Arnsberger Herzblut fließt nach Schottland

Claudia Brozio und Werner Roland zeigen auf der Landkarte, wohin ihr Herzblut derzeit fließt: ins schottische West Lothian. Die Partnerschaft des HSK mit dieser Region soll künftig auch die Bereiche Wirtschaft und Bildung abdecken.
Claudia Brozio und Werner Roland zeigen auf der Landkarte, wohin ihr Herzblut derzeit fließt: ins schottische West Lothian. Die Partnerschaft des HSK mit dieser Region soll künftig auch die Bereiche Wirtschaft und Bildung abdecken.
Foto: WP

Arnsberg/Hochsauerlandkreis..  Viel Herzblut ist geflossen, die Ziele sind hoch gesteckt, die Erwartungen groß; doch Claudia Brozio und Werner Roland haben ihre „Hausaufgaben“ gemacht – und sind zuversichtlich, der Partnerschaft zwischen dem Hochsauerlandkreis und dem Council West Lothian wichtige neue Impulse geben zu können.

Die Rektorin der Ruth-Cohn-Schule und der Leiter des Berufskollegs am Eichholz sind die Köpfe einer Initiative mit der Absicht, Sauerländer und Schotten in den Bereichen Bildung und Wirtschaft eng kooperieren zu lassen – unter dem Arbeitstitel „Practice“.

So lautet der Name des Konzepts, das die beiden erfahrenen Pädagogen am Montag im Mescheder Kreishaus HSK-Kreisdirektor Dr. Klaus Drathen und weiteren Fachleuten vorstellen – um anschließend einen Antrag auf Fördermittel aus EU-Töpfen auf den Weg zu bringen.

Claudia Brozio und Werner Roland kooperieren als Leiter/-in kreiseigener Schulen schon lange, bringen auch reichlich Erfahrung mit europäischen Projekten ein. Sehr hilfreich – obwohl es sich bei „Practice“ nicht um einen bloßen Schüleraustausch handelt, sondern um ein vielschichtiges Bildungsprogramm. Neben den HSK-Schulen/-kollegs sind Kreisverwaltung, Handwerkskammer, IHK Arnsberg und Arbeitsagentur im Boot. Und im schottischen Partnerkreis ist die Initiative ähnlich breit aufgestellt. Keine Überraschung, denn die Probleme sind dieselben: In den Flächenkreisen HSK und West ­Lothian wird es immer schwieriger, ausreichend „ausbildungsfähige“ ­Jugendliche zu finden. Die Vermittlung in Ausbildung und Berufstätigkeit gelingt ohne begleitende Unterstützung nicht.

„Viele Jugendliche weisen Defizite in Grundtugenden wie Pünktlichkeit, Belastbarkeit oder Flexibilität auf“, hat Werner Roland beobachtet, „es gilt, ihnen einen verlässlichen Rahmen zu geben, für Perspektiven und Erfolgserlebnisse zu sorgen.“ Nur dann werde die Wandlung zum mündigen, engagierten Bürger und zur potenziellen Arbeitskraft gelingen. Eine Arbeitskraft, auf die keine der beiden Regionen auf Dauer verzichten kann.

Sowohl deutsche wie schottische Institutionen haben das erkannt – und möchten gemeinsam an der Umsetzung arbeiten. „Wir möchten, dass sich in den Köpfen dieser Jugendlichen etwas verändert“, bringt es Claudia Brozio auf den Punkt. Eine Delegation aus West Lothian, die erst vor wenigen Tagen in Arnsberg zu Gast war, hat bestätigt, dass es den Schotten genauso geht.

Fördermittel in sechsstelliger Höhe

Im Herbst dieses Jahres steht ein Gegenbesuch auf der Insel an, um letzte Details der Antragstellung zu besprechen. Denn von den Inhalten dieses Antrags hängt ab, ob Geld aus Brüssel fließt. „Erasmus+“ lautet das Zauberwort, mit dem die EU derlei Initiativen fördert. Bei Erfolg steht ab Mitte 2016 ein hoher sechsstelliger Betrag zur Verfügung – und trägt dazu bei, dass das Herzblut nicht umsonst geflossen ist...