Der Kabarettist, der den gemütlichen Sauerländer mimt

Der Musiker Martin F. Risse ist ein Bühnenmitglied beim Geierabend. Bekannt ist er dabei als Joachim Schlendersack aus dem fiktiven Sauerland-Dorf Schnöttentrop.
Der Musiker Martin F. Risse ist ein Bühnenmitglied beim Geierabend. Bekannt ist er dabei als Joachim Schlendersack aus dem fiktiven Sauerland-Dorf Schnöttentrop.
Foto: Ralf Rottmann / FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
"Frohsinn braucht Geduld!" Kabarettist Martin F. Risse über den Humor der Sauerländer, die Vorzüge des Dorflebens und das neue Geierabend-Programm.

Dortmund/Ense.. Joachim Schlendersack aus dem fiktiven Sauerland-Dorf Schnöttentrop an der Schnötte ist einer der Publikumslieblinge beim alternativen Ruhrpott-Karneval Geierabend, dessen neues Programm „Nach uns die Currywurst“ am heutigen Freitag Premiere feiert. Der Dortmunder Martin F. Risse (59) schlüpft auch diesmal wieder in die Rolle des gemütlichen Sauerländers.

Frage: Haben die Sauerländer
eigentlich Humor?

Martin F. Risse: Ja sicher. Ich mag den Humor der Sauerländer. Sie sind zwar, und das meine ich liebevoll, nicht die schnellsten. Wenn man ihnen an Silvester einen Witz erzählt, lachen sie Ostern darüber. . . Aber Frohsinn braucht eben Geduld.

Wie sind Sie darauf gekommen, als Sauerländer aufzutreten?

In den ersten sechs Geierabend-Jahren war das Münsterländer Kabarett-Duo „Die Bullemänner“ noch dabei. Als es aufhörte, habe ich mir gedacht, dass man die Münsterland-Abteilung durch einen richtigen Sauerländer ersetzen könnte.

Welchen Bezug haben Sie zum Sauerland?

Ich bin in Ense-Höingen im Kreis Soest aufgewachsen – von dort aus schaut man ins Sauerland und bekommt viel von den unterschiedlichen Charakteren mit. Höingen ist eigentlich wie ein typisches Sauerland-Dorf: Hier herrscht noch eine herzliche Atmosphäre. Die Mentalität der Sauerländer gefällt mir.

Zum Beispiel?

Es wird ja gerne über die vermeintliche Sturheit der Sauerländer gelästert – aber die sind überhaupt nicht stur. Sie feiern gerne und kommen auch mit Menschen ins Gespräch, die nicht von „hier wegkommen“. Ich mag dieses „immer mit der Ruhe“ und „bloß nicht verrückt machen lassen“.

Wenn Sie auf der Bühne als Joachim Schlendersack stehen, ist Ihnen Beifall gewiss. Ist der Sauerländer mit der dicken Brille und dem Akkordeon vor dem Bauch eine dankbare Figur?

Meine Bühnenfigur wird in der Tat von allen geliebt. Sie ist liebenswürdig, bauernschlau und erklärt uns von einem kleinen Ort aus die Welt – auf eine skurrile, freche, bräsige, aber nie verletzende Art.

"Die Shopping-Queen Ursula von der Leyen"

Wenn es Schnöttentrop gäbe, wo würde es liegen?

Ich bekomme häufig diese Frage gestellt. Ich sage dann immer: irgendwo zwischen Meschede und Winterberg.

Was ist für Sie das Besondere am Geierabend?

Dass wir jedes Jahr ein neues Drei-Stunden-Programm gestalten müssen. Das ist gut für die Kreativität.

Haben Sie einen Bezug zum richtigen Karneval?

Im Alter von 16 Jahren stand ich zum ersten Mal auf der Bühne – beim Höinger Karneval. Zusammen mit drei Freunden führten wir Sketche auf. Das war so etwas wie ein Anschub für meine Bühnen­karriere.

Auf der Geierabend-Internetseite nennen Sie als Vorbild den Schauspieler Gert Fröbe. Wie kommt’s?

Manche Menschen unterstellen mir eine gewisse Ähnlichkeit. Und ich fand seine Darstellung von Bösewichten sehr gelungen. Als ich nach dem Studium Kindertheater gemacht habe, war ich immer der Böse auf der Bühne. Die Kinder haben mich gehasst. . .

Warum sollte man unbedingt eine Geierabend-Vorstellung besuchen?

Weil wir wieder eine schöne bunte Mischung präsentieren – diesmal mit Themen wie die Opel-Werksschließung, die Energiewende und die Shopping-Queen Ursula von der Leyen.

Was machen Sie, wenn Sie nicht für den Geierabend proben?

Ich leite den Ruhrgebiets-Chor „Hömma“, gebe Klavierunterricht, repariere Tasteninstrumente und trete bei diversen Anlässen als Kabarettist auf. Oder als Comedian – wie Sie wollen.

Gibt es ein Projekt, das Sie gerne verwirklichen würden?

Ja. Zusammen mit meinem Bruder – er ist Chorleiter – würde ich gerne einen sechs- bis achtköpfigen Schnöttentrop-Chor gründen. Bei den Auftritten soll nicht nur gesungen werden – ich möchte gerne auch skurrile Geschichten aus dem Sauerland erzählen.

Sie sind am Rande des Sauerlands aufgewachsen und leben seit dem Studium und der Lehre als Klavierbauer in Dortmund. Fühlen Sie sich als Ruhrgebietsmensch oder als Südwestfale?

Zwei Herzen schlagen in meiner Brust. Ich liebe das Ruhrgebiet und fühle mich gleichzeitig in Südwestfalen sehr wohl.

Verfolgen die Menschen in ihrem Heimatdorf Höingen Ihre Auftritte beim Geierabend?

Sie werden es nicht glauben: Jedes Jahr kommt ein ganzer Bus aus meinem Dorf zu einer Vorstellung. Wen die Südwestfalen einmal ins Herz geschlossen haben, den lassen sie nicht mehr los.