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Hilfe in Eritrea

Eine Flucht lässt sich bereits vor Ort aufhalten

15.03.2016 | 23:59 Uhr
Eine Flucht lässt sich bereits vor Ort aufhalten
„Vor Ort helfen“: Dr. Peter Liese (MdEP), Anne Rieden, Dr. med. Peter Schwidtal (von links).Foto: privat

Möhnesee/Meschede. Wege aus der Flüchtlingskrise führen keineswegs nur über die Balkanroute oder das Mittelmeer – sie können auch direkt in die Herkunftsländer münden. Soll heißen: Hilfe vor Ort tut Not – und wird teilweise bereits geleistet.

Ein engagiertes Beispiel findet sich in unmittelbarer Nachbarschaft, genau gesagt in der Gemeinde Möhnesee. In Körbecke ansässig ist die Organisation „Archemed – Ärzte für Kinder in Not“. Gegründet wurde dieser gemeinnützige Verein im Sommer 2010, sein Tätigkeitsgebiet ist Eritrea.

Vor allem junge Menschen fliehen

Das kleine Land am Horn von ­Afrika taucht – auch was Flüchtlinge angeht – viel seltener in den Schlagzeilen auf als Syrien oder Afghanistan; doch Fakt ist: Aus keinem Land Afrikas fliehen so viele Menschen wie aus Eritrea, und viele davon bleiben in Deutschland.

„Fast 50 Prozent der Bevölkerung Eritreas sind Kinder. Es herrscht dort großer Mangel an materiellen und humanen Ressourcen. Daher verlassen vor allem junge Menschen das Land, um – meist in Europa – eine bessere Zukunft zu suchen“, berichtet Dr. med. Peter Schwidtal, Mediziner aus Möhnesee-Körbecke und Archemed-Vorsitzender. Gemeinsam mit seiner Mescheder Vorstandskollegin Anne Rieden nutzte der engagierte Arzt kürzlich eine Begegnung mit dem südwestfälischen Europaabgeordneten Dr. Peter Liese (CDU), um seine Organisation noch bekannter zu machen.

„Die Europäische Union unterstützt das Land – und ich denke, dass auch Deutschland dort mehr machen sollte“, hält der Europapolitiker den Ansatz „Hilfe vor Ort“ für äußerst wichtig. „Ich bin davon überzeugt, dass wir Flüchtlingsursachen besser bekämpfen müssen“, so Liese, der selbst Mediziner ist.

Doch was genau macht „Archemed“ eigentlich im Osten Afrikas?

Hilfe zur Selbsthilfe

Ziel ist medizinisch-humanitäre Hilfe für kranke Kinder in Eritrea. „Unsere Ärzte und Schwestern arbeiten selbstlos und uneigennützig. Sie helfen dort am Krankenbett der Kinderkliniken, operieren im internationalen Operationszen­trum für Kinder in der Hauptstadt Asmara, betreiben Spezialambulanzen für chronische Kinderkrankheiten, bilden einheimisches Fachpersonal aus“, gibt Dr. Schwidtal einen Überblick zu den Aktivitäten.

„Viele unserer Mitarbeiter haben langjährige Einsatzerfahrung in dem bitterarmen Land am roten Meer“, so der Körbecker weiter.

Doch es reiche nicht aus, gute Ärzte und Schwestern nach Eritrea zu schicken. „Der Aufbau medizinischer Infrastruktur im Land ist unser Anliegen“, so Dr. Schwidtal, „genau so wie die Entsendung von Technikern zwecks Sicherung von Strom und Wasser sowie zur Wartung unserer zum Heilerfolg notwendigen medizinischen Technik.“

Hilfe zur Selbsthilfe also, denn Mangel kennzeichnet noch immer das eritreische Gesundheitswesen: Es gibt zu wenig Ärzte, Schwestern und Hebammen. Es gibt also noch eine Menge zu tun, wer helfen möchte – neben Archemed gibt es mit dem Hammer Forum in unserer Region eine weitere Hilfsorganisation, die schon seit Beginn der 1990er Jahre in Eritrea medizinische und humane Hilfe leistet.

Torsten Koch

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