Appell: Sorgen der Anwohner ernst nehmen

Auch der Vorsitzende des SPD-Ortsvereins „Im Ruhral“, Rainer Mühlnickel (rechts) kritisiert in der Versammlung im Egge-Siedlerheim die schlechte Informationspolitik.
Auch der Vorsitzende des SPD-Ortsvereins „Im Ruhral“, Rainer Mühlnickel (rechts) kritisiert in der Versammlung im Egge-Siedlerheim die schlechte Informationspolitik.
Foto: WP Ted Jones

Oeventrop.. Brisantes Thema, aber wohltuend sachliche Diskussion: Auf Einladung der Siedlergemeinschaft Egge hatten sich Mittwochabend Mitglieder, örtliche Vereinsvorstände und Politiker über die geplante zentrale Flüchtlingsunterkunft für Asylsuchende in der ehemaligen Suchtklinik in Oeventrop ausgetauscht. Fazit: Gegen die Unterbringung regte sich kaum Widerstand, man müsse den von ärgster Not betroffenen Menschen helfen. Aber die vorgesehene Zahl von 400 Asylbewerbern sei schlichtweg nicht zu bewältigen. Darüber sei unbedingt zu reden - und zwar vor Unterzeichnung von Verträgen.

Verbale Ohrfeigen gab es für Bezirksregierung und auch für die Stadt - für die nicht vorhandene Information der Bürger. Von den Plänen habe man erst aus der Zeitung erfahren müssen. „Wie immer wird der Bürger über den Tisch gezogen und erst informiert, wenn alles unter Dach und Fach ist,“ sagte Diskussionsleiter und Egge-Bürgermeister Martin Klauke. Damit habe man kaum noch eine Chance auf Veränderungen. „Was hat das noch mit Demokratie zu tun?“

Schließlich würden bei Einrichtung der Unterbringung, so habe man von Experten des Verbandes Wohneigentum berechnen lassen, Häuser und Grundstücke im Einzugsbereich rund 25 Prozent an Wert verlieren. Damit gehe manche Altersvorsorge über den Jordan. Schon allein deshalb habe man das Recht auf Information im Vorfeld und auch das Recht auf Kritik. „Was aber mit Ausländerfeindlichkeit absolut nichts zu tun hat.“

Denn darin bestand absoluter Konsens: den unverschuldet in Not geratenen Menschen müsse geholfen werden. Was nur gelinge, wenn die geplante Zahl von 400 Asylsuchenden deutlich gesenkt würde. Sonst sei diese Mammutaufgabe nicht zu stemmen. Vor allem, da aus der ursprünglich geplanten Erstaufnahme mit einer zweiwöchigen Verweildauer nun wohl eine zentrale Flüchtlingsunterkunft werde. Verweildauer dann: ca. drei Monate. Auch dies erfuhren die Bürger nur durch Recherche unserer Zeitung.

Konsens: Den Menschen helfen

Politik und Verwaltung müssten selbstverständlich alles für eine vernünftige Lösung des Flüchtlingsproblems tun, „aber auch unsere Sorgen und Ängste müssen angemessen berücksichtigt werden,“ forderte zum Beispiel Silvia Pöttgen. Nur so sei ein für alle verträgliches Miteinander möglich. Sie selbst sei bereit, sich einzubringen, „aber allein schon aus humanitären Gründen ist eine Unterbringung von mehr als 100 Personen in dem Gebäude nicht akzeptabel“.