Verdi-Sekretär Stodollick: „Es wird zu Aktionen kommen“
10.02.2012 | 16:07 Uhr 2012-02-10T16:07:00+0100
Arnsberg/Meschede.Als die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) am Donnerstag ihre 6,5%-ige Lohn-Forderung bekanntgab, war der Aufschrei nicht nur von kommunalen Arbeitgebern gewaltig. „Klar haben wir damit gerechnet, ich hab’ noch keine Lohnforderung erlebt, wo es keinen Sturm der Entrüstung gegeben hat. Das wär’ auch bei 3 Prozent der Fall gewesen“, reagiert der Oeventroper Gewerkschaftssekretär Gerd Stodollick, zuständig bei Verdi für die Region Hellweg/Hochsauerland, im Gespräch mit der Rundschau sehr gelassen.
„Uns kommt es vor allem auf die unteren Lohngruppen an“, ergänzt Wolfgang Schlenke die Forderungen nach einer Lohnerhöhung von mindestens 200 Euro im Monat. Und auch, wenn Stodollick nicht mit Neo-Liberalen Politikern in einen Topf geworfen werden möchte, sagt er klipp und klar: „Man muss von seinem Lohn leben können, ohne Aufstockung mit staatlichen Mitteln“. Und dass das immer schwieriger wird, macht der Sekretär an Beispielen deutlich, die er aus Arnsberg und Umgebung zu genüge kennt. Da ist der verheiratete Mann mit zwei Kindern aus dem Arnsberger Jobcenter, der ohne Aufstockungsleistung nicht über die Runden kommt. Der könne ja seine Anträge auf Aufstockung selbst bearbeiten, meinen die Gewerkschaftsvertreter ironisch. Da gibt es auch den Busfahrer der RLG, ein Kind, Steuerklasse III im ersten Beschäftigungsjahr. 1911,08 € brutto, netto 1494,28 € oder die Kinderpflegerin in einer kommunalen Einrichtung, die im 1. Jahr 1790,54 € verdient und bei der 1413,78 € übrig bleiben. Gleichzeitig stellt Gerd Stodollick daneben den Regelbedarf eines Hartz IV-Empfängers: Mit Zuschuss für Kind, Miete und Heizung gib’s für einen Verheirateten mit einem Kind: 1396 Euro.
„Unsere Forderungen sind nicht zu hoch, sie sind eine Frage der sozialen Gerechtigkeit“, sagt Wolfgang Schlenke. Und vor allem müsse man auch berücksichtigen, dass sich der Öffentliche Dienst bei den Tarifrunden der letzten Jahre stark zurückgehalten hat. Und auch das Argument, dass die öffentlichen Kassen leer seien, zählt bei den Gewerkschaftsvertretern nur wenig, denn anhand von Statistiken verweisen sie auf die Steuerveränderungen der letzten Jahre, die die Gemeinden Milliarden gekostet hat.
Auf jeden Fall scheint Verdi auch in der hiesigen Region für die Tarifauseinandersetzung gerüstet zu sein. „Klar, dass wir uns auch jetzt schon auf Aktionen vorbereiten, auch im Mescheder und Arnsberg Raum, dafür laufen die Planungen“, sagt Gerd Stodollick.

0mitdiskutieren