Das „soziale Gewissen“ schläft nicht

Arnsberg - hier der Alte Markt in 2015 - ist seit 2011 Veranstaltungsort des „Kreuzweges der Arbeit“. Weil es sich hier aufgrund der vielen wichtigen Behörden
Arnsberg - hier der Alte Markt in 2015 - ist seit 2011 Veranstaltungsort des „Kreuzweges der Arbeit“. Weil es sich hier aufgrund der vielen wichtigen Behörden
Foto: WP
Was wir bereits wissen
KAB, Ev. Kirchenkreis und Caritas laden zum „6. Kreuzweg der Arbeit“ nach Arnsberg ein und rufen die Bevölkerung zur Teilnahme auf.

Arnsberg..  Die Katholische Arbeiterbewegung - kurz KAB - ist ein wichtiges soziales Gewissen der Gesellschaft. Und Fehlentwicklungen, die anzuprangern sind, gibt es immer. Deshalb ruft der KAB-Bezirk Hochsauerland jetzt wieder zum „Kreuzweg der Arbeit“ in Arnsberg auf, um auf Missstände hinzuweisen und Politik und Bevölkerung gleichermaßen wach zu rütteln. Im Zeichen des Kreuzes. Mit im Boot der Ev. Kirchenkreis und der Caritas-Verband.

Dabei hat die KAB, sagt Kreuzweg-Cheforganisator Heinz-Dieter Schulte, auch in diesem Jahr vier aktuelle Problembereiche ausgewählt, „die unter den Nägeln brenne“: das transatlantische Freihandelsabkommen TTIP, die Flüchtlingssituation, die Gesundheitspolitik - hier speziell die Arzneimittelpreise - und die Energiekosten. „In diesen Themenfelder sehen wir dringenden Handlungsbedarf.“

Besonders hinter TTIP stünden sehr viele Fragezeichen. „Nahezu alle entsprechenden Verhandlungen laufen hier im Geheimen ab und gehen damit an der Bevölkerung völlig vorbei, obwohl die Auswirkungen dieses Abkommens uns alle betreffen werden.“ Ein für eine Demokratie unwürdiges Verhalten. Schon im vergangenen Jahr, so Heinz-Dieter Schulte, habe hier die KAB Hochsauerland deutlich Flagge gezeigt und in Berlin „mit 100 000 weiteren Menschen“ aus ganz Deutschland an der großen Demonstration gegen TTIP teilgenommen. „Weil es uns wichtig ist.“

Jedes der vier genannten Themen wird im Verlauf des Kreuzweges an symbolischen Orten in Arnsberg thematisiert: Über TTIP informiert Heinz-Dieter Schulte am Alten Rathaus (Alter Markt), über die aktuelle Flüchtlingssituation Vertreter des Ev. Kirchenkreises vor dem Verwaltungsgericht (Jägerstraße), über Schieflagen in der Gesundheitspolitik Helmut Kolbe (KAB Hamm-Soest-Unna) vor dem „Gesundheitshaus“ (Neumarkt) und über Energiekosten Vertreter der Caritas am Europaplatz.

Politik und Menschen wach rütteln

Kreuzweg startet am Sauerland-Theater

„Wobei man aber das Thema Energiekosten durchaus auch mit Energiearmut bezeichnen könnte,“ so Schulte, seien doch viele Menschen nicht in der Lage, die ständig steigenden Kosten aufzubringen. So habe sich der Preisverfall beim Rohöl nicht auf die Preisentwicklung beim Gas ausgewirkt. Da bleibe nur: dagegenhalten.

Und dazu soll der „Kreuzweg der Arbeit“ animieren, der nun zum sechsten Mal in Arnsberg stattfinden wird. Bislang mit einer Beteiligung von jeweils 50 bis 90 Personen. „Aber das ist noch eindeutig zu wenig.“ Man versuche zwar stets, andere Organisationen anzusprechen, doch dies falle nur bei DGB und Ver.di auf fruchtbaren Boden. „Sie sind immer mit Fahnen und Transparenten dabei. Doch Kolping zum Beispiel leider nicht. Zumindest nicht offiziell. Und das, obwohl diese Dinge alle angehen.“

KAB-Bezirke fusionieren

Die KAB Hochsauerland wird mit der KAB Hamm-Soest-Unna fusionieren. Beide Bezirke bilden damit einen großen und schlagkräftigen Verband, um sich so besser Gehör für soziale Anliegen zu verschaffen. Die Fusion soll bereits im kommenden Juni erfolgen. Anlass aber auch: immer weniger Mitglieder und die fehlende Bereitschaft, aktive Vorstandsarbeit zu übernehmen. „Das ist leider so wie in fast allen Vereinen,“ sagt der langjährige Bezirksvorsitzende Heinz-Dieter Schulte (73).

Im Grunde gehe man damit aber zurück zu den Wurzeln, habe doch Arnsberg bis 1982 zum Bezirk Hamm gehört. Erst im Nachklang der Kommunalen Neugliederung sei dies geändert worden.

Der KAB Bezirk Hochsauerland zählt 555 Mitglieder in zehn Ortsvereinen - inklusive Warstein. Der Schwerpunkt liegt dabei mit fünf örtlichen KAB-Gruppierungen - Herdringen, St. Petri, Hl. Geist (beide Hüsten), Oeventrop und Bergheim - vor Ort im Stadtgebiet.

Die KAB-Bezirke sind nicht deckungsgleich mit den jeweiligen Landkreisen, sondern sie orientieren sich an den kath. Dekanaten.