Der Hofladen im Internet - Bestandsaufnahme in Südwestfalen

Foto: imago/Eibner
Was wir bereits wissen
  • Online-Handel mit Lebensmitteln läuft in Südwestfalen ruhig an
  • Problem ist oftmals die Marge
  • Marketing-Professorin: Kunden wollen in der Regel nicht mehr als fünf Euro pro Lieferung zahlen

Südwestfalen.. Abgelaufene Milch, braune Bananen – wer will das schon? Ist die Sorge der Kunden, verdorbene Ware geliefert zu bekommen, der Grund, warum sich der Online-Handel mit Lebensmitteln in Deutschland nur schleppend entwickelt? Oder möchte der Kunde seine Äpfel oder Tomaten anfassen wie bisher? Ein Schub ist demnächst aus den USA zu erwarten – Amazon will auch in Deutschland einen Online-Lieferservice mit Kühlkette anbieten – und trifft hier auf die Angebote von Supermärkten, Hofläden, Bioläden und Feinkost-Herstellern im Netz. Sie sind nicht so umfassend wie in den Ballungsgebieten, aber dennoch präsent.

Der virtuelle Hofladen

„Im Lebensmittelhandel sind die Margen knapp. Man muss Kosten und Ausgaben im Griff haben, wenn man erfolgreich wirtschaften will“, sagt Christian Schulte aus Arnsberg, Gründer und Geschäftsführer des Hofladens Sauerland. Sein Internet-Betrieb, seit einem halben Jahr am Start, besteht aus Büroräumen und einem kleinen Lager in einer ehemaligen Volksbank. Keine Hofhaltung. Reiner Vertrieb.

Online-Versand Und ein Internet-Auftritt mit einem breiten Angebot an Obst und Gemüse, Fleisch und Geflügel, Molkereiprodukten, Backwaren, Getränken und mehr. Der Homepage-Nutzer wird bei Schulte konsequent geduzt. „Unsere Erzeuger bekommen bei uns einen eigenen Shop mit einem Link. Wenn ein Kunde einen Auftrag auslöst, bündeln wir die Ware und kaufen dann ein. Unser Lieferwagen kreist in Südwestfalen“, beschreibt Schulte sein Geschäftsmodell. Die Auslieferung dauert ein bis drei Tage. Frischmilch und Erdbeeren sind noch nicht dabei – zu heikel. „Wurst und Obst gehen am besten“, sagt Schulte, der seinen Umsatz im mittleren vierstelligen Bereich angibt. Die Altersstruktur seiner geschätzt 600 Kunden: „40 plus, bei 60 Jahren bricht es ab.“

Der Traditions-Hofladen

„Wir wollen da ran, da geht es hin, das muss man mit anbieten“, sagt Margit Greitemann vom Hofladen Greitemann in Sundern. Dahinter steht ein landwirtschaftlicher Betrieb, der viel Arbeit macht. „Wir haben einen Internet-Auftritt, man kann dort die Waren aber noch nicht anklicken“ beschreibt Margit Greitemann die Lage. Aber: Was haben wir noch auf dem Land, wenn jeder alles im Internet kauft?

Supermärkte/Discounter

Es gibt Angebote – rewe.de, edeka24, my time, den Metro-Ableger Emmas Enkel (Essen, Düsseldorf, Berlin) –, aber vor allem in Ballungszentren. In Südwestfalen ist das Netz dünn, zumal bei Edeka und Rewe der selbstständige Einzelhändler vor Ort mitmachen muss. „Keine Frische- und keine Tiefkühlprodukte“, schränkt edeka24 im Netz ein. Die Rewe-Zentrale in Köln verweist schriftlich darauf, der Online-Service sei in 75 Städten verfügbar, aber nicht in Südwestfalen. Die Priorität für Rewe liege darin, zunächst den Online-Dienst dort anzubieten, wo „entsprechendes Potenzial“ sei. Bei Aldi Süd ist online keine Bestellung möglich.

Kartoffelmarkt

Die Wissenschaft

An eine eher ruhige Weiterentwicklung des Online-Lebensmittelhandels in der Region glaubt Marketing-Professorin Hanna Schramm-Klein von der Universität Siegen: Das werde sich wegen der großen Dichte von Läden mit Waren des täglichen Bedarfs in Südwestfalen langsam entwickeln, meint sie. Zudem sei es ein Margenproblem. Bei einer Marge von oftmals einem Prozent könne die Branche nicht auch noch zusätzliche Logistik-Kosten verkraften. „Und der Kunde ist in der Regel nicht bereit, mehr als fünf Euro pro Gesamtlieferung zu zahlen.“

Der Kunde

Studentin Julia Fuchs aus Arnsberg findet es praktisch, online Lebensmittel zu kaufen. Nach einem Tag sei die Ware da. Sie bestellt meist Salat, Tomaten und andere Frischware vom Bauernhof. Natürlich könne das Einkäufe im Laden nicht ersetzen: „Auf den Großeinkauf im Supermarkt einmal im Monat werde ich nicht verzichten.“