Defizite beheben

In ihrem derzeitigen Zustand, erklärt die Stadtverwaltung, sei es nicht möglich, auf der Hellefelder Straße Schutzstreifen für Fahrradfahrer aufzutragen.
In ihrem derzeitigen Zustand, erklärt die Stadtverwaltung, sei es nicht möglich, auf der Hellefelder Straße Schutzstreifen für Fahrradfahrer aufzutragen.
Foto: WP Ted Jones

Arnsberg..  Er absolviert seit 1978 im Ortsteil Arnsberg jeden Weg mit dem Fahrrad. Und sieht, so die Bilanz von Rudolf Küster, noch so einige Defizite, die einer Stadt, die sich mit dem Prädikat „Fußgänger- und Radfahrerfreundlich“ schmücke, nicht gut anstehen würden. „Denn diese Auszeichnung,“ sagt Küster, „hat mich schon überrascht“. Zwar werde der Ruhrtalradweg immer auf den Schild gehoben, doch dieser sei für innerörtliches Fortkommen nicht relevant.

Dabei geht es dem eingefleischten Fahrradfahrer jedoch nicht darum, Zoff um des Zoffs willen zu machen, sondern allein darum, auf für unmotorisierte Zweiradfahrer (und mitunter für Fußgänger) nicht optimale bzw. sogar gefährliche Zustände hinzuweisen. Zum Beispiel fragt Rudolf Küster (die Antworten gibt Manfred Schäfer, der für den Radverkehr zuständige Planer der Stadt Arnsberg):

- Warum gibt es auf der gut ausgebauten Ringstraße keine Schutzstreifen für Radfahrer? Könnte der Radverkehr nicht wenigstens über den schwach frequentierten Bürgersteig geführt werden?

Schäfer: Die Straße weist nicht den erforderlichen Fahrbahnquerschnitt auf, für Schutzstreifen sind mindestens 7 Meter erforderlich. Eine andere Fahrbahnbreite wäre zu Lasten der Gehwegbreite gegangen. Man hat sich bei der Planung für diese Art des Ausbaus entschieden. Nach Möglichkeit sollen innerorts Rad- und Fußgängerverkehr getrennt werden. Sind ausreichende Breiten vorhanden oder besteht wenig Fußgängerverkehr, so muss im Einzelfall geprüft werden, ob Radverkehr auf dem Gehweg zugelassen werden kann.

- Warum, so Küster, gibt es auf der Hellefelder Straße keine Schutzstreifen, „die meiner Ansicht nach dafür breit genug ist“?

Schäfer: Diese Straße hat nicht die erforderliche Raumaufteilung. Es bestehen beidseitig Parkstreifen, die nicht die notwendige Breite einschließlich Sicherheitsabstand aufweisen. Ohne Umbau der Straße oder teilweiser Aufgabe der Parkstreifen ist derzeit keine geeignete eigenständige Radverkehrsführung realisierbar. Alternativ wartet die Stadt das Ergebnis einer Untersuchung ab, die sich mit Schutzstreifen auf schmalen Straßen befasst.

Kein Platz für Schutzstreifen

- Warum fehlen Schutzstreifen auf der Rumbecker Straße? Könnte man nicht zumindest den Gehweg für Bergauf-Fahrten nutzen?

Schäfer: Auch hier sind für beidseitige Schutzstreifen die erforderliche Raumaufteilung bzw. Fahrbahnbreiten nicht gegeben. Eine aktuelle Forschungsarbeit der Uni Dortmund hat sich mit Radverkehr in Kommunen mit Höhenunterschieden befasst. Die Stadt wird diese auswerten und gegebenenfalls neue Lösungen aufgreifen - z.B. Schutzstreifen nur bergwärts oder Radverkehr auf dem Gehweg bergwärts.

- Die Randmarkierung auf der Ehmsenstraße sei zu eng bemessen. Für schiebende Radfahrer oder Passanten mit Kinderwagen entsteht für Rudolf Küster gefährliche Nähe zu vorbeifahrenden Pkw.

Schäfer: In dieser Einbahnstraße in einer Tempo-30-Zone gibt es eine Fahrbahnrandmarkierung, hier wird die Möglichkeit einer entsprechenden Anordnung geprüft.

- Er habe das Gefühl, sagt Küster, dass die Ampel z.B. an der Kreuzung Rumbecker Straße/Ringstraße nicht auf Fahrräder reagiere und man deshalb immer auf ein Fahrzeug warten müsse, bis die Ampel umspringe.

Schäfer: In dem genannten Abschnitt gibt es keine eigenständigen Radverkehrsanlagen, so dass Radfahrer als „normale Verkehrsteilnehmer“ in die Verkehrsabwicklung der Kreuzung auf der Fahrbahn einbezogen sind.

„Das Ganze,“ erklärte Manfred Schäfer auf Anfrage unserer Zeitung, „ist ein ziemlich komplexes Thema. Zur Lösung der Probleme sind Regelwerke, Richtlinien und / oder die StVO anzuwenden.“ Die Stadt sei aber bemüht, auch neue Lösungen und Anwendungsmöglichkeiten in ihr Radverkehrsprogramm aufzunehmen. „Aber alles muss hinsichtlich der Realisierbarkeit geprüft und im Einzelfall entschieden werden.“

Stadt bemüht um neue Lösungen

Wobei Rudolf Küster auf Handeln drängt: „Zwar ist es löblich, dass die Stadt für die Radfahrer an den Ampelmasten anzubringende Haltegriffe angeschafft hat, doch die Priorität liegt für mich woanders. Nämlich in der Beseitigung vorhandener Schwachstellen, damit kein Unfall passiert und sich die Stadt das Prädikat ,Fahrradfreundlich’ auch für den Ortsteil Arnsberg verdient.“

Info

Seit Mai 2014 gibt es einen Fahrradstadtplan für Arnsberg.

Exemplare sind noch in den Stadtbüros, beim Verkehrsverein Arnsberg und im Büro „Aktives Neheim“ erhältlich.