Exponate gegen das Vergessen

Detlev Becker (links) erläutert der Delegation aus Olesno und Bürgermeister Vogel einige Ausstellungs-ExponateWeltkriegsausstellung.
Detlev Becker (links) erläutert der Delegation aus Olesno und Bürgermeister Vogel einige Ausstellungs-ExponateWeltkriegsausstellung.
Foto: WP

Niedereimer..  8. Mai, das Ende des Zweiten Weltkriegs jährte sich kürzlich zum 70. Mal.

Anlass, wieder Fragen zu stellen: Soll man endlich den Mantel des Verdrängens oder Verschweigens über die Schrecknisse legen? Oder sollen die Erinnerungen für heutige und kommende Generationen weiterhin wach gehalten werden, damit so etwas nie wieder geschieht – zumal die noch wenigen Zeitzeugen bald aussterben ­werden?

Dass Nichtvergessen steht für Detlev Becker und den Arbeitskreis Dorfgeschichte Niedereimer außer Frage und ist Auftrag. Dies machte der Vorsitzende und Ortsheimatpfleger in seiner Begrüßungsrede deutlich, die er zur Eröffnung einer zwar kleinen, aber durch die aussagekräftige Vielfalt der über 200 Exponate beeindruckenden Ausstellung hielt.

Mühevolle ehrenamtliche Arbeit

In mühevoller, ehrenamtlicher Kleinarbeit hätten die Helfer des Arbeitskreises diese für „70 Jahre Kriegsende – Erinnerungen an schwere Zeiten in Niedereimer“ zusammengetragen. Es sei Verpflichtung, sich für Freiheit, Recht und Demokratie einzusetzen, mahnte Becker, dies auch eingedenk der damals 700 Familien des Dorfes Niedereimer, die fast alle die Grausamkeit des Krieges zu spüren bekamen.

Bürgermeister Hans-Josef Vogel als Schirmherr der Ausstellung umriss die Unfassbarkeit des Geschehens zwischen 1939 und 1945 globaler: 110 Millionen junge Soldaten, 60 Millionen Todesopfer in 60 beteiligten Staaten und das, was Deutsche Juden und Zwangsarbeitern in Europa angetan hätten, sei „der tiefste Grund der Hölle, das Dunkelste vom Dunklen.“

Also: „Wir müssen uns weiter erinnern, auch wenn viele der Jungen das nicht verstehen oder verstehen wollen.“ Die Ausstellung in Niedereimer sei ein wichtiger und richtiger Schritt dazu.

Sehr feierlich wurden die mahnenden Worte von den beiden Liedern umrahmt, die Beatrix Schröder mit glockenklarer Stimme eindringlich vortrug: „Von guten Mächten“ (Text von Dietrich Bonhoeffer) und „Nie, nie wieder“ (Text von M.F. Strauss).

Texte von Zeitzeugen

Auch Erinnerungen von Zeitzeugen aus Niedereimer, die vier Jugendliche vorlasen, ließen das Leben im NS-Staat, die Möhnekatastrophe, die im Luftschutzkeller erlebten Bombardierungen und den Einmarsch der Amerikaner wieder lebendig werden. Alles aus der Sicht der damaligen Kinder und Jugendlichen, die vor 70 Jahren diese Texte verfassten.

Versöhnlich wurde die Veranstaltung durch die Anwesenheit einer vierköpfigen polnischen Delegation aus Arnsbergs Partnerstadt Olesno. „Wir möchten gedenken, nicht hassen“, bekannte Henryk Kucharczyk, Stadtratsvorsitzender von Olesno. „Wer hätte vor 70 Jahren gedacht, dass sich Polen und Deutsche gemeinsam an den 8. Mai 1945 erinnern?“ Diese Gedenkveranstaltung vor geladenen Gästen in der Schützenhalle Niedereimer zur Ausstellungseröffnung konnte kaum würdevoller sein, mit ihrem Programm, das starke Emotionen weckte. Derart eingestimmt, ließ man die Eindrücke der Ausstellung auf sich wirken.