„Blitzgescheit, belesen, beleuchtet“

Kunst? Ja! Sophie nimmt den Blitzableiter nahe der Schützenbrücke in Augenschein, der am Freitag um 18 Uhr offiziell eingeweiht wird.
Kunst? Ja! Sophie nimmt den Blitzableiter nahe der Schützenbrücke in Augenschein, der am Freitag um 18 Uhr offiziell eingeweiht wird.
Foto: WP Ted Jones
Was wir bereits wissen
„Aller guten Dinge sind drei“ – Freitagabend auch beim Arnsberger Kunstverein, der zum „kulturellen Hattrick“ einlädt:

Arnsberg.. Den Auftakt bildet um 18 Uhr die Einweihung eines ebenso pragmatischen wie sperrigen Kunstwerks, das bereits auf der Schützenwiese an der Hellefelder Straße zu bestaunen ist: „Blitzableiter-Anlage mit Einschlagzähler“ hat Timm Ulrichs sein „Objekt für potenzielle Natur-Schauspiele in Freilicht-Aufführung“ genannt.

„Der Zähler steht noch auf Null“ meint Juliane Rogge mit Blick auf das – funktionstüchtige – Exponat, das den Arnsbergern dauerhaft erhalten bleibt, denn: „Es handelt sich um eine permanente Installation“, so die Geschäftsführerin des Kunstvereins ­weiter.

Der edle Spender, Timm Ulrichs aus Niedersachsen, ist in der Szene ebenso „berühmt wie berüchtigt“: Der heute 74-Jährige erklärte sich 1961 zum „ersten lebenden Kunstwerk“ und bekannte 1985 gegenüber „Der Zeit“: „Künstler wird man durch Entschluss, nicht durch Talent“. Den ersten, inzwischen verrotteten Blitzableiter schuf er in den 1960er Jahren in seiner Heimatstadt Wildeshausen. Nun ist Arnsberg – dank Vermittlung von Kunstverein-Kurator Vlado Velkov – Standort der „Neuauflage“. Wer mit „Kompakt-Künstler“ Ulrichs über dessen Abstraktion im öffentlichen Raum diskutieren möchte: Der blitzgescheite Künstler ist heute Abend vor Ort mit dabei.

Wobei Abstraktion das Stichwort für „gut Ding zwei“ liefert:

Das Buch „public abstraction“, erste bedeutende Veröffentlichung des Kunstvereins, wird ab 19 Uhr in den Räumen Königstraße 24 vorgestellt. Auch diesem Projekt hat Mit-Herausgeber Vlado Velkov seinen Stempel aufgedrückt, mehrere Jahre war er mit der Gestaltung dieser Publikation befasst. Das Buch bietet in Wort und (vor allem) Bild einen Querschnitt diverser Aus­stellungen des Kunstvereins aus den Jahren 2006 bis 2011 und wird abgerundet durch Abstraktions-Klassiker aus aller Welt.

Fackel-Aktion

Nach diesem literarischen Part geht es dann bodenständig weiter – und das im wahrsten Sinne des Wortes. Festes Schuhwerk wird empfohlen, wenn Yukihiro Taguchi die Arnsberger ab 20 Uhr zur „Fackel-Ketten-Aktion“ bittet. Der Japaner stellt bekanntlich momentan im Kunstverein aus – ist schon seit 14 Tagen wieder im (Sauer)lande; fotografiert, meistens nachts, rund um die Altstadt. Vom Fuße des Seltersbergs, wo eine Kamera steht, geht es mit Fackeln (werden gestellt) durch die Ruhrwiesen. Die Fotos fügt Taguchi zu einem Arnsberg-Film zusammen.