Eingebaute Lebensversicherung

Arnsberg.  . Mit Defibrillatoren kann man Leben retten. Vielen Bürgern bekannt ist das externe, aus dem Notfall-Koffer genommene Gerät, das per Elektro-Schock den plötzlichen Herztod verhindern kann. Weniger öffentlich bekannt sind Defibrillatoren, die von Kardiologen in Patienten, die an lebensbedrohlichen Herz-Rhythmusstörungen leiden, implantiert werden. Abseits der Öffentlichkeit passiert dies in deutschen Krankenhäusern seit vielen Jahren. „Bereits seit 1999 implantieren Chirurgie und Kardiologie im Hüstener Karolinen-Hospital Defibrillatoren“, berichtet Dr. Ulrich Born, Leitender Oberarzt in der Hüstener Klinik für Kardiologie am Klinikum Arnsberg.

Bei diesem technischen Verfahren ist Dr. Born in Hüsten von Anfang an dabei. Die Anzahl der Patienten ist im Laufe der Jahre kontinuierlich gewachsen. „Heute sind es etwa jährlich 50 bis 60 Patienten, denen in der Hüstener Kardiologie ein Defibrillator implantiert wird“, schätzt Born.

Greift auch regulierend ein

Deutschlandweit werde jährlich rund 35 000 Menschen ein Defi implantiert, weltweit seien es jährlich 410 000 Menschen. In diesen einzelnen Summen steige seit Jahren der Anteil der Menschen, denen vorbeugend ein Defi implantiert werde, stetig an.

„Denn ein Defi kann nicht nur im Notfall den lebensrettenden Elektro-Schock auslösen, sondern aufgrund geräteeigener Mess-Apparaturen auch regulierend in den Herz-Rhythmus eingreifen, ohne dass dies der Patient spüren muss“, erklärt Dr. Born. Durch diese präventive Behandlung könne mancher Notfall von vornherein verhindert werden.

Regelmäßige Nachsorge

„Ein Teil der Patienten verbindet mit dem Defi aber auch Ängste“, weiß Ulrich Born aus Behandlungsgesprächen. Das etwa Streichholzschachtel-große Gerät, das unterhalb des Schlüsselbeins implantiert werde und über eine Sonde mit dem Herzen verbunden sei, wirke auf einige Patienten als angstmachender Fremdkörper, dem sie auf Gedeih oder Verderb ausgeliefert seien.

„Dies ist aber eine Fehleinschätzung. Die Patienten müssen keine Angst vor der Technik haben. Hier gibt es eher ein psychisches Problem im Umgang mit der Technik“, betont Dr. Born und stellt klar: „Patienten mit implantiertem Defibrillator haben eine eingebaute Lebensversicherung.“ Hinzu käme die regelmäßige Nachsorge. In ambulanten Verfahren am Krankenhaus könnten per Fühler, der auf der Haut über dem implantierten Gerät aufgesetzt werde, Messdaten abgerufen und Geräte-Einstellungen vorgenommen werden.

Bedarf für Selbsthilfegruppe

Gleichwohl bleibe es schwer, Patienten Ängste zu nehmen, zumal manchmal auch medizinische Wissenslücken bestehen. An dieser Stelle zeigt sich Dr. Born im Gespräch gern bereit, die Gründung einer „Arnsberger Selbsthilfegruppe für Menschen mit Defibrillatoren, deren Angehörige und Freunde“ in dem Sinne zu unterstützen, dass er einzelne Treffen dieser Gruppe medizinisch begleiten würde.

Angesichts der Tatsache, dass heute in Arnsberg, Sundern und Umgebung mehrere hundert Betroffene leben, denen im Laufe der vergangenen 16 Jahre ein Defi im Karolinen-Hospital implantiert wurde, sei ein Bedarf für eine solche Selbsthilfegruppe durchaus anzunehmen.

Dies bekräftigte auch der 61-jährige Müscheder Gerhard Weingarten, der für die bundesweite Defi-Liga (www.defi-liga.de) als Ansprechpartner in Arnsberg, 02932-34597, zeichnet.

Info

Defibrillatoren werden Patienten implantiert, die an schweren Herz-Rhythmusstörungen leiden. Das Herzrasen ist dabei das bekannteste Krankheitsbild.

Gegenüber einer normalen Frequenz von 60 bis 80 Herzschlägen/Minute kann beim Herzkammer-Flimmern bzw. Herzkammer-Flattern die Frequenz auf mehr als 300 Schläge/Minute ansteigen.

Bei einer solchen Frequenz kann das Herz kein oder nur sehr wenig Blut pumpen – es droht der Herzstillstand. In diesem Notfall kann ein Defibrillator das Herz wieder in einen für den Menschen überlebensfähigen Rhythmus bringen.


Zu implantierende Defibrillatoren der neuesten Generation sind heute nur noch 60 bis 80 Gramm schwer. Früher wogen sie das Doppelte.


Sie kosten je nach Ausstattung zwischen 3000 und 8000 Euro. Wenn die medizinische Indikation vorliegt, übernehmen die Krankenkassen zu 100 Prozent die Geräte- sowie die Operations- und Behandlungskosten.