Das Erinnern an die Flucht

Arnsberg/Sundern..  Deutschland ist ein Fluchtpunkt. Aus den Krisen- und Notgebieten der Welt strömen die Menschen nach Europa. Sie suchen nach Hilfe, Sicherheit und einer Perspektive auf eine bessere Zukunft. Im Rahmen der vielbeachteten Serie „Fluchtpunkte“ will diese Zeitung uns an unsere eigene Historie von Flucht und Vertreibung erinnern. Wir suchen Leserinnen und Leser, die sich an ihre eigene Flucht erinnern und uns ihre Geschichte erzählen.

Jeder Flüchtling hat seine eigene Biografie, keine Geschichte ist wie die andere und nicht alles ist vergleichbar. Heute kommen Menschen aus fremden Ländern, anderen Kulturkreisen und ohne Sprachkenntnisse. Sie fliehen vor Krieg, Elend und Gewalt oder träumen einfach nur von einem besseren Leben. Keine Frage: Damals - bei der großen Vertreibung und Flucht aus Ostpreußen zum Ende des 2. Weltkrieges (heute leben nur noch die Flüchtlingskinder von damals) und bei der Flucht aus der ehemaligen DDR in die westliche Seite des nach dem Krieg geteilten Deutschlands - waren die Grundvoraussetzung ganz andere. Deutsche flohen nach Deutschland.

Flucht aber bleibt Flucht. Wer das erlebt hat, wird nachempfinden können, was es bedeutet, die Entscheidung zu treffen, seine Heimat notgedrungen zu verlassen. Er wird wissen, was es heißt, woanders anzukommen, wo man niemanden kennt, ohne Job, ohne Wohnung, ohne Freunde und oft auch ohne seine Familie. Und er wird wissen, wie wichtig es ist, dass man Menschen gefunden hat, die dir unkompliziert helfen, die dich willkommen heißen und dir nicht ablehnend gegenüberstehen. Er weiß, wie schwer es ist, wenn du deine Familie zurücklassen musstest oder verloren hast und dich daher einsam und verlassen fühlst. Und wer eine Flucht erlebt hat, weiß auch so gut wie niemand sonst, was man selbst einbringen muss, damit eine Integration in der neuen Heimat gelingt.