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Familienfehde

Ein neues Opfer im blutigen Familienstreit?

10.02.2012 | 09:57 Uhr

Essen/Neheim.Der blutige Konflikt zwischen zwei aus dem Libanon stammenden Familien aus Neheim und Gladbeck könnte ein weiteres ­Opfer gefordert haben. Mittwochabend stachen Unbekannte den Vater (61) der vor dem Landgericht Essen wegen Mordes auf einer Libanesen-Hochzeit in Bottrop angeklagten Brüder Bilal (24) und Chalid C. (29) aus Neheim nieder. Er schwebt in Lebensgefahr.

Offiziell wollen die Behörden einen Zusammenhang nicht bestätigen. Den für heute angesetzten Prozesstag hat das Schwurgericht aber aufgehoben, weil der Vater der Hauptangeklagten Opfer eines Anschlags wurde. Intern ist aber auch die Rede von Sicherheitsbedenken. Der am 13. Dezember gestartete Prozess wird von rund 50 Poli­zisten gesichert, weil im Vorfeld Morddrohungen bekannt wurden. Angeblich hätte die Gladbecker Opferfamilie einen Killer engagiert, um ein Familienmitglied der Arnsberger im Gerichtssaal zu töten.

Im Prozess wird den Brüdern C. vorgeworfen, den Bruder der 25 Jahre alten Ehefrau von Bilal C. auf einer Hochzeit in Bottrop hinterrücks erstochen zu haben. Als Rache dafür, dass sich die aus Gladbeck stammende Ehefrau von Bilal C. getrennt hatte. Weil diese das Sorgerecht für die gemeinsamen Kinder bekam, soll ihr Mann gedroht haben, deren Vater oder einen ihrer Brüder umzubringen. Die Angeklagten bestreiten das.

Im Prozess kam es mehrfach zu Tumulten, allerdings außerhalb des Sitzungssaales. Erst am Dienstag lieferten sich Bilals Ehefrau und einige ihrer Gladbecker Angehörigen ein heftiges Wortgefecht mit ­Schwestern der Angeklagten. Dabei sollen Gesten des Halsabschneidens gemacht worden sein, so Augenzeugen.

Ob der Anschlag auf Vater C. die direkte Reaktion auf den Tumult war? Nur einen Tag später griffen laut Zeugen zwei Unbekannte den 61-Jährigen um 17.45 Uhr auf der belebten Bahnhofstraße in Bielefeld an. Sie sollen ihn zu Boden gedrückt und auf ihn eingestochen haben. „Er schwebt immer noch in Lebensgefahr“, so Staatsanwältin Stefanie Jürgenlohmann (Bielefeld).

Der in Neheim wohnhafte 61-Jährige soll in der JVA Bielefeld im offenen Vollzug gesessen und sich in der Stadt aufgehalten haben. Verteidigerin Christiane Theile hält den Zusammenhang zum Prozess nicht für offensichtlich und bezweifelt, dass die Familie ihrer Mandantin für die Messerattacke auf den Senior verantwortlich ist: „Er soll dick im Drogengeschäft gewesen sein und niederländische Dealer abgezockt haben. Vielleicht kam der Angriff von dieser Seite.“

Stefan Wette

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