Das aktuelle Wetter Arnsberg 18°C
Arnsberg

Es ist ein großer Katzenjammer

22.05.2007 | 06:41 Uhr

Arnsberg. "Nimmt man an, ein Katzenpaar bekommt im Jahr zweimal Nachwuchs und jeweils 2,8 Kätzchen pro Wurf überleben, dann ergibt das nach 10 Jahren über 80 Millionen Katzen."

Mit dieser gewaltigen Rechnung hat die Pressestelle der Stadt Arnsberg schon im November 1989 versucht, die Bürger dazu zu bringen, ihre Katzen sterilisieren oder kastrieren zu lassen. Doch bis heute scheint die Vermehrung streunender Katzen im Stadtgebiet nicht wirklich zurück gegangen zu sein. Statt dessen vegetieren die freilebenden Tiere oft mit Katzenschnupfen, Augenkrankeiten und Wurmbefall vor sich hin.

100 herrenlose Tiere "Jedes Jahr fangen wir bestimmt 100 herrenlose Tiere ein", erzählt Inge Reinecke-Koch vom Katzenschutzbund Arnsberg. "Wir bringen sie zum Tierarzt, lassen sie untersuchen, entwurmen und anschließend kastrieren." Nur so könne verhindert werden, dass sich die freilebenden Katzen immer weiter vermehren.

Das Einfangen und Registrieren der Katzen stellt allerdings kein leichtes Unterfangen dar. Arnsberger, die bemerken, dass eine verwilderte Katze um ihr Haus schleicht, oder in ihrem Kleingarten Unterschlupf gefunden hat, melden dies bei der Stadt, dem Ordnungsamt oder direkt beim Katzenschutzbund. Oft muss erst geklärt werden, ob die Tiere wirklich obdachlose Streuner sind. Das Ordnungsamt leitet solche Meldungen stets an den Katzenschutzbund weiter. "Wir arbeiten da sehr gut zusammen", sagt Ulrich Betkerowitz, der Leiter des Fachdienstes Sicherheit, Ordnung und Verkehr. Er muss zwar mit seinem Team feststellen, ob die Situation eine Plage für die Bürger darstellt, konkrete Maßnahmen ergreift aber meist der Katzenschutzbund.

"Wenn die Katzen regelmäßig zu einer bestimmten Zeit auftauchen, zum Beispiel, weil die Anwohner sie füttern, dann können wir versuchen, sie zu dieser Zeit einzufangen", erklärt Inge Reinecke-Koch die Vorgehensweise. In einem etwa 1,2 Meter langem Drahtkorb wird ein Futtertöpfen ausgelegt, das die Katze anlocken soll. Hat diese den Käfig betreten, fällt die Klappe zu und die Katze ist gefangen und kann zum Tierarzt transportiert werden.

100 Euro je Tier Die Sterilisation einer Katze kostet etwa 100 Euro, die Kastration eines Katers die Hälfte. Bei den herrenlosen Tieren kommt niemand für die Kosten auf, weshalb der Katzenschutzbund die Eingriffe aus eigener Kasse und mit Spendengeldern finanziert. "Das Geld reicht aber oft nicht aus", verrät Reinecke-Koch. "Wir versuchen dann, wenigstens die weiblichen Tiere zu sterilisieren." Eigentlich müssten sich nach 17 Jahren Katzenschutz-Arbeit allmählich Ergebnisse einstellen, aber bislang sei von einem Rückgang der streunenden Katzen nichts zu merken.

Aufnehmen kann der Katzenschutzbund die freilaufenden Tiere nicht, selbst wenn er wollte. "Die wilden Tiere werden wieder in das Gebiet zurück gebracht, in dem wir sie aufgegabelt haben", so Reinecke-Koch. Zum Glück gebe es viele freundliche Anwohner, die Futterstellen für die herrenlosen Katzen betreuen, damit die Tiere nicht verhungern müssen.

Aufgefallen ist den Mitgliedern des Katzenschutzbundes auch, dass viele Katzenhalter es sich nicht leisten können, ihre Tiere kastrieren zu lassen. "Hartz-IV-Empfänger bitten uns oft um Unterstützung, weil ihnen das Geld fehlt", erklärt Reinecke-Koch.

Von Plage weit entfernt Einen Anlass, die Finanzierung der Kastrationen zu übernehmen, sieht die Stadt nicht. "Es ist nicht in erster Linie die Aufgabe der Stadt, sich darum zu kümmern", so Betkerowitz. Sollte der Katzenschutzbund der Lage in Zukunft finanziell nicht Herr werden können, gebe es allerdings bestimmt Möglichkeiten, Unterstützung der Stadt zu bekommen. Momentan laufe aber alles in geregelten Bahnen, von einer Katzenplage sei die Stadt weit entfernt.

Da können Inge Reinecke-Koch und ihre Helfer stolz sein. Denn ohne ihr Engagement könnte es katzentechnisch in Arnsberg wohl auch ganz anders aussehen.

Von Jennifer Kuhlmann

Facebook
 
Kommentare
Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/2038319/create

Umfrage
Soll aus dem Freibad Neheim ein

Soll aus dem Freibad Neheim ein "Bürgerbad" werden?

 
Aktuelle Fotos und Videos
Schwimmfest des SV Neptun
Bildgalerie
Schwimmen
Unwetter über Sundern-Amecke
Bildgalerie
Unwetter
Arnsberger Woche 2012
Bildgalerie
Fest
Busunfall in Arnsberg
Bildgalerie
Unfall
Aus dem Ressort
Lottospielerin aus Hochsauerland knackt 10-Millionen-Jackpot
Lotterie
Eine Lottospielerin aus dem Hochsauerland hat den 10-Millionen-Jackpot der Westdeutschen Klassenlotterie geknackt. Die Frau erfuhr von ihrem großen Glück am Telefon. "Völlig konsterniert" habe die Dame reagiert, sagt Westlotto-Sprecher Jörg Hessel, als der Gewinnerbetreuer die Nachricht überbrachte.
Jugendlicher tot am Bach bei Arnsberg-Breitenbruch gefunden
Polizei
Ein tot aufgefundener Jugendlicher in einem Bachtal bei Breitenbruch löste am Sonntag einen Polizei- und Rettungseinsatz aus. Der Todesfall warf auch einen Schatten auf das Schützenfest der St. Hubertus-Bruderschaft Breitenbruch. Der Vorfall war hier lange das Gesprächsthema Nummer eins.