Dieser Sport ist garantiert nicht von der Stange

„Pole-Fitness“ bedeutet Spaß, aber auch Anstrengung. Obwohl es spielerisch leicht aussieht, wenn die 18-jährige Saskia Blüm mit einer Kostprobe ihres sportlichen Könnens aufwartet.
„Pole-Fitness“ bedeutet Spaß, aber auch Anstrengung. Obwohl es spielerisch leicht aussieht, wenn die 18-jährige Saskia Blüm mit einer Kostprobe ihres sportlichen Könnens aufwartet.
Foto: WP Ted Jones

Neheim..  An dieser Stange lässt sich niemand hängen – im Gegenteil: „Pole-Fitness“ bedeutet Spaß, aber auch Anstrengung. Obwohl es spielerisch leicht aussieht, wenn Saskia Blüm mit einer Kostprobe ihres sportlichen Könnens aufwartet.

Seit drei Jahren hält sich die Neheimerin mit Pole-Dance fit. „Stangentanz“ – so die etwas schnöde klingende deutsche Übersetzung – stammt ursprünglich aus den Vereinigten Staaten, schwappte von dort aus auch nach Europa über.

Aus Sport wurde hierzulande zunächst ein erotisch angehauchtes Vergnügen, leicht oder gar nicht bekleidete Damen wanden sich in Nachtclubs um die Metallstangen.

Auch Saskia wurde einst von einem Mitschüler gefragt: „Gehst du jetzt in Dortmund strippen?“ Damals war sie 15 Jahre alt und fuhr regelmäßig in die Bierstadt, wo es schon „Pole-Dance“ gab – als Fitness-Sport, wohl gemerkt. Heute ist die hübsche junge Frau 18, und kann ihrem Sport vor Ort nachgehen, denn: Praktischerweise besitzt ihre Mutter Christine ein Fitness-Studio. Pole-Fitness steht bei „Rundum Frau“ (so lautet der Name des Studios) seit zwei Jahren regelmäßig auf dem Trainingsprogramm – und ist außerordentlich gefragt. Aus dem gesamten Hochsauerland und dem Nachbarkreis Soest ­kommen Interessierte nach Neheim, denn in der Region wird derzeit nur „Auf’m Möhnert 9“ an der Stange getanzt. Mama und Tochter haben also eine Marktlücke gefüllt.

„Mädels, die Sport machen möchten“, beschreibt Pole-Trainerin Saskia ihr Klientel; fast 40 Frauen im Alter zwischen 17 und Mitte 30 besuchen einen der vier Kurse, die jeweils eine Stunde lang dauern.

„Spaß am Tanzen ist wichtig – und Körpergefühl“, sagt die 18-Jährige mit Blick auf die Voraussetzungen. Wer beides einbringt, wird schnell Erfolge verbuchen. Allerdings sollte niemand den Fehler machen, die Kombination aus Pole Dance und Fitness-Training zu unterschätzen: Viel Muskelkraft – in Armen, Beinen und Händen – ist nötig, um genügend Anpresskraft an der Pole-Stange zu erzeugen. Einige Stellungen münden in Kopf-Über-Positionen, andere bringen den menschlichen Körper in – teils heftige – Rotation um die Stange herum. „Wer etwas von Sport versteht, merkt sofort, dass

einiges an Leistung abverlangt wird“, sagt Saskia.

Weltmeisterschaft in Peking

Es gibt inzwischen den „Deutschen Pole Sport Verband“ als nationale Dachorganisation, neben regionalen und deutschen Meisterschaften werden regelmäßig auch internationale Wettkämpfe ausgetragen.

Erst vor wenigen Tagen ging in der chinesischen Hauptstadt Peking die Pole-Dance-Weltmeisterschaft über die Bühne – oder ­besser; Stange. „Leicht bekleidet und hoch konzentriert präsentierten Frauen und Männer eindrucksvolle Akrobatik“, schreibt die FAZ.

Übrigens – keiner der Pole-Dancer war leichter bekleidet als Leichtathleten oder Schwimmer, aber das nur am Rande der Stange. Doch wie sieht es bei Saskia Blüm mit der Teilnahme an Wettkämpfen aus?

Derzeit bleibt dafür keine Zeit. Die Schülerin des St. Ursula-Gymnasiums hat zunächst ihr Abitur fest im Visier. „Erst kommt die Schule, der Sport steht an zweiter Stelle“, legt sie ihre Prioritäten klar fest. Und mit der Leitung von vier ­Kursen pro Woche hat sie ja auch jetzt schon jede Menge zu tun.

Ein ganz anderes Körpergefühl

Und was schätzt die Athletin an ihrem Sport ganz besonders? „Pole-Dance macht den Körper schöner – von Kopf bis Fuß, man bekommt ein ganz anderes Körpergefühl“, schwärmt Saskia. Wer sie beim Tanzen beobachtet, wird dem nicht ­widersprechen.

Apropos Sprechen: „Auf meinen Sport angesprochen werde ich heute nicht mehr“, sagt die Abiturientin – jedenfalls nicht so plump wie einst von ihrem Mitschüler...