„Die Neugierde der Kinder ist groß“

Abschlussbesprechung der „Kulturstrolche“ des Schuljahrs 2014/15 mit Schulleiterinnen, Lehrerinnen und Vertretern des Kulturbüros.
Abschlussbesprechung der „Kulturstrolche“ des Schuljahrs 2014/15 mit Schulleiterinnen, Lehrerinnen und Vertretern des Kulturbüros.
Foto: WP

Arnsberg..  Tolle Resonanz, positive Bilanz - und den daraus resultierenden Schwung mit ins neue Schuljahr nehmen. So lautet das Fazit des ersten Jahrestreffens zum Projekt „Kulturstrolche“, an dem Schulleiterinnen, Klassenlehrerinnen und Kooperationspartner der Projektschulen aus dem Stadtgebiet teilnahmen. Dazu ein Gespräch mit Susanne Thoss, die das Projekt stadtweit betreut.

Viele kennen noch die „Kleinen Strolche“, aber was sind denn nun Kulturstrolche?

Susanne Thoss: Ich erinnere mich dunkel an die Sendung aus meinen Kindertagen und musste erst mal googlen. Beim ersten Bild kam sofort der Gedanke: Ach ja, so sah der pummelige Hund aus und so die Strolche in schwarz/weiß. Ich glaube, die haben immer irgend etwas gemacht, was „man“ sonst nicht macht oder nur zusammen mit Gleichaltrigen als Kind. Und so ähnlich ist es mit den Kulturstrolchen. Die machen und erleben auch ständig etwas Neues. Ihre spannende Reise führt sie in Theatergarderoben und Orchestergräben, sie zeichnen an ungewöhnlichen Orten und schauen immer hinter die Kulissen. Sie durchlaufen verschiedene Kultursparten wie Kunst, Theater, Geschichte, Literatur, Medien, Musik und Tanz.

Wer steckt hinter dem Projekt?

In Arnsberg das Kulturbüro der Stadt. Das Kulturstrolche-Projekt wurde aber initiiert und konzipiert vom Dezernat für Bildung, Familie, Jugend, Kultur der Stadt Münster. Nach dreijähriger Pilotphase übernahm das Kultursekretariat NRW Gütersloh 2008 Projektidee und Design und verbreitet das erfolgreiche Konzept seitdem in seinen Mitgliedsstädten. Das Kultursekretariat unterstützt die Städte nicht nur finanziell mit Fördermitteln, sondern auch organisatorisch als übergeordnete Projektleitung.

Was sind die Ziele?

Ein Ziel ist es, Begegnungen zwischen Kindern und Kultur zu schaffen – ein Grundschulleben lang. Kulturinstitutionen und Künstler öffnen ihre Tore und laden die Kulturstrolche ein, einmal hinter die Kulissen zu blicken. Wir ermöglichen eine kulturelle Grundbildung. Die Erfahrungen der vergangenen drei Jahre haben uns gezeigt, mit wie viel Neugierde und Interesse die Kinder an die Sache herangehen, wenn sie die Möglichkeit dazu haben. Kulturstrolche schauen aber nicht nur zu, sie experimentieren, hinterfragen und sind aktiv mit dabei. Wo wir können, kombinieren wir Theorie und Praxis - z.B. beim Theaterspielen in der Kulturschmiede.

Wer organisiert den Ablauf vor Ort?

Ulrike Stratmann vom Kulturbüro und ich in Zusammenarbeit mit unseren Kooperationspartnern und den Künstlern. Bei größeren Projekten wie den Führungen durch das historische Rathaus haben wir das Konzept, die Stationen und konkreten Inhalte mit allen beteiligten Mitarbeitern des Rathauses entwickelt und praxiserprobt. Einmal entwickelte Angebote werden von den Kooperationspartnern dann meist selbst organisiert und die Termine teils direkt mit den Schulen vereinbart. Bei Fragen sind wir im Gespräch.

Wie ist die Resonanz in den Schulen auf dieses Angebot?

Toll. Die Rückmeldungen von Schulleiterinnen und Klassenlehrerinnen und den Kindern ist meist sehr positiv. Beim 1. Jahrestreffen sagte eine Klassenlehrerin, die nach den Ferien mit ihren Kulturstrolchen startet: „Wir freuen uns auf die nächsten drei Jahre. Wir haben schon viel Gutes über das Projekt gehört“. „Die Kinder fanden es bombastisch und schwärmten heute sehr von dem gestrigen Tag. Das war zum Abschluss der Grundschulzeit noch einmal ein Sahnehäubchen“, so eine andere Klassenlehrerin.

Lässt sich seit Projektbeginn in 2010 eine Entwicklung ablesen?

Ja, das Projekt wächst. Im Jahr 2010 sind im Stadtgebiet 3 Schulen mit 4 Klassen eingestiegen, ab dem Schuljahr 15/16 sind 7 Schulen und 13 Klassen am Start. Zwei weitere Schulen mit insgesamt fünf Klassen haben noch angefragt, ob sie mitmachen können.

Wird das Projekt in die Lehrpläne der Schulen integriert?

Ja, wo es passt. Wir hatten zum Beispiel parallel zu den Rathausführungen Schulbesuche zur Vor- und Nachbereitung. Unter dem Titel „Was ist ein Rathaus?“ erhielten die Kulturstrolche Informationen zum Neubürgerpaket der Stadt im Rahmen des Unterrichts. Begeistert waren die Kulturstrolche, als wir direkt aus dem Klassenraum heraus mit meinem Handy die einheitliche Behördennummer 115 angerufen haben. Unser Einstieg war „Hallo, hier sind die Kulturstrolche, wir haben eine Frage“. Bei einem Anruf wurden wir sogar bis zur Kreispolizeibehörde in Meschede verbunden. Eine tolle Erfahrung, die die Kinder ermutigt, selbst anzurufen.

Ist das Kulturstrolche-Projekt starr vorgegeben oder sind vor Ort Änderungen möglich?

Inhalte und zeitliche Abläufe sind im Vorfeld besprochen. Das ist der rote Faden. Änderungen vor Ort und eine individuelle Auslegung sind möglich und gewünscht. Situativ handeln ist wichtig. Fast alle unsere Partner haben Erfahrung im Umgang mit Kindern und Gruppen/Schulklassen. Sie wissen, dass für Betreuung und Führung von bis zu 30 Kulturstrolchen und Begleitpersonen eine flexible Anpassung notwendig ist. Bei unseren Feedbackrunden besprechen wir auch, ob etwas verändert oder verbessert werden soll.

Werden die Lehrkräfte aktiv in das Geschehen eingebunden?

Ja, die Lehrkräfte sind dabei, begleiten die Veranstaltungen. Wir greifen auch Themen auf, die in der Schule behandelt werden. Beim Thema Feuer zum Beispiel ging es ins Feuerwehrmuseum Arnsberg. Da saßen dann auch die Lehrerinnen im Tanklöschfahrzeug zwischen hupenden Kulturstrolchen.

Info

Das Angebot „Kulturstrolche“ richtet sich an das 2. bis 4. Grundschuljahr.

Nach den Ferien sind 7 Arnsberger Schulen mit 13 Klassen am Start.

Insgesamt durchlaufen so ca. 350 Kulturstrolche die Veranstaltungen im Schuljahr 15/16.

kulturstrolche-arnsberg.de