Erfahrungsaustausch baut Ängste ab

Müschede..  Gerhard Weingarten (61) aus Müschede wurde im Jahr 2000 der erste Defibrillator implantiert. Und zwar in einem Dortmunder Krankenhaus. Im Jahr 2005 folgte der zweite und im Jahr 2010 der dritte Defi, beide wurden im Hüstener Karolinen-Hospital eingesetzt. Mit Gerhard Weingarten sprach Martin Schwarz.


Frage: Warum benötigen Sie einen implantierten Defibrillator?
Gerhard Weingarten: Ich saß damals im Auto vor einer Ampel. Mein Herz schlug plötzlich ganz schnell. Dann war es wieder normal, doch kurze Zeit später hatte ich wieder Herzrasen. Ich ging zum Arzt und die medizinischen Untersuchungen zeigten eindeutig, dass ich an Herzkammer-Flimmern leide. Mir wurde ein Defibrillator implantiert. Wegen Batterien, deren Ladekapazität erschöpft war, musste 2005 ein zweiter und 2010 ein dritter Defi folgen.


Wie haben Sie sich mit dem implantierten Defi gefühlt?

Die erste Zeit war schrecklich, besonders in der Nacht. Ich war von großer innerer Unruhe getrieben und konnte daher schlecht schlafen. Denn plötzlich hing mein Leben von einem Gerät ab, auf das ich persönlich keinen technischen Zugriff habe. Ich habe mich gefragt: Was macht das Gerät mit mir unbemerkt, wenn ich schlafe? Bekomme ich vielleicht gleich einen Elektro-Schock, der mich aus dem Bett haut? Wie schmerzhaft wird das sein? Das waren Fragen über Fragen. Dann habe ich mich an die Selbsthilfegruppe der Defi-Liga gewandt. Der Erfahrungsaustausch mit anderen Betroffenen hat mir sehr geholfen. Die früheren Ängste habe ich heute nicht mehr.


Was raten Sie anderen Defi-Trägern, die anfangs auch unter Ängsten leiden?
Ich rate ihnen: Nutzen Sie die Selbsthilfegruppe „Herz in Takt Defi-Liga e.V.“. An jedem ersten Freitag eines Monats von 16 bis 18 Uhr oder von 18 bis 20 Uhr gibt es einen Gesprächskreis in der Akademie Frantz-Hitze-Haus, Kardinal-von-Galen-Ring 50 in Münster. Erste Ansprechpartnerin für die Defi-Liga ist die 1. Vorsitzende Angelika Däne aus Münster, 0251-68667927. Natürlich wäre es schön, wenn es auch in Arnsberg einen solchen Gruppen-Treff gäbe. Meine Bemühungen waren allerdings vor 10 bis 15 Jahren gescheitert. Vielleicht kann ja heute ein anderer Betroffener einen neuen Anlauf starten. Die Rahmenbedingungen scheinen heute günstiger zu sein als damals.