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Bedachung an Gleisen soll verschwinden

04.10.2010 | 17:00 Uhr
Bedachung an Gleisen soll verschwinden
Beschwerden über mangelnde Bahnhofssäuberung häufen sich

Arnsberg.Arnsbergs Bahnhof verdreckt – zunehmend. Gemeint ist nicht das Gebäude, das seit 2005 im städtischen Besitz ist und derzeit restauriert wird. Gemeint sind Bahnsteige und Unterführung. Und diesen Eindruck hatten in den letzten Wochen nicht nur zahlreiche Fahrgäste, sondern auch Guido Schulte, der als selbstständiger Unternehmer derzeit Fahrkarten im Container verkauft und nach Fertigstellung voraussichtlich Anfang nächsten Jahres mit seinem Büro wieder zurück ins restaurierte Gebäude ziehen wird. Müll und herabgefallene Blätter hatten die wenig einladenden Bahnsteige nicht unbedingt in einem besseren Licht strahlen lassen, so die Beobachtungen.

Und wer schon daran glaubte, dass Arnsbergs Bahnhof jetzt komplett von der Bahn abgeschrieben wird, weil alle Mittel ins Projekt „Stuttgart 21“ umgeleitet würden, der liegt in diesem Punkt zumindest nicht ganz richtig. Denn die Erklärung ist simpel: Der für die Reinigung zuständige Servicemitarbeiter hatte drei Wochen Urlaub.

Und für derartige Fälle beauftragt die Bahn einen Subunternehmer, der vom hessischen Eschwege aus für die Sauberkeit auf Arnsbergs Bahnhof zuständig ist. Und die Mitarbeiter dieses Unternehmens seien in den letzten Wochen hier nur äußerst selten gesichtet worden, meinen Beobachter. „Uns war das Problem nicht bekannt, wir werden aber nachforschen, wie intensiv in Arnsberg in den letzten Wochen gereinigt wurde“, sagte gestern ein Bahnsprecher in Düsseldorf auf Anfrage unserer Zeitung.

Zumindest in diesem Punkt ist aber seit gestern wieder der Normalzustand eingekehrt. Was nicht heißt, dass nun alles tipptop ist. Denn derzeit fließen nur wenig Gelder in Instandhaltungsarbeiten. Ist mal der Fahrkarten-Entwertungsapparat defekt (wie seit zwei Tagen), muss Abhilfe in Wuppertal beantragt werden. Das dauere allerdings auch manchmal mehrere Tage. Erneuert werden ansonsten noch defekte Beleuchtungen und andere sicherheitsrelevanten Dinge. Werden allerdings Zerstörungen an Fahrplänen und Serviceeinrichtungen entdeckt, muss deren Reparatur warten, oft Monate lang. Aus Erfahrung berichtet Guido Schulte, dass anfangs eines jeden Jahres, notdürftig Reparaturen ausgeführt würden, weil dann noch Geld dafür da sei. Aber gegen Ende des Jahres würde alles auf die lange Bank geschoben. „Gemacht wird zurzeit nur das Allernötigste“, stellt Guido Schulte fest.

Doch bald soll in Arnsberg vieles bekanntlich besser werden. Im Rahmen einer Modernisierungsoffensive sollen bis zum Jahr 2013, zur Regionalen rund sieben Millionen Euro in den Arnsberger Bahnhof fließen. Wie Stadtplanerin Dr. Brigitta Plass mitteilte, sollen teilweise Landeszuschüsse auch in neue Technik, Gleisanlagen und Schienen fließen.

Knackpunkt ist derzeit aber die Bedachung. Diese ist an einigen Stellen defekt und auch noch mit alten Asbestblatten versehen, die unbedingt entsorgt werden müssen. Da die Bedachung über den Bahnsteigen aber nicht in städtischen Besitz ist, müsste die Bahn auch für deren Erneuerung sorgen.

Das sei allerdings nicht vorgesehen, teilte gestern auch der Bahnsprecher in Düsseldorf mit. Er betonte, dass die Bahn die Dächer nach und nach abreiße. Von einer neuen Überdachung gehe man nicht aus. Ob zukünftig die Fahrgäste im Regen stehen müssen, weiß im Moment niemand. Vielleicht sind in der Investition von sieben Millionen Euro ja noch einige Wartehäuschen vorgesehen. Die Stadt jedenfalls, so Dr. Plass, bedauere es ausdrücklich, wenn die Bahn auf den Wiederaufbau der Dächer verzichten würde.

Geplant ist aber auf jeden Fall noch die Absenkung der Gleise, um einen neuen Zugang zur Nordseite des Bahnhofs zu bekommen, wo auch ein Park & Ride-Parkplatz zunächst mit 40, später dann mit 100 Stellplätzen entstehen soll, von dem die Autofahrer in kürzester Zeit die Gleise auch barrierefrei erreichen können. Ein Komfort, der derzeit überhaupt nicht in Arnsberg geboten wird.

