Ein wahrer Meister der stilvollen Provokation

Romanautor Thomas Meyerbeherrscht es, gekonnt zu provozieren – aber immer stilvoll und mit spitzbübischem Charme.
Romanautor Thomas Meyerbeherrscht es, gekonnt zu provozieren – aber immer stilvoll und mit spitzbübischem Charme.
Foto: WP

Dörnholthausen..  Thomas Meyers ­Blicke wandern durch den hergerichteten Stall. Er grinst schelmisch. „Ich frage mich gerade, wo die Pferde eigentlich sind?“, eröffnet der ­Romanautor seine Lesung.

„Vielleicht werden die ja in der Pause serviert“, liefert er seine ­„bissige“ Vermutung gleich nach. Natürlich war dieser Einstieg eine Anspielung auf das außergewöhnliche „Kultur rockt“-Ambiente.

Der Schweizer beherrscht es, gekonnt zu provozieren – aber immer stilvoll und mit spitzbübischem Charme. Das bewiesen nicht zuletzt auch die stimmig ausgewählten Leseproben aus seinem erfolgreichen Debütroman „Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse“, die Meyer dem begeisterten Publikum kurzweilig präsentierte.

Der Titel seines 2014 erschienenen Erstlingswerks klingt gleichsam ungewöhnlich wie Interesse­ weckend. Es handelt vom jungen orthodoxen Juden Motti Wolkenbruch und seiner aufregenden Odyssee, die richtige Frau zu finden. Denn all die Damen, die ihm seine Mutter als potenzielle Ehefrauen vorsetzt, sehen letztendlich so aus wie sie. Doch da gibt es seine hübsche Kommilitonin Laura, die jedoch leider eine „Schickse“ ist.

„Leider eine Schickse“

Dieses Wort sei im deutschen und jüdischen Sprachgebrauch durchaus abwertend gemeint, wie Meyer erklärte. Für den jungen Protagonisten heißt das: Eine solch moderne und nicht jüdische Frau passt seiner Mutter so gar nicht. Die Antwort auf die Frage, ob er lieber Gehorsam üben oder sich weiter um Laura bemühen soll, erwartet den Leser beim Schmökern im kompletten Roman.

Trotz der oft genutzten jiddischen Sprache und der Gesamtthematik weigert sich Thomas Meyer aber vehement, das Buch als Beitrag zur Völkerverständigung zu sehen: „Das wäre anmaßend, so etwas steht mir nicht zu.“

Zwiegespräch bei Vernissage

Im Anschluss an die Lesung wurde den Zuhörern noch Raum für Fragen gegeben. Doch auch für diese Gelegenheit hatte der schlagfertige Meyer eine Überraschung parat:

„Ich stelle mir die drei wichtigsten Fragen einfach selber.“ Ob er auch Jude sei: „Ja, aber kein streng gläubiger.“ Ist der Roman autobiografisch? – „Nein!“. Und was sagen denn überhaupt die streng orthodoxen Juden zu so einem Buch? Die würden sich eh in einer „hermetisch abgeriegelten Szene“ bewegen und hätten deshalb „gar nichts mitbekommen“, sagte er augenzwinkernd.

Kurz vor der Lesung hatte der Berliner Künstler Christian Awe seine beeindruckenden Exponate im lebendigen Zwiegespräch mit Anne Knapstein vom Kunstverein Sundern in einer Vernissage vorgestellt. Die rund 20 farbenprächtigen Bilder der Ausstellung „Kunst=Natur–X“ sind noch bis 5. September 2015 im Haus Berghoff zu besichtigen.

Unterdessen zog Festival-Initiator Matthias Berghoff eine erste positive Bilanz „Wir sind mit dem bisherigen Verlauf sehr zufrieden. Die Resonanz ist erfreulich.“

Thomas Meyer bedachte Berghoff am Ende noch mit einem ganz besonderen Lob: „Durch Menschen wie Sie wird Kultur zu dem, was sie ist – vielen Dank dafür.“