„Der erste Eindruck zählt ja bekanntlich“

Altastenberg..  Er ist stets der Erste, den die Bobbahn-Besucher zu Gesicht bekommen. „Und der erste Eindruck zählt ja bekanntlich.“ Das weiß Albert Stipp (57), der bei Wettkämpfen im Kassenhäuschen sitzt und Eintrittskarten verkauft. „Da muss man schon mit Menschen umgehen können. Und vor allem auch freundlich sein“, so der Altastenberger, der den Job seit mehr als 20 Jahren macht.

„Damals wurden Leute gesucht, die bei Rodel- und Bobwettkämpfen mithelfen. Ich habe mich gemeldet und wurde im Kassenbereich eingesetzt“, erinnert sich der 57-Jährige, der hauptberuflich als Haustechniker im Hotel Astenkrone arbeitet. „Die Kassenarbeit hat mir von Anfang an Spaß gemacht. So bin ich dabei geblieben.“ Und das ging einigen Kollegen wohl ebenso. Auch sie halten der Bobbahn seit vielen Jahren als Kassierer die Treue.

Albert Stipp, der inzwischen Dienstälteste, teilt im Vorfeld der Veranstaltungen die Mitarbeiter - sieben bis acht gehören zum Team - ein. Etwa eineinhalb Stunden vor Wettkampfbeginn sitzen die Kassierer bereits in ihren Häuschen.

Mit Holzschlitten durch die Bahn

Das war nicht immer so. „Früher standen wir draußen, die Kasse auf einem Stuhl neben uns. Als es noch den alten Auslauf gab, haben wir gleichzeitig noch mit der roten Fahne gewinkt - für die Bobs, die in den Zielbereich rasten“, berichtet Stipp schmunzelnd. Gern denkt der Altastenberger auch an die erste Bob-WM 1995 zurück. „Das war meine erste Großveranstaltung. An der Bahn war eine tolle Stimmung, obwohl es viel geregnet hat.“ Aber das ist Schnee von gestern.

Klar, dass der 57-Jährige im Laufe der Jahre an der Kasse einiges erlebt hat. „Immer wieder kommen Leute mit ihren Holzschlitten und glauben, dass sie durch die Eisbahn rodeln können“, erzählt der Altastenberger. Dann erklärt er ihnen erst mal die Funktion der Bobbahn, was sie dort zu sehen bekommen und alles machen können.

„Manchmal komme ich mir auch wie ein Auskunftsbüro vor. Die Menschen fragen mich nach Restaurants, Unterkünften, wo man Skifahren oder wo man sich aufwärmen kann.“ Und natürlich gibt Albert Stipp bereitwillig und gern Auskunft.

Für alle Fälle hat er auch verschiedene Flyer im Kassenhäuschen liegen, die weiterhelfen. Bestens in Erinnerung ist ihm ein Gast geblieben, der für eine ganze Gruppe mit einem 500-Euro-Schein bezahlen wollte. „Das war ganz früh am Tag. Da hatte ich noch gar kein Wechselgeld.“ Und was machte der Mann? Er hinterlegte den Schein bei Albert Stipp und ließ sich später das Geld herausgeben.

Auch das kleine Mädchen, das weinend zu ihm kam, weil es den Papa verloren hatte, hat er nicht vergessen. „Wo ist denn Deine Mama“, fragte Stipp. Dann habe das Kind auf ein Auto außerhalb des Geländes gezeigt. „Die sitzt im Wagen. Der ist es hier zu kalt.“

Lustige Worte helfen immer

Auch Autoschlüssel, Geldbeutel und Ausweise werden bei dem 57-Jährigen abgegeben. „Wenn sich bis nach dem Rennen niemand meldet, gehen die Sachen ins Fundbüro.“ Und dann gibt es auch die Bahnbesucher, die zu feilschen versuchen oder über die Preise mosern. Doch die kann der Altastenberg meistens schnell beruhigen. „Ein paar lustige Worte und die Sache ist erledigt.“

Für die Weltmeisterschaft nimmt sich Albert Stipp acht Tage Urlaub. Die Vorfreude ist groß, auch wenn er am Kassenhäuschen längst nicht alles mitbekommen wird. Aber das trübt seine gute Laune nicht im Geringsten.