Bäuerin mit Liebe zur Nachhaltigkeit

Katharina Gordes - eine moderne Bäuerin mit Liebe zur Nachhaltigkeit.
Katharina Gordes - eine moderne Bäuerin mit Liebe zur Nachhaltigkeit.
Foto: WP Ted Jones
Was wir bereits wissen
Die 26-jährige Katharina Gordes will Landwirtin werden und den elterlichen Biohof übernehmen und wenn möglich zu einem Vollerwerbsbetrieb ausbauen. Die Familie züchtet schottische Hochlandrinder.

Hüsten..  Liebevoll krault Katharina Gordes der kleinen „Nour“ und ihrer Mama das wuschelige Fell. Sie mag die Tiere. Das etwas über eine Woche alte Kalb muss man einfach zum Knuddeln lieb haben. Und doch behält die 26-jährige Hüstenerin, die sich gerade zur Landwirtin ausbilden lässt, den professionellen Blick auf die zotteligen Schottischen Hochlandrinder auf den derzeit eingeschneiten Weiden des Biohofes Gordes. „Sie sind wirklich süß“, sagt sie, „und auch ziemlich lecker!“

Modern und entschlossen

Wenn die alte Berufsbezeichnung „Bäuerin“ einer modernen Interpretation bedürfe, dann wäre Katharina Gordes ein passendes Gesicht dafür. Jung, modisch, etwas schräge berufliche Biografie, lackierte Fingernägel, einstige Triathletin – kurzum: eine moderne Frau, die weiß, was sie will.

Den derzeit nebenerwerblich betriebenen Hof der Familie möchte sie übernehmen. Irgendwann vielleicht sogar hauptberuflich. „Man kann das“, sagt sie. Und Ideen hat sie auch schon. Ideen – keine Träume. „Ich träume nicht, sondern ich entscheide lieber“, sagt Katharina Gordes. So will sie mehr als bisher den Verbraucher aktiv in den Prozess der Tierzucht einbeziehen und „zeigen, was Landwirtschaft überhaupt ist“. So will sie ein Bewusstsein für ökologische Nachhaltigkeit, gesunde Ernährung und den Wert der Schöpfung und auch des Produktes Fleisch schaffen. Begonnen hat sie auf der Homepage des Hofes mit der Rubrik „Ein Kälbchen wird geboren!“ – das naturnahe Tierleben auf der Hüstener Weide quasi als Doku-Soap im Netz.

Katharina Gordes will den Verbraucher teilhaben lassen, an dem, was sie auch schon seit ihrer Kindheit bei der Tierzucht mitbekommen hat. „Ich sehe ja, wie unsere Tiere geboren werden, wie sie leben und wie sie sterben“, sagt die passionierte Jägerin. Sie gibt zu, dass das auch manchmal weh tun kann. Gut zwei Jahre nach der Geburt werden die Tiere geschlachtet.

Erzählen über die schottischen Hochlandrinder, die ihre Eltern seit 20 Jahren züchten, kann Katharina Gordes viel. Und doch ist die 26-Jährige noch keine richtige Landwirtin. Aktuell besucht sie die Abendschule für landwirtschaftliche Ausbildung in Rheda-Wiedenbrück. Noch zwei Jahre wird sie dort die Schulbank drücken. Tagsüber arbeitet sie als Betriebswirtin im elterlichen Straßenbaubetrieb. Der Weg dahin ging um viele Ecken. Nach dem Realschulabschluss in Hüsten machte sie eine Ausbildung zur Fliesenlegerin, machte ihren Meister und bildete sich dann zur Betriebswirtin des Handwerks fort. Kurios: Einfach hatte sie es trotz dieser Qualifikationen auf dem Arbeitsmarkt nicht.

In der landwirtschaftlichen Abendschule ist sie als Frau nicht alleine. „Wir sind fünf Mädels unter 30 Teilnehmern“, erzählt sie. Sie wird alles lernen, was zum Führen eines Hofes benötigt wird. „Auch den Treckerführerschein muss ich noch machen“, erzählt sie.

Schon jetzt ist sie auf dem nebenerwerblichen Biohof stark eingebunden. „Es ist genau diese Art der Landwirtschaft, die mich reizt“, sagt sie. Immer wieder betont sie aber auch, dass sie konventionelle Höfe auf keinen Fall verteufele. Der Hof Gordes hätte halt für sich entschieden, seinen Weg zu gehen und „ökologisch und biologisch zu wirtschaften“. Das schottische Hochlandrind ist dafür bestens geeignet. Genügsam steht es auf der Weide hoch über Hüsten. Es ist absolut wetterfest, trotzt ohne Stall eisigen Stürmen und braucht noch nicht einmal Unterstützung bei den Geburten der Kälber. Lediglich im Winter werde bei der naturnahen Zucht eine im Sommer selbst hergestellte Anmelk-Silage zugefüttert. „Die Rinder faszinieren mich“, sagt Katharina Gordes, „sie sind imposant und erhaben“.

Der Umgang mit den Tieren hat auch das Verbraucherverhalten von Katharina Gordes verändert. „Ich esse zwar auch nicht nur Biofleisch“, sagt sie, „aber ich kaufe generell nicht mehr bei Discountern, sondern nur beim Metzger“. Der Biohof Gordes vertreibt das Fleisch seiner Hochlandrinder als Direktvermarkter im Hofladen an der Hüstener Freiheitsstraße. Wie war das noch? Erst süß, und dann lecker.