem engen Spalt zwischen zwei Häusern förmlich eingeigelt – und fand das scheinbar gar nicht mehr so toll.

Beherzt nahm der Gänseretter das kleine Wesen hoch und brachte es ebenfalls zum Wasser. Doch dort galt es, das nächste Problem zu lösen; denn Mama und die vier Geschwister waren inzwischen fort. Aber jetzt nahm der Nachzügler sein Schicksal selbst in den Schnabel: „Kleiner Wurm – große Lautstärke“, beschreibt Peter Schroller das kräftige Gezeter des Nilgans-Kükens. „Randale“ mit Erfolg:

Am Ende „Pipi in den Augen“

Mutter Nilgans hörte das Piepsen, rauschte mit ihrem Quartett heran, spähte aus zehn Metern Entfernung auf das fehlende Familienmitglied. Das wurde umgehend zu Wasser gelassen – und im Handumdrehen war das Familienglück wieder komplett. Zumal sich kurz darauf auch der Vater noch blicken ließ... „Wir hatten alle Pipi in den Augen“, freut sich Peter Goller noch immer über die gelungene Rettungsaktion.