Ein Genie beherrscht das Chaos – im Zeitraffer

Yukihiro Taguchi und seine Partnerin Chiara beim Aufbau.
Yukihiro Taguchi und seine Partnerin Chiara beim Aufbau.
Foto: WP

Arnsberg..  Eine Reihe sperriger Dielenbretter scheint förmlich durch die Straßen Berlins zu fliegen. ­Immer wieder werden die Holz­latten durcheinander gewirbelt und neu sortiert – sternförmig, als Steg oder Zebrastreifen; rasant und an ständig wechselnden Orten. Der Blick des Betrachters klebt förmlich an der Videoperformance, die im Zeitraffer auf einer Wand in den Räumen des Kunstvereins flimmert.

Yukihiro Taguchi heißt der Schöpfer dieser ebenso ungewöhnlichen wie spannenden Arbeit. Wie unschwer zu erraten, ist er Japaner – und Routine ist ihm völlig fremd. Stattdessen setzt der 1980 in Osaka geborene Künstler auf Improvisation und Spontanität, nutzt beides zur Beherrschung des Chaos, welches oberflächliche Zuschauer latent zu verspüren meinen.

Hausbau auf der Cuvry-Brache

„Seine Ordnung heißt Chaos, sein Plan ist die Improvisation“, beschreibt Vlado Velkov das Schaffen des Mannes aus Fernost. Der Kurator des Kunstvereins verfolgt die Arbeiten Taguchis schon seit Jahren – und hat ihn jetzt erstmals nach Arnsberg eingeladen. Wer wissen möchte, wie Yukihiro „tickt“, sollte – neben seinen zahlreichen Zeichnungen, die in der Königstraße 24 gezeigt werden – eine weitere Video-Produktion genau studieren: Gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Chiara Ciccarello hat er auf der Cuvry-Brache in Berlin-Kreuzberg ein Haus gebaut – aus Altholz und mit weiterem „Treibgut der Großstadt“. Beide lebten dort fast eineinhalb Jahre, ohne Strom und fließendes Wasser. Dieses künstlerische Experiment machte Schule, wuchs zum informellen Dorf einer bunten Gemeinschaft mitten in Berlin zusammen.

„Es macht viel Freude, sich das anzuschauen“, meint Juliane Rogge mit Blick auf diesen „Dokufilm“. Womit die Brücke geschlagen ist – zu einer wichtigen Personalie in Reihen des Kunstvereins: Juliane Rogge (25) aus Neheim folgt Kathrin Ueberholz als Geschäftsführerin, wie der Vorstand bereits zum Jahreswechsel beschlossen hat.

Die „Neue“ hat in Münster Kunstgeschichte und klassische Archäologie studiert; und ist nicht wirklich neu: Sie arbeitet schon seit Jahren beim Kunstverein mit – wurde von ihrer Vorgängerin empfohlen: „Juliane hat den Kunstsommer 2012 mit gestaltet, vorher einige Praktika gemacht“, freut sich Kathrin Ueber­holz über einen perfekt geregelten Übergang. Sie selbst blickt auf sechseinhalb spannende Jahre zurück, bleibt dem Verein außerdem erhalten, auch in ihrer Funktion als Bindeglied zum städtischen Kulturbüro, für das sie beruflich tätig ist.

„Ich möchte die Arbeit erfolgreich weiterführen“, sagt Juliane Rogge, „als Schnittstelle zum Kurator, zum Verein, zur Bevölkerung und zu den Künstlern.“ Taguchi ist unter Letzteren der Erste, und gleich einer, der ihr sicher die Chance eröffnet, „weiter am Kunstverständnis der Arnsberger zu feilen“.

Taguchi weilt übrigens im März erneut in Arnsberg, um sich 14 Tage lang unter die Leute zu mischen und eine Performance zu erschaffen...