Betrüger mit stets neuen Methoden

Bei der Eingabe von persönlichen Daten ins Internet sollte stets höchste Vorsicht walten.
Bei der Eingabe von persönlichen Daten ins Internet sollte stets höchste Vorsicht walten.
Foto: dpa

Arnsberg..  Die Betrügereien im Internet und im Bereich der Telekommunikation nehmen zu. Und die Betrüger knobeln immer wieder neue Methoden zum Unterlaufen der Schutzsysteme aus, um so das sauer verdiente Geld der Bürger in ihre Taschen umzuleiten. Dabei dient mitunter das Stadtgebiet Arnsberg als Experimentierfeld für neue Tricksereien. Eine, die sich damit täglich auseinandersetzen muss, ist Marlies Albus, Leiterin der Verbraucherzentrale in Arnsberg. Oft letzte Anlaufstelle für verzweifelte Menschen, die unverschuldet in den Fokus moderner Gauner geraten sind.

Immerhin: Von den 1309 Rechtsberatungen der Arnsberger Verbraucherzentrale in 2013 entfallen allein 42 Prozent auf Betrugsversuche im Internet und im weiten Feld der Telekommunikation. „Für Betrüger ist es ja heute leider kein Problem, an die persönlichen Daten der Verbraucher zu kommen“, sagt Marlies Albus. Der einfachste Weg: das Telefonbuch.

Persönliche Daten leicht zugänglich

Dabei hatten die Verbraucherschützer aufgeatmet, als der Bund 2012 ein neues Gesetz erließ, dass die Anbieter im Internet dazu verdonnert, durch einen deutlich sichtbaren Button auf die Kostenpflichtigkeit für das Nutzen von Seiten bzw. das Herunterladen von Dateien hinzuweisen. „Nach kurzer Beruhigung hatten die Abzocker dann aber wieder neue Möglichkeiten gefunden, das Gesetz zu umgehen.“

In den Verbraucherzentralen - also auch in der Burgstraße im Ortsteil Neheim - werden alle Anfragen, auftauchenden Probleme und die Absender betrügerischer Schreiben erfasst – und manchmal zieht die Verbraucherzentrale NRW mit Sitz in Düsseldorf gegen unseriöse Machenschaften auch vor Gericht. „Insgesamt zeigt unsere Anfragenstatistik, dass die ,Telekommunikationsgeschichten’ überproportional angestiegen sind“, erläutert Marlies Albus. Zudem gingen die Betrüger mit immer größerer Raffinesse vor.

Beispiel: Einer Arnsbergerin flattert das Schreiben eines real existierenden Telekommunikationsunternehmens ins Haus. Mit der Aufforderung, ein mit 45,99 Euro belastetes Guthabenkonto auszugleichen. Weil zu diesem Unternehmen jedoch keinerlei vertragliche Bindung besteht, ignoriert die Frau das „Begehren“. Folge: ein erneutes Schreiben mit Androhung auf Einschaltung eines Inkasso-Büros.

Jetzt wendet sich die verunsicherte Frau an die Verbraucherzentrale, die zunächst einen für derartige Fälle entworfenen Musterbrief an das Unternehmen schickt. „Weil man nämlich in diesen Fällen unbedingt reagieren muss“, sagt Albus, denn sonst könne ein solcher Vorgang wirklich teuer werden.

Drohung mit Klage

Doch auch das reicht diesmal noch nicht: Nun erhält die Frau einen Brief eines Inkasso-Büros. Forderung jetzt: 103,12 Euro. Später kommt noch eine „letztmalige Aufforderung“, nun 118,79 Euro zu bezahlen. Verbunden mit massivem Druck. Dann folgt eine Klageandrohung, der u.a. „offizielle“ Schreiben und ein Vorschlag für Ratenzahlung beigefügt sind. „Das ist genau der Zeitpunkt“, weiß Albus, „an dem viele Menschen in die Knie gehen und zahlen, damit sie endlich wieder ruhig schlafen können.“

Für die Verbraucherzentrale Arnsberg sind Einschüchterungsversuche und Drohungen von Anbietern keineswegs Anlass, die Hände in den Schoss zu legen: In ihrer „Rechtsvertretung wegen unberechtigter Forderungen“ übernimmt sie die rechtliche Vertretung der Betroffenen. Von den meisten unseriösen Anbietern hören Verbraucher danach nie wieder etwas.

Doch in diesem Fall geschieht etwas, was selbst Marlies Albus noch nie erlebt hat: „Das Telekommunikationsunternehmen gibt zu, die Forderungen zu Unrecht gestellt zu haben, erklärt aber zugleich, selbst Opfer eines Betruges zu sein. Die junge Arnsbergerin hätte die Ängste nie erdulden müssen, wenn das betreffende Unternehmen sofort gründlich die eigenen Unterlagen geprüft hätte. Und hätte sie sich nicht gewehrt, wäre das Geld widerrechtlich kassiert worden.“

Nicht nur Senioren Opfer

Wie aber schützt man sich? Marlies Albus rät, alle Forderungen und Abbuchungen unbedingt immer zu überprüfen und die Rechnungssteller gegebenenfalls um Klärung zu bitten. Hilft das nicht weiter, finden Ratsuchende in der Beratungsstelle kompetenten rechtlichen Rat.

Eine Zielgruppe als Opfer für Fallstricke beim Kauf im Internet sei allerdings nicht spezifizierbar: „Es sind nicht immer nur Senioren, denn die bewegen sich nicht so häufig im Internet.“

Um erst überhaupt nicht in eine Falle zu laufen, rät Marlies Albus, stets genau hinzuschauen: „Das gilt für Angebote im Internet ebenso wie für Vertragsabschlüsse im stationären Handel.“ Wichtig zu wissen aber sei: „Für im Internet abgeschlossene Verträge gibt es ein zeitlich begrenztes Widerrufsrecht, das auch erklärt werden muss.“ Und wenn Anbieter im Netz nicht auf die Kostenpflichtigkeit ihrer Angebote hinweisen, komme auch kein Vertrag zustande.

Info

Die Verbraucherzentrale NRW hat informative Broschüren zu dieser Thematik aufgelegt.

Diese sind auch in der Niederlassung in der Neheimer Burgstraße 5 erhältlich.

Dort steht ein kompetentes Team mit Rat und Tat zur Seite.

Die Öffnungszeiten: montags 9 - 12 Uhr und 15 - 17 Uhr; dienstags, mittwochs und freitags 9 - 12 Uhr sowie donnerstags von 9 - 18 Uhr.

Die Verbraucherzentrale in Neheim ist erreichbar unter 02932-5109701 oder arnsberg@vz-nrw.de.