Detlef Schlüchtermann

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Kommentare
06.10.2010
20:33
Bedachung an Gleisen soll verschwinden
von troptroptroptrop | #5

Richtig, die Zuständigkeit für den Personennahverkehr liegt bei den Ländern und den Zweckverbänden. Und zwar ziemlich genau, seitdem die Anfänge der Bahnreform DB in diejenige Sachzwanglogik gebracht haben, in der sie sich jetzt befindet. Ich habe an keiner Stelle Rot/Grün verteidigt.
Es gibt aber außer dem SPNV auch noch den Güterverkehr. Und da spricht die Maßnahme Mora C, nach der die DB sogar Unternehmen, die ihren Gleisanschluss behalten wollten, die Weichen ausbaut Bände. Da kann die Bahn nämlich entscheiden, wie sie will. Und selbst wenn die Länder den Verkehr bestellen: Wenn die Bahn im Zuge von Rationalisierungsmaßnahmen Überholgleise abbaut, bleibt für die Privaten kein Platz mehr. Bestes Beispiel ist Siegen-Hagen. Auf dieser Strecke musste der private Schnellzug Interconnex immer hinter der Regionalbahn herzuckeln und verlor wertvolle Fahrzeit. Die Überholgleise in der Steigung hinter Siegen - anders als in Arnsberg sogar mit Oberleitung - waren noch vorhanden, aber die Bahn hatte die Weichen ausgebaut. In der Praxis setzt die DB also ihren Kopf durch.
Das mit dem dritten Gleis: Zugestanden, mein Fehler. Es freut mich auch durchaus, dass es Pläne gibt, in den nächsten Jahren das gesamte Umfeld zu sanieren. Seit ich mich erinnern kann hat sich dort allerdings seit mindestens Mitte der 90er nicht mehr viel getan. Als nicht-Arnsberger und dennoch Bahn-Beförderungsfall aus dem HSK war auch das immer ein Argument für mich den Neheim-Hüstener Bahnhof dem Arnsberger Bahnhof vorzuziehen.

06.10.2010
14:37
Bedachung an Gleisen soll verschwinden
von tuuttuut | #4

Dach hin, Dach her. Ist alles schön und gut. Solange man es jedoch nicht in den Griff kriegt, dass neu geschaffene Einrichtungen nicht binnen weniger Tage mittels Spraydose farblich umgestaltet werden würde ich als Bahn vermutlich auch nicht sonderlich viel investieren. Sieht ja eh nach ein paar Tagen aus wie ein Saustall.

05.10.2010
20:55
Bedachung an Gleisen soll verschwinden
von Denkendannschreiben | #3

@troptroptrop:
Da scheinen Sie ja wiedermal von der ganz forschen Truppe zu sein...schonmal was von den Regionalisierungsmitteln gehört...die Zuständigkeit für den SPNV liegt seit Mitte der 90er Jahre bei den Ländern - und was war und ist NRW bis 2005 und seit 2010 wieder? Richtig, Rot/Grün. Und weil die das so toll konnten und können, dürfen sie jetzt auch wieder fröhlich vor sich hinwursteln.
Daneben sollten Sie sich mal die Unterlagen bei der Stadt besorgen, die sich u.a. mit der Querung des 3 Gleises und der Neugestaltung des Bahnhofsvorplatzes beschäftigen - auch hier gilt wieder: erst denken, dann schreiben...soll helfen...

05.10.2010
20:12
Bedachung an Gleisen soll verschwinden
von troptroptrop | #2

Interessanterweise gibt es derartige Neuerungen wie den schlanken Bahnhof im großen Stil ja erst seit der sogenannten Bahnreform. Und diejenigen, die die Bahnreform größtenteils zu verantworten haben, werden im schwarzen Arnsberg ja mit schöner Regelmäßigkeit immer wieder gewählt.

Nebenbei: Ein Zugang zum Bahnsteig von der Nordseite beudeutet auch, dass das dritte Gleis entfallen dürfte. Die Ironie des liberalisierten Schienenmarktes ließe sich hieran deutlich sehen. Denn kein privater Güterzug oder privater Sonderzug könnte mehr ausweichen, wenn er dem DB-Monopolisten vorrang lassen müsste. So verstümmelt die DB nicht nur in Arnsberg weiterhin systematisch ihre Gleisanlagen, um Konkurrenten aus dem Markt zu verdrängen.

Dass der Bahnhof im altehrwürdigen Arnsberg vergammelt, liegt nicht nur an der Bahn, die, einmal liberalisiert, nun einmal auf den Profit schauen muss. Wer sich den verwahrlosten, trostlosen Bahnhofsvorplatz auf der Stadtseite angeschaut hat, wird wohl wissen, dass die Wertschätzung der Schiene in AR nicht nur auf seiden der DB zu wünschen übrig lässt!

Fazit: Jede Stadt bekommt den Bahnhof, den sie verdient.

05.10.2010
18:37
Bedachung an Gleisen soll verschwinden
von dafd | #1

das soll wohl ein Witz sein-der Arnsberger Bahnhof ohne Bedachung. Wo leben wir eigentlich? Sollen die Omis und Muttis mit Kindern demnächst im Regen stehen ?
Eine Frechheit der Bahn!!

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