Durch versunkene Geschichte tauchen

Arbeiten am Sorpedamm.
Arbeiten am Sorpedamm.
Was wir bereits wissen
„Damals - heute. Lebensraum im Wandel der Zeit“ heißt eine Serie unserer Volantärin Jennifer Kalischewski die nun anläuft und Geschichten aus den Stadtgebieten Arnsberg und Sundern erzählt.

Sundern..  Was ist heute da, wo früher Wiesen und Felder waren, wo Bauernhöfe standen, wo Pferdefuhrwerke über Sandwege holperten? Vor allem ist dort: Stille. Nur das Glucksen und Blubbern der aufsteigenden Blasen bei jedem Atemzug durchbrechen die Ruhe. Denn da, wo früher das wenig besiedelte Sorpetal lag, ist heute Wasser. Bei einem Schnuppertauchgang gibt Tauchlehrer Hubert Schmidt einen kleinen Einblick in die vielfältige Unterwasserwelt des Sorpesees.

Zunächst einmal heißt es daher: rein in den engen Neoprenanzug, Eisweste, Handschuhe und Füßlinge übergestreift, Sauerstoffflaschen auf den Rücken geschnallt, Brille auf und Flossen an. Nach den ersten Atemübungen unter Wasser und einer Einführung in die wichtigsten Handzeichen geht es los. Mal sehen, was es auf dem Grund der Bucht am Sommertauchplatz der Tauchschule Sorpesee zu entdecken gibt.

„Es gibt viel zu sehen“, verspricht Matthias Richter, Geschäftsführer der Tauchschule. „Der Sorpesee ist von den Talsperren hier in der Region die sauberste. Deshalb herrschen gute Sichtverhältnisse.“ Bis zu 15 Meter weit könne man bei optimalen Bedingungen blicken. Riesige Jungfisch-Schwärme, Hechte von bis zu 1,50 Meter Länge, Krebse, Schnecken, Aale – all das tummle sich auf dem Grund.

Beim Schnuppertauchgang bleibt die Begegnung mit einem großen Fisch jedoch aus. Tauchlehrer Hubert Schmidt führt durch Wasserpest-Wälder und über sandigen, mit Muschelschalen bedeckten Boden. Mal deutet er nach links auf den Stamm einer alten, knorrigen Tanne oder nach unten auf zig flinke Kaulquappen. Je tiefer es geht, desto kälter wird das Wasser. „Beim Schnuppertauchen gehen wir auf maximal sechs, sieben Meter“, erklärt er.

Tauchen an der Steinbruchwand

Und abgesehen von der Flora und Fauna des Sorpesees? Gibt es noch Überreste der Höfe? Ein verlassenes Unterwasserdorf? Matthias Richter muss bei dieser Frage schmunzeln. „Gemäuer sieht man keine“, sagt er. „Aber dafür Ruderboote, die irgendwann abgesoffen sind.“ Der Wintertauchplatz liegt zudem direkt am Steinbruch, aus dem das Material für den Bau des Damms stammt. „Abhängig vom Wasserstand geht es dort an der Steilwand runter bis auf 35 Meter“, weiß Hubert Schmidt. Allerdings: Anhand alter Karten ließe sich ableiten, dass es irgendwo im See noch alte Brücken geben müsse. „Aber die liegen weit außerhalb unserer Tauchgebiete und sind nicht erreichbar“, sagt Richter.

Der Tauchschul-Inhaber jedoch kennt den Reiz, durch versunkene Geschichte zu tauchen. „Wir bieten ja auch Wracktauchen an oder Bergwerktauchen im alten Schieferbergwerk Nuttlar“, sagt er. „Wenn man zum Beispiel in einem versunkenen Schiff persönliche Sachen findet, stellt man sich schon vor, wie die Leute dort Zeit verbracht haben.“

Beim Schnuppertauchen in der Sorpe zieht derweil das Wasser kalt durch den Neoprenanzug. Daumen nach oben, anschließend Daumen und Zeigefinger zu einem Ring schließen, das bedeutet in der Zeichensprache der Taucher soviel wie: Auftauchen? Ok! Der Blick geht nach oben. Mit ein paar Flossenschlägen geht es langsam aufwärts, durch das blaue Licht Richtung Sonne.