Die "Champions-League" der Kriminalität
26.03.2009 | 15:41 Uhr 2009-03-26T15:41:00+0100Arnsberg/Hachen. Als die Feuerwehrmänner der Löschgruppe Hachen vor anderthalb Jahren die Tore zur „Röhrtaler Kettenfabrik” öffneten, um die Halle vor dem Hochwasser zu schützen, haben sie wohl nicht geahnt, dass die Entdeckung der Hanf-Plantage noch Monate später für Schlagzeilen sorgen würde.
Mittlerweile zieht der Komplex so genannter „Profi-Indoor-Marihuana-Plantagen” weite Kreise.
Seit Sommer 2008 beschäftigt diese Thematik die beiden großen Strafkammern des Landgerichts Arnsberg. Fünf Bandenmitglieder sind bereits verurteilt worden. Weitere werden folgen. „Es wird kaum noch ein Monat vergehen, in dem wir hier nicht einen dieser Damen und Herren gerichtlich versorgen müssen”, blickte der Vorsitzende Richter Willi Erdmann bei einem Prozess in der vergangenen Woche voraus. „Wir werden immer klüger in diesem Verfahren.” Bisher wurden fünf Männer wegen unerlaubten bandenmäßigen Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge verurteilt, und zwar zu Gesamtfreiheitsstrafen zwischen drei und neun Jahren. Vier Verfahren sind noch anhängig.
Vor Gericht gestehen die Angeklagten meist reuig. Mit dieser Offenheit decken sie häufig Dinge auf, die nicht bekannt waren. „Wenn wir alles zusammenfassen, haben wir ein Ermittlungspotenzial, das zu Beginn überhaupt nicht absehbar war”, so Pressesprecher Peter Marchlewski. Eine besondere Belastung für das Landgericht, das durch den Zufallsfund in Hachen in dieser Sache zuständig wurde. „Der Umfang der Ermittlungen, die Zahl der Beteiligten und der Prozessaufwand, den das Landgericht bewältigen muss, sind ungewöhnlich. Der Vorteil ist, dass wir hier zwei Strafkammern haben, so dass man sich einen relativ guten Überblick über den gesamten Prozess verschaffen kann.”
Der Fall hat eine Dimension, die Peter Marchlewski in die „Champions-League” einordnet. Denn im Gesamtkomplex geht es um 18 800 Cannabispflanzen, aus denen 2,2 Tonnen konsumfähiges Marihuana gewonnen wurden. Hinzu kommt ein THC-Gehalt, der im Durchschnitt bei elf Prozent lag. Durch die ausgefeilte Technik und dem Erfindergeist der Hanfbauern.
Ihr Wissen darüber bezog die Bande, die geradezu unternehmerisch an die Sache herangegangen ist, aus den einschlägigen Foren im Internet, mutmaßt ein Sachverständiger. Die Vorgehensweise lässt auf hohe Professionalität schließen. Dies ist nur eine Erkenntnis aus diesem Verfahren, das zahlreiche Hinweise gibt, wie schnell und wodurch die Dinge - und sei es direkt beim Nachbarn nebenan - aus der Balance geraten können. „Wenn man solche Kenntnisse aus dem Internet bekommt, sehe ich darin eine rechtspolitische Herausforderung”, so Willi Erdmann.

0mitdiskutieren