Emotionen im neuen Schulstreit

Arnsberg..  Die angedachten Planungen von Umzügen der auslaufenden Realschule Arnsberg in die Theodor-Heuss-Schule und folglich deren Schüler in Richtung Petrischule Hüsten, um Platz für die wachsende Sekundarschule Arnsberg zu schaffen, erhitzen die Gemüter. In der vergangenen Woche wurde an einem „Runden Tisch“ hochemotional diskutiert. Eltern und Schüler sind besorgt, die Verwaltung um sinnvolle Lösungen bemüht und Politiker, die letztendlich eine Entscheidung zu fällen haben, von schlaflosen Nächten gequält.

Die Wogen schlagen hoch und nahmen in der vergangenen Woche bereits bedenkenerregende Züge an. Das Haus eines Mitglieds des Schulausschusses wurde beschmiert, ein involvierter Schulleiter bedroht. Zeit, die Diskussion zu versachlichen. Wir stellen daher an dieser Stelle die wichtigsten Argumente der Diskussion gegenüber.

Für den Status Quo:

Ein Ortswechsel in den letzten und entscheidenden Schuljahren halten die Befürworter des Status Quo für die Schüler der Theodor-Heuss-Schule (THS) für kontraproduktiv. Ihre Argumente u.a.:

Gute Verzahnung vor Ort

Das Angebot der THS ist ausgerichtet auf besonderen Lernzuwachs in den Bereichen der Stärken und Schwächen der Schüler in der Form individueller Förderungen. Dieses Lernen ist nur möglich durch die Einrichtung kleinster Klassen und Fördergruppen, die entsprechend der vielfältigen Bedarfe zu bilden sind. Darin eingebunden sind ehrenamtlich tätige Personen, die bei einem Umzug wegfallen werden - und damit auch die wichtige individuelle Förderung für die Schüler.

Stützkurse und Kleingruppen

Im laufenden Schuljahr wurde eine Förderklasse für nicht Deutsch sprechende Kinder eingerichtet, die zu einem großen Teil als Flüchtlinge in Arnsberg aufgenommen worden waren. Darüber hinaus erteilen ehrenamtlich tätige Lehrkräfte (siehe oben) Sprachunterricht für die Eltern dieser Kinder. Außerordentlich erfolgreiche Maßnahmen der letzten Jahre umfassen Mathematik-Stützkurse in Kleingruppen bis hin zur Einzelförderung. Ebenso effizient die jährlichen berufskundliche Seminare, die vielfach nur durch die gute Verzahnung vor Ort möglich sind. Diese für den Erfolg der Schüler unverzichtbare Konzeption ist in Hüsten nicht machbar.

Höhere Erfolgsquoten

Viele ortsansässige Betriebe, Innungen und besonders die Handwerkskammer bescheinigen der THS in der berufsvorbereitenden Arbeit höhere Erfolgsquoten als im Hauptschulbereich allgemein erreichbar sind. Ohne die besonderen Rahmenbedingungen in der Schule und im Ortsteil Arnsberg wären diese Erfolge von Hüsten aus nicht umsetzbar. Auf der Grundlage der guten Erfolge bietet die THS dagegen an, Schüler anderer auslaufender Schulen am Lernort Arnsberg besondere Chancen für deren Schullaufbahn zu ermöglichen. Bei einem Wechsel nach Hüsten mit Zusammenführung mit anderen Schulen gäbe es keinen Ganztagsunterricht, keine Bildung kleiner Lerngruppen, keine Förderräume und keine zusätzlichen pädagogischen Fachkräfte mehr.

Für den Umzug:

Grundlage für das Bewegen des Schulkarussells in Arnsberg ist die Festlegung auf eine „Ein-Standort-Lösung“ für die Sekundarschule. Befürworter nennen dafür folgende Argumente:

Konzentration der Kräfte

Die Sekundarschule Arnsberg wächst in größerem Umfang als bei ihrer Einführung angenommen. Die Schüleranmeldezahlen waren höher als erwartet und damit auch die Zügigkeit (5- und 6-zügig) und der darauf resultierende Raumbedarf. Das Konzept der wachsenden Sekundarschule hat einen erhöhten Abstimmungs- und Teambildungsbedarf im Kollegium, dem man bei einer Verteilung auf zwei Standorten nicht gerecht werden könne. Der Förderverein der Sekundarschule verweist auf das gute Angebot des Schulcafés/Mensa für die Sekundar- und derzeit noch Realschüler. An zwei Standorten würde diese Qualität nicht mehr aufrecht zu erhalten sein. Die Sekundarschule verweist darauf, sich alleine an einem Standort mit weiteren Bauphasen arrangieren zu können sowie Kosten für auswärtiges Essen (Schützenhalle) und Fahrten zum Sportunterricht nach Oeventrop einsparen zu können.

Konflikte zwischen Schulen

Die Konflikte im Miteinander von Real- und Sekundarschule haben mit Wachsen der Sekundarschule zugenommen. Die Spannungen zwischen Schulleitungen und Kollegien würden möglicherweise weiter zunehmen. Ein Umzug der Realschule in die Theodor-Heuss-Schule würde der Schulgemeinde der Realschule bis zum Auslaufen der Schule in drei Jahren mehr Ruhe geben können.

Hauptschul-Qualität

Die Theodor-Heuss-Schule wird mit jedem auslaufenden Jahrgang kleiner, was die Versorgung mit Lehrern für Differenzierungsangebote für die verschiedenen Schulabschlüsse gefährdet. Eine Bündelung aller Schüler auslaufender Hauptschulen der Stadt an der gut ausgestatteten Petrischule würde allen Kindern den Weg zu allen denkbaren Hauptschulabschlüssen garantieren.

Problemverschiebung

Nach Ansicht der Vertreter der Ein-Standort-Lösung würde spätestens in 2016 die Diskussion neu geführt werden, weil aus ihrer Sicht ein Umzug der Theodor-Heuss-Schule dann unaufschiebbar wäre.