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Erst freier Mitarbeiter der WP - Jetzt Professor in Innsbruck

11.12.2007 | 14:47 Uhr
Erst freier Mitarbeiter der WP - Jetzt Professor in Innsbruck

Stefan Neuhaus stammt aus Neheim und war 20 Jahre freier Mitarbeiter und Praktikant der WP-Redaktion.

„Perspektiven für das Leben - wer nicht liest, hat etwas verpasst. Und gerade heute ist es wichtig, dafür zu werben. Erst recht, wenn man sich beruflich damit beschäftigt.” Das sagt Stefan Neuhaus, heute Professor für Literaturwissenschaften an der Universität Innsbruck. „Mir ist es wichtig, eine Brücke zwischen Theorie und Praxis zu schlagen, deshalb auch mein Interesse an Literaturkritik und Literaturvermittlung, an Kinder- und Jugendliteratur und an Märchen”, schreibt er in einem Brief an die WESTFALENPOST. Dabei denkt Stefan Neuhaus auch an einen großen deutschen Erzähler, der leider in der Literaturgeschichte noch immer zu wenig Beachtung findet: Wilhelm Hauff (1802 - 1827), der in seinem kurzen Leben Eindrucksvolles geschrieben hat. Seine Märchen sind meist bekannter als ihr Autor: „Der kleine Muck”, „Das tränende Herz”, „Das Wirthaus im Spessart” oder den Roman „Der Mann im Mond”.

Aber auch mit Erzählern wie Novalis, Ludwig Tieck, Hans-Christian Andersen, Charles Dickens, Ludwig Bechstein, Astrid Lindgren, Otfried Preußler, Paul Maar oder Joanne K. Rowlings hat sich Neuhaus befasst. Den Begriff des Märchens, Volksmärchen, Kunstmärchen, Wirklichkeitsmärchen, volkskundliche, sozialgeschichtliche oder tiefenpsychologische Deutungsansätze und mehr hat er, neben vielen anderen Dingen in der Literatur, wissenschaftlich hinterfragt. Was macht Märchen so spannend, was wollen sie dem Leser sagen oder auch vermitteln?

Wilhelm Hauff, so Stefan Neuhaus, hatte eine nahezu grenzenlose Phantasie; jeder Text liefert ein Feuerwerk neuer Ideen. Der Erzähler habe seine Märchen so strukturiert, um eine Basis zu schaffen für ein intellektuelles Spiel, bei dem Humor, subtile Ironie oder Satire Distanz erzeugen und dazu einladen, die Texte ganz anders, und zwar gegen den Strich, zu lesen. Ein Spiel mit dem Leser hätten bereits Friedrich Schiller, E.T.A. Hoffmann und Ludwig Tieck - sie alle haben Hauff beeinflusst - getrieben, doch bei Hauff bekomme es eine neue Qualität. Neuhaus: „Spiel-Material ist, was man beobachten kann, was sich zumindest so zugetragen haben könnte und was die Literatur daraus gemacht hat. Das macht Hauff, so sollte man meinen, zu einem eminent (post?)modernen Autor.”Stefan Neuhaus, Jahrgang 1965, bestand 1984 am Franz-Stock-Gymnasium das Abitur, studierte dann Germanistik, Journalistik und Politikwissenschaften in Bamberg und in Leeds/England. Er schrieb seine Promotion (Magna cum laude) über „Freiheit, Ungleichheit, Selbstsucht? Fontane und Großbritannien”. Journalistisch arbeitet er während des Studiums bei der WP  in Arnsberg und später bei der Zeitung Fränkischer Tag in Bamberg. Seine erste berufliche Station war das Amt des Pressesprechers der Stadt Bamberg. Wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl für Neuere deutsche Literaturwissenschaft der Otto-Friedrich-Universität in Bamberg, Habilitation (2001), Gastprofessur in Innsbruck, Professur in Oldenburg und seit 2004 Universitätsprofessur an der Leopold-Franzens-Universität in Innsbruck folgten. 2005 hat ihm die Universtät Göteborg/Schweden die Ehrendoktorwürde verliehen, weil er sich besonders um ausländische Studierende gekümmert und er sich in seinen Arbeiten sehr an der studentischen Praxis orientiert hat - der jüngste Ehrendoktor und der erste aus Deutschland an der dortigen humanistischen Fakultät. So lauten seine akademischen Titel vollständig Prof. Dr. Dr. h.c..Die wichtigste Eigenschaft eines Journalisten, die Neugier, habe er sich erhalten, schreibt er der WP-Redaktion, die Kontakt zu ihm aufnahm, nachdem er in einer Radiosendung auf WDR 5 über Wilhelm Hauff gesprochen hatte. „Deshalb habe ich mich mit so vielen Gebieten innerhalb der Literaturwissenschaft beschäftigt. Literatur eröffnet neue Blicke auf die uns umgebende Wirklichkeit und neue Perpektiven für das Leben. Wer nicht liest, hat etwas verpasst und gerade heute ist es wichtig, dafür zu werben - erst recht, wenn man sich beruflich damit beschäftigt.” Bücher, Bücher, Bücher. Das Leben von Literaten und Wissenschaftlern. Auch Stefan Neuhaus hat mittlerweile etliche Werke verfasst. Er ist Mitbegründer, Mitherausgeber und Autor der literaturkritischen Zeitschrift RezenSöhnchen, die zweimal jährlich in Bamberg erscheint, wo Neuhaus mit seiner Frau und den beiden Kindern noch wohnt. Er ist Schriftführer der Ernst-Toller-Gesellschaft in Neuburg/Donau der Theodor-Fontane-Gesellschaft, der E.T.A.-Hoffmann-Gesellschaft, der Österreichischen Gesellschaft für Germanistik, des Deutschen Germanistenverbandes, des Deutschen Hochschulverbandes, der German Studies Association of America (GSA) und der Internationalen Vereinigung der Germanisten.

Theo Hirnstein

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