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"Eine Steuersenkung ist das beste Konjunkturprogramm"

14.05.2009 | 16:01 Uhr

Arnsberg. Auch die heimischen Hotel- und Gaststättenbetreiber ächzen unter den Folgen der Wirtschaftskrise. Dazu ein Gespräch mit Hans-Dietmar Wosberg (Arnsberg), dem Präsidenten des deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes Westfalen.

WP: Die Krise trifft auch Gastwirte und Hoteliers. Gibt es Auswege?

Hans Dietmar Wosberg

Wosberg: Das Hotel- und Gaststättengewerbe stellt in Deutschland einen gewichtigen Wirtschaftsfaktor dar, der eine Vielzahl qualifizierter Arbeitsplätze sichert. Als klassische Konsumbranche ist dieses Gewerbe in erheblichem Maße von der jeweiligen Konjunktursituation abhängig und sieht sich in der aktuellen Wirtschaftskrise vor besonderen Herausforderungen. Die aktuelle Krise wäre für uns erheblich besser zu meistern, wenn unsere seit langer Zeit erhobene Forderung nach einer Absenkung der Mehrwertsteuer von 19 auf 7 Prozent erfüllt würde. Das wäre für uns und das Tourismusland Deutschland das beste Konjunkturprogramm. Doch dies müsste schnell passieren, weil sich im Hotel- und Gaststättengewerbe die Situation in den vergangenen Monaten sehr verschärft hat. Und das Instrument Kurzarbeit greift bei uns nicht. Außerdem: Warum fallen in Deutschland für Bäcker, Metzger oder im Lebensmitteleinzelhandel nur 7 Prozent, bei uns aber 19 Prozent an? Frankreich hat bereits auf die Krise reagiert und den Mehrwertsteuersatz für gastronomische Leistungen auf 5,5 Prozent gesenkt. Andere Länder wollen folgen.

WP: Was würde eine solche Steuersenkung bewirken?

Wosberg: Das Geld, das wir dann zur Verfügung hätten, können wir zum Beispiel in die Modernisierung unserer Betriebe investieren. Mit entsprechenden Folgeaufträgen übrigens für das Handwerk vor Ort. Und modernisierte Betriebe wiederum ziehen mehr Kunden. Nicht zu vergessen: Der Gast darf und kann erwarten, dass er ordentlich bedient wird. Dafür müssen wir aber die Räume heizen, ausreichend Personal und Speisen bereitstellen. Das kostet entsprechend Geld.

WP: Wie sieht es bei den Lehrstellen aus?

Wosberg: Durch den Antrag an die Bundesregierung, die Nachtarbeitszeiten von 22 auf 23 Uhr zu verlängern, wird für 18-Jährige - z.B. Real- und Hauptschüler - die Möglichkeit gegeben, eine qualifizierte und fundierte Ausbildung zu absolvieren. Dadurch werden zusätzliche Ausbildungsplätze geschaffen, wobei das Gastgewerbe an der Spitze steht.

WP: Hat das Gastgewerbe denn nicht die Mittel zur Verfügung, um flaue Zeiten zu überbrücken?

Wosberg: Nein. Unser eher mittelständisch geprägtes Gewerbe kann als Dienstleister Umsatzverluste bei fortlaufenden Fixkosten auch nicht zwischenfinanzieren. Denn das Rating für diese Branche ist extrem schlecht und damit sind die Kreditkosten extrem hoch. Und wir dürfen hier auch nicht die Auswirkungen des Nichtraucherschutzgesetztes auf die Branche ausklammern.

WP: Werden ähnlich wie in anderen Branchen die „Kleinen” vom Markt verschwinden oder besetzen gerade sie wichtige Nischen?

Wosberg: Wer gute Ideen hat und kreativ ist, wird in Zukunft den Markt mitgestalten - egal ob groß oder klein.

Von Achim Gieseke

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