Dubioses „Luft-Geschäft“ fliegt auf

Arnsberg..  Zu einer 12-monatigen Bewährungsstrafe wegen versuchten Betruges wurde jetzt eine 32-jährige Frau vom Schöffengericht verurteilt. Damit kam die Arnsbergerin noch mit dem berühmten blauen Auge davon.

Die 32-Jährige sorgte nicht nur in zwei Autohäusern in Menden und Arnsberg für Verwirrung, als sie gleich sieben hochwertige Gebraucht-Pkw bestellte. Reichlich Verwirrung gab es sowohl bei der ermittelnden Polizei und Staatsanwaltschaft als auch jetzt im Prozess vor dem Schöffengericht. Dabei konnten selbst nach Anhörung von sechs Zeugen die unstimmigen Aussagen der Angeklagten nicht völlig aufgelöst werden.

Auch die Angaben zu ihrer Person waren dubios: Die Frau hatte sich bei ihren Betrugsversuchen per Ausweis mit einem japanisch-schottischen Namen und einem Doktortitel ausgegeben und war angeblich, als die Summe von rund 300.000 Euro für die bestellten Pkw bei den Autofirmen nicht einging, in ihrem Büro in Japan tätig.

Vor Gericht gab die Frau, die nach Erlass eines Haftbefehls wegen Fluchtgefahr in U-Haft saß und von dort dem Gericht vorgeführt wurde, an, sie sei derzeit freiberufliche Reporterin und verkaufe spektakuläre Bilder an bekannte Zeitungen. Sie habe nach Fachhochschulreife und einer Ausbildung als informationstechnische Assistentin ein Studium des internationalen Managements begonnen, später aber abgebrochen, weil sie an Depressionen litt, da sie von einer Frau - sie soll eine Geschlechtsumwandlung hinter sich haben - gestalkt worden sei.

Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft wegen versuchten Betruges, Urkundenfälschung und des unbefugten Führens eines akademischen Grades räumte sie ein, gab aber über ihre Motive keinerlei Erklärungen ab.

Schaden letztlich „nur“ vierstellig

Der Schaden für die beiden Autohäuser belief sich auf eine niedrige vierstellige Summe. Man habe beim Auftreten der Frau keine Zweifel an deren Zahlungsfähigkeit gehabt. Auch nicht, weil sie gleich sieben sehr teure Pkw geordert habe. Das sei nicht unbedingt ungewöhnlich, sagten Zeugen der geschädigten Autohäuser aus. Zur Auslieferung der Fahrzeuge war es jedoch nicht gekommen, weil die vereinbarte Kaufsumme nie eingegangen war.

Als eine Überprüfung bei der Banque of Scotland - von dort sollten die Überweisungen erfolgen - ergab, dass die Frau dort über keinerlei Einlagen verfügte und auch nicht bekannt war, erstatteten die Autofirmen Anzeige. Die Angeklagte tauchte unter und war lange Zeit nicht erreichbar.

Unter Zurückstellung seiner Bedenken beantragte der Staatsanwalt schließlich eine Bewährungs-Freiheitsstrafe von 14 Monaten. Die Untersuchungshaft habe die Arnsbergerin beeindruckt, sie werde ihr eine Warnung sein. „Da der Schaden bei diesem skurrilen Fall überschaubar blieb und die Frau zur damaligen Zeit noch nicht vorbestraft war, kann man eine Bewährungsstrafe verantworten“, argumentierte der Staatsanwalt.

150 Sozialstunden

So geschah es dann beim Urteil des Schöffengerichtes, das die Angeklagte zu einer Freiheitsstrafe von 12 Monaten zur Bewährung auf drei Jahre verurteilte. Sie wird zudem einem Bewährungshelfer unterstellt und muss 150 Sozialstunden ableisten. Nach Aufhebung des Haftbefehls war die 32-Jährige ohne festen Wohnsitz.