„Bei einigen ist die Schmerzgrenze erreicht“
03.01.2013 | 18:33 Uhr 2013-01-03T18:33:00+0100
Hagen/Arnsberg. Die kräftigen Strompreis-Erhöhungen zur Finanzierung der Energiewende gefährden nach Angaben von Wirtschaftsverbänden zahlreiche Arbeitsplätze in Deutschland. Das gilt auch für Südwestfalen: „Es gibt einige Unternehmen, bei denen die Schmerzgrenze jetzt erreicht oder sogar schon überschritten ist“, sagt Michael Beringhoff, Energie-Experte der IHK Arnsberg. Oft könnten die Mehrkosten auch nicht mehr durch Energiespar-Maßnahmen aufgefangen werden.
„Da werden teilweise sogar schon mögliche Produktionsverlagerungen und Standortschließungen durchgespielt“, berichtet Beringhoff vorab aus den Ergebnissen einer laufenden Studie der Kammer, die im Februar veröffentlicht werden soll. Derart drastische Maßnahmen blieben auch für Lieferanten und Kunden nicht ohne Folgen. „Seit Jahrzehnten gewachsene Produktionsverbünde würden damit aufgebrochen.“
Um verheerende Kettenreaktionen dieser Art auszuschließen, hat die Bundesregierung für energieintensive Betriebe, die im internationalen Wettbewerb stehen, eine weitgehende Entlastung von der EEG-Umlage beschlossen. Diese ist zum Jahreswechsel um 50 Prozent von 3,6 auf 5,3 Cent je Kilowattstunde angehoben worden. Und kräftig erhöht hat sich zeitgleich auch die Zahl der entlasteten Betriebe - nach Medienberichten sind von diesem Jahr an mehr als 1500 oder sogar bis zu 2000 Unternehmen zu größeren Teilen von der EEG-Umlage ausgenommen. 2012 lag die Zahl der Ausnahmen erst bei rund 750.
Aktuelle Befreiungsbescheide kommen bald
Die aktuellen Befreiungsbescheide werden erst in diesen Tagen an die begünstigten Firmen verschickt. Öffentlich zugänglich ist auf der Internetseite des federführenden Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle bislang lediglich eine erweiterte Liste für 2012 (Stand Mitte Oktober), auf der sich insgesamt 979 EEG-entlastete Unternehmen finden. Darunter sind insgesamt 31 Betriebe aus Südwestfalen, vom Stahlwerk bis zur Papierfabrik.
Zum Jahreswechsel sind die Strompreise kräftig gestiegen. Im Durchschnitt muss ein Vier-Personen-Haushalt bei einem Jahresverbrauch von 5000 Kilowattstunden mit einem Preisanstieg um zwölf Prozent rechnen. Auch der Staat kassiert kräftig mit.
Beringhoff betonte, dass kein Unternehmen gänzlich von der EEG-Umlage befreit werde. Vielmehr ist die Entlastung nach Stromverbrauch gestaffelt. Bis zu einer Gigawattstunde (GWh) zahlten alle die Umlage in voller Höhe. Erst für den darüber hinaus gehenden Verbrauch greifen - allerdings erheblich - reduzierte EEG-Aufschläge.

0mitdiskutieren