Die Puppe aus Trümmern gerettet

Helga Schröer vor ihrem Haus. Es wurde nach dem Bombardement im Februar 1945 wieder aufgebaut.
Helga Schröer vor ihrem Haus. Es wurde nach dem Bombardement im Februar 1945 wieder aufgebaut.
Foto: WP Ted Jones
Was wir bereits wissen
Als zehnjähriges Kind erlebte die Arnsbergerin Helga Schröer die Bombardierung des Elternhauses an der Ringstraße. Sie erzählt vom 28. Februar 1945 und dem siebten Sinn ihrer Mutter.

Arnsberg..  Geweint hat sie nicht. Nicht eine Träne vergossen. „Keiner hat geweint“, erzählt die Arnsbergerin Helga Schröer von diesen Tag. Über 70 Jahre ist das nun her, aber erst jetzt kommen viele Erinnerung an den Bomben-Mittag am 28. Februar 1945 wieder hoch.

Erst kürzlich fand die Arnsbergerin die handgeschriebene Familienchronik ihrer Mutter Elsa. Darin berichtet sie von dem Tag, an dem das Haus der Familie in der Ringstraße von einer Zehn-Zentner-Bombe getroffen wurde und in Schutt und Asche fiel. Und von den Wochen danach, als die ausgebombte Familie in einer Baracke in Freienohl, im Feldmühlen-Wassertunnel, im Haus von Arnsberger Freunden und später in Rumbeck auf den Frieden wartete.

Helga Schröer ist damals zehn Jahre alt. Mit ihrem Vater Robert - damals Leiter des Ernährungs- und Wirtschaftsamtes, der Mutter und den Geschwistern Horst (6) und Heide (3) sitzt sie am Mittagstisch, als der Volksempfänger vor anfliegenden Bombern warnt. Die Familie sucht an diesem Tag zum ersten Mal einen nahen Gewölbekeller der Bezirksregierung auf. Die Mutter hat ein mulmiges Gefühl und will die Bombardements nicht mehr im eigenen Haus abwarten. „Meine Mutter sagte, sie wolle nicht lebendig begraben werden“, erinnert sich Helga Schröer heute.

Siebte Sinn der Mutter

Der siebte Sinn der Mutter rettet der Familie das Leben. In ihrem Keller hätten die Schröers nicht überlebt. Kaum sind sie damals in den Gewölben angekommen, wird ihr Haus schon von der ersten Angriffswelle getroffen. Staub dringt durch Ritzen auch in den Schutzkeller. „Der Zementstaub raubte uns die Luft“, so die Arnsbergerin.

Nach der Entwarnung der schockierende Blick. Das Haus ist völlig in sich eingefallen. Die Bombe ist bis in den Keller eingeschlagen. Auch die Südfassade des Nachbarhauses ist zerstört. Wasser sprudelt aus Fontänen aus Leitungen, die Grundstücke sind übersät mit weißen Daunenfedern aus den Betten.

Die zehnjährige Helga weint nicht, sondern geht zum Haus und sucht zusammen mit der Familie und Nachbarn nach noch brauchbarem Hab und Gut. „Ich habe noch eine Puppe gefunden“, so die Arnsbergerin. Bei den Aufräumarbeiten müssen russische Kriegsgefangene helfen.

Ein Gedanke, der Helga Schröer noch heute beschäftigt: „Sie durften selbst ja nicht in die Schutzkeller und haben viele Landsleute bei diesem Angriff verloren“. Noch heute geht Helga Schröer einmal im Jahr auf den Friedhof und entzündet an den Gräbern der Kriegsgefangenen eine Kerze.