Der Wegewart hat Saison

Walter Kraus
Walter Kraus
Foto: WP

Oeventrop..  Und jetzt? Rechts weiter? Oder doch dem Abzweig links folgen? Hier muss doch irgendwo ein Zeichen sein? Wer schon mal ohne Karte gewandert ist, kennt diese Situation vielleicht. Kein schwarzes Schildchen mit weißem Symbol weit und breit. Damit Wandersleut in Oeventrop nicht in eine solche Zwickmühle geraten und sie sich im dunklen Wald nicht verirren, schnürt Walter Kraus (56) die Wanderschuhe und macht sich auf den Weg.

Baumrinden müssen trocken sein

Der Wegewart des Sauerländischen Gebirgsvereins (SGV) Oeventrop geht gemeinsam mit seiner Frau Gisela (53) die Wege ab, kontrolliert und erneuert die Zeichen und bringt neue Schilder an. Denn gerade hat der Wegewart Saison. „Wenn es nass und nebelig ist, sind die Baumrinden zu feucht. Da hält der Kleber nicht“, erklärt Walter Kraus. Momentan lohne sich jeder Kontrollgang doppelt, ergänzt Gisela Kraus. Sie greift zur Heckenschere und entfernt Gestrüpp, wo das Grün die Sicht auf die wichtigen Wegmarkierungen versperrt.

Mit Metallplättchen, Aufklebern, Spezialkleber und Drahtbürste geht es nach dem Start am Oeventroper SGV-Vereinsheim für die beiden zunächst auf den Oeventroper Panoramaweg. Ein kleines „e“, eingerahmt von zwei Ringen, so sieht die Markierung für diesen etwa 15 Kilometer langen Rundwanderweg aus.

Keinen Kilometer vom Vereinsheim entfernt bringt Kraus das erste Schildchen an einem Baum an. Mit der Drahtbürste befreit er die Rinde von Schmutz. „Wenn ich das nicht mache, verbindet sich der Kleber nicht richtig“, erklärt er. Mit der Kartuschenpresse trägt er den Spezialkleber auf. Gisela Kraus prüft, ob das Schildchen vom Weg aus zu sehen ist. „Noch ein bisschen weiter nach rechts“, ruft sie ihrem Mann zu, bevor er das frische Zeichen fest andrückt. Niemand soll lange nach den Markierungen suchen müssen.

Die zwei sind ein eingespieltes Team. „Wenn es das Wetter zulässt, sind wir jeden Sonntag im Wald unterwegs“, sagt die Frau des Wegewarts. „Das ist unsere Art zu entspannen. Da erzählen wir uns alles, was in der Arbeitswoche passiert ist.“ Rund sechs Stunden dauern ihre Touren normalerweise. Für unsere Zeitung haben sie extra eine kürzere Route ausgesucht. „Wir versuchen, jeden Weg in unserem Zuständigkeitsgebiet mindestens einmal im Jahr abzugehen“, ergänzt sie.

95 Kilometer Wegenetz betreuen

Da haben die beiden ganz schön was zu tun. Rund 95 Kilometer umfasst das Wegenetz, das das Ehepaar Kraus stellvertretend für den SGV Oeventrop betreut. Ehrenamtlich neben dem Beruf, versteht sich. Walter Kraus ist als Hausmeister in einem Sunderner Seniorenheim beschäftigt, seine Frau ist gelernte Floristin und arbeitet als Verkäuferin in einem Geschäft für Deko-Artikel.

Wenig später haben die beiden die Hünenburg erreicht. Dort fehlt ein Schild, weil ein Baum mit Zeichen nicht mehr steht. Schnell wird an passender Stelle ein neues angebracht. Kurz darauf verlassen sie den Panoramaweg und gehen auf dem Ruhrhöhenweg, markiert mit „XR“, weiter. Auch auf diesem Hauptweg, der in Winterberg beginnt und bis nach Duisburg führt, fehlen auf dem Oeventroper Teilstück hier und da ein paar Zeichen. „Manchmal zeichnen wir auch mit schwarzer und weißer Farbe zeichen nach“, sagt Walter Kraus. In der Regel griffen die SGV-Abteilungen aber heute zu Aufklebern.

Zugezogen aus Hamm

Seit 2009 hat Walter Kraus das Amt des Wegewarts inne. Seit 2007 sind er und seine Frau Mitglied im SGV Oeventrop. „Seit wir aus Hamm hierher gezogen sind“, erzählt er. Ursprünglich kommen die beiden aus Thüringen, genauer aus dem Harzvorbergland. „Ja, da kann man auch hervorragend wandern“, bestätigt Walter Kraus.

Nach etwa eindreiviertel Stunden erreicht das Team die Dorfgrenze von nRumbeck. „Ab hier ist der SGV Arnsberg zuständig“, sagt Gisela Kraus. Die Teilabschnitte des Panorama- und des Ruhrhöhenwegs , die der SGV Oeventrop betreut, sind wieder im einwandfreien Zustand. Für diesen Tag ist die Arbeit der beiden Wegemarkierer getan. Arbeit? „Klar, es ist anstrengend, weil man ziemlich viel zu tragen hat“, bestätigt Gisela Kraus. „Aber es macht ja auch Spaß – und unterwegs sind wir sowieso.“

